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Kein Personal: Im Landkreis fehlen Erzieher

Greifswald Kein Personal: Im Landkreis fehlen Erzieher

40 Prozent der Fachkräfte sind älter als 50 Jahre / Bessere Bedingungen gefordert

Greifswald. Besonders im südlichen Teil von Vorpommern-Greifswald fehlen bereits heute Erzieher in Kindertagesstätten. „In Kürze wird der gesamte Kreis betroffen sein“, sagt Dirk Scheer (parteilos), Sozialdezernent des Kreises. „Wir haben einen hohen Altersdurchschnitt unter den Erziehern“, so Scheer, der am Montagabend die Mitglieder des Kreistages über die Situation informierte. In den kommenden fünf Jahren gehen mehr als 200 Erzieher und Tagesmütter im Landkreis in Rente.

„Mehrere Träger klagen bereits heute über Personalmangel“, sagt Scheer. So gebe es Einrichtungen, die zwar die Kapazitäten und die Zulassung für weitere Gruppen haben, denen aber Fachkräfte fehlen, um diese tatsächlich zu eröffnen. Das Problem verschärft sich nach Aussage von Scheer, weil ein Teil der Erzieher, die in der Region ausgebildet werden, nach dem Abschluss MV verlässt. „In Hamburg verdienen die Fachkräfte deutlich mehr Geld als bei uns“, sagt Doreen Rapphahn, zuständig für Kindertagesstätten im Landkreis. Im Nachbarland Brandenburg seien zudem die Arbeitsbedingungen besser.

Dort muss sich eine Erzieherin um weniger Kinder kümmern, weswegen mehr Zeit für die qualitative Betreuung der Kleinen bleibt.

Scheer hat wegen des Fachkräftemangels bereits das Gespräch mit dem Land gesucht. „Man teilt dort unsere Einschätzung“, sagt er. Ideen seien die Eröffnung einer weiteren Ausbildungsstätte in MV, eine verkürzte Ausbildung, um schneller Fachkräfte rekrutieren zu können, leichtere Bedingungen für Quereinsteiger und eine komplette oder teilweise Übernahme der Ausbildungskosten durch das Land. Scheer rechnet damit, dass der eine oder andere dieser Punkte in den Koalitionsvertrag aufgenommen wird, den SPD und CDU ab sofort aushandeln. Pünktlich zu den Koalitionsverhandlungen fordert auch der Paritätische Wohlfahrtsverband bessere Bedingungen für Erzieherinnen. „Durch eine kostenfreie, praxisorientierte Ausbildung würden sich mehr junge Leute für den Erzieherberuf entscheiden“, ist der Vorsitzende Friedrich Wilhelm Bluschke überzeugt.

Eine weitere Anregung speziell für die Grenzregion ist es, Fachkräften aus Polen den Weg zu ebnen, um Erzieherinnenjobs in MV annehmen zu können. „Die Ausbildung in Polen dauert viel länger als bei uns und ist umfangreicher“, sagt Scheer. Er sehe für die Anerkennung daher keine Hindernisse. Rechtlich liegt die Entscheidung beim Land. „Wenn eine Person, die ihre Ausbildung in Stettin gemacht hat, sich bei uns als Erzieherin bewirbt, muss die Anerkennung beim Bildungsministerium beantragt werden“, erklärt Scheer. Wenn das einmal erfolgreich war, erhalten alle weiteren Absolventen der Schule automatisch eine Anerkennung.

Katharina Degrassi

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