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Eine neue große Bühne für Lilienthal

Anklam Eine neue große Bühne für Lilienthal

Hoch hinaus wie einst Flugpionier Otto Lilienthal will nun auch dessen Geburtsstadt. Rund 24 Millionen Euro soll der Umbau der Kirche St. Nikolai in Anklam zum „Ikareum“ kosten. Stadtoberhaupt Michael Galander hofft dafür auf Fördermittel von Bund und Land.

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Dieser Querschnitt zeigt, wie die Anklamer Kirche zum modernen Museum werden kann. DARSTELLUNG: ARCHITEKTENBÜRO HENEGHAN PENG ARCHITECTS

Anklam. Seit 2002 ist Michael Galander Bürgermeister der Hansestadt Anklam. In den vergangenen zehn Jahren seiner Amtszeit stand ein Projekt ganz vorn, das wohl als das anspruchsvollste und weit in die Zukunft weisende Vorhaben in der jüngeren Geschichte genannt werden kann: der Stadtumbau. Über die Veränderungen weiter Teile der Innenstadt, ihren Bezug zur im Krieg zerstörten Kirche St. Nikolai und das Bemühen der Stadt, als eines der Tore zur Insel Usedom zu gelten, sprachen wir mit Michael Galander.

OZ-Bild

Hoch hinaus wie einst Flugpionier Otto Lilienthal will nun auch dessen Geburtsstadt. Rund 24 Millionen Euro soll der Umbau der Kirche St. Nikolai in Anklam zum „Ikareum“ kosten. Stadtoberhaupt Michael Galander hofft dafür auf Fördermittel von Bund und Land.

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Kommunalsprachliche Begriffe verbergen oft die Ausmaße der Prozesse, die damit bezeichnet werden, so auch das Wort Stadtumbau. Was steckt dahinter?

Michael Galander: Als es darum ging, dass Anklam an der positiven Entwicklung der Tourismuswirtschaft auf Usedom teilhaben wollte, da stießen wir auf Hindernisse, die auf den ersten Blick unüberwindlich schienen: ein von tristen und sanierungsreifen Plattenbauten umrahmter Markt, eine mitten durch die Innenstadt führende Bundesstraße und eine vom endgültigen Verfall bedrohte Kirchenruine. Alles das ließ selbst die Optimisten zweifeln, ob sich Anklam wirklich zu mehr als einem Ort eignete, den es als Gast so schnell wie möglich auf dem Weg zur Insel Usedom hinter sich zu bringen galt. Doch es setzten sich letztlich in einem fünfjährigen Diskussionsprozess diejenigen durch, die Chancen sahen, die Stadt für ihre Einwohner und die des Umlandes wieder lebenswert und zugleich für Gäste attraktiver zu machen.

Das war von 2005 bis 2010. Was kam danach?

Galander: Es wurde ein Masterplan erarbeitet, nachdem die Stadtvertretung 2010 einen Beschluss zur Neugestaltung der Quartiere westlich und östlich des Marktplatzes gefasst hatte. Damit galt nun die Devise „Ab in die Mitte“, nachdem wir uns bis dahin vorrangig der Aufwertung der Wohngebiete am Stadtrand gewidmet hatten. Mit dem Abbruch der Plattenbauten am Markt wurde ein verloren gegangener urbaner Raum zurückgewonnen und konnte für eine lebendige Nutzung der Altstadt durch Einwohner und Gäste genutzt werden. Die neue Bebauung auf beiden Seiten des Marktes, angelehnt an historische Vorbilder, steht inzwischen vor dem Abschluss, ein letzter Bau entsteht derzeit. Die seit 1991 für den Stadtumbau ausgegebenen rund 77 Millionen Euro, zu je einem Drittel von Bund, Land und Stadt finanziert, sind offensichtlich gut angelegt. Aber auch private Investoren beteiligen sich zunehmend, so zum Beispiel mit dem bereits begonnenen Umbau der ehemaligen Post zu einem Hotel.

Nicht weit von diesem Gebiet entfernt steht die von der Stadt mittels eines Erbbau-Pachtvertrages übernommene einstige Nikolaikirche. Was hat sie mit dem Stadtumbau zu tun?

Galander: Sie ist ein ganz wesentlicher Teil und von dem gesamten Projekt nicht zu trennen. Dass die seit einiger Zeit vom Lilienthal-Museum hier veranstalteten Sonderausstellungen bereits fünfstellige Besucherzahlen verzeichnen, gab uns Anlass, über einen weiteren Ausbau der einstigen Kirche und ihre künftige Nutzung nachzudenken. Es soll ein Ort werden, an dem an den Flugpionier Otto Lilienthal und seinen Bruder Gustav erinnert werden soll. Außerdem werden hier die Stadtgeschichte und mehrere erlebnisorientierte Ausstellungen ihren Platz haben.

Können Sie konkret zum Projekt „Ikareum – Lilienthal Flight Museum“ etwas sagen?

Galander: Ja, klar. Das nördliche Seitenschiff von St. Nikolai wird frei bleiben und an den noch heute beeindruckenden Bau erinnern, in dem Otto Lilienthal und sein Bruder Gustav getauft wurden und von dem der Platz ihres im Krieg ebenfalls zerstörten Geburtshauses nur wenige Meter entfernt ist. Das Mittelschiff soll weiter vor allem als Ort für Konzerte und Vorträge dienen, darüber schweben schon jetzt originalgetreue Nachbauten der Lilienthalschen Flugapparate. Das südliche Seitenschiff soll auf verschiedenen Ebenen Ausstellungen aufnehmen und von den einzubauenden Emporen Blicke in das Kircheninnere ermöglichen. Erlebnis- und Lernbereiche sollen auch geschaffen werden.

Das Geld dafür, es ist von rund 24 Millionen Euro bis 2022 die Rede, steht bisher aber noch nicht zur Verfügung. Woher soll es kommen?

Galander: Inzwischen hat unter Federführung von Patrick Dahlemann, Parlamentarischer Staatssekretär für Vorpommern, in Anklam eine interministerielle Arbeitsgruppe getagt, der Vertreter von fünf Schweriner Ministerien angehören. Alle ihre Mitglieder haben sich zu dem Projekt bekannt und es sind Schritte beraten worden, wie die Finanzierung bis zum nächsten Jahr gesichert werden kann.

Wir erarbeiten nun einen Finanzierungs- und einen Bauzeitenplan, und wir rechnen mit einer reinen Bauzeit von etwa drei Jahren. Wenn das Ikareum 2022 fertig sein wird, dann bietet Anklam eine in Deutschland wohl einmalige Attraktion sowohl für seine Einwohner als auch für die Urlauber auf der Insel Usedom. Vom Tourismusverband Insel Usedom und der Usedom Tourismus GmbH, denen wir angehören, ist ebenfalls schon Zustimmung und Unterstützungsbereitschaft signalisiert worden.

Flugpionier

Otto Lilienthal, der am 23. Mai 1848 in Anklam geboren wurde, gilt heute als der erste erfolgreiche Flieger der Menschheit. Seine grundlegenden Untersuchungen und Messungen an Modellflügeln sowie seine erfolgreichen Flugversuche von 1891 bis 1896 führten ein Jahrzehnt später zur Verwirklichung des Motorflugs durch die Gebrüder Wright. „Vom Gleitflug zum Motorflug“ wird diese Entwicklung beschrieben. "

Am 9. August 1896 stürzte Lilienthal mit einem Normalsegelapparat ab. Einen Tag später verstarb er in Berlin.

Das Lilienthal-Museum in der Ellbogenstraße 1 ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

www.lilienthal-museum.de

Interview: Dietrich Butenschön

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