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Usedom „Kultur sollte zur Pflichtaufgabe werden“
Vorpommern Usedom „Kultur sollte zur Pflichtaufgabe werden“
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04:19 13.09.2013
Streiter für Demokratie und Kultur: Holm-Henning Freier will der Region eine hörbare Stimme in Berlin sein.

Das also ist der Wahlkampf. Bis vor wenigen Monaten kannte Holm-Henning Freier ihn nur vom Hörensagen. Inzwischen hat der Bundestagsspitzenkandidat der SPD im Wahlkreis 16 mehr als 100 öffentliche Auftritte hinter sich. „Es ist Stress“, räumt er ein. Selbstgemachter, ließe sich hinzufügen. Schließlich hat sich der Neubrandenburger, der am Sonntag 64 Jahre alt wird, ganz freiwillig darauf eingelassen. Und das, obgleich er es persönlich nicht nötig hätte.

„Ich muss durch einen Sitz im Bundestag weder meine Existenz sichern, noch bin ich auf irgendeinen Posten scharf“, so Freier. Dass er für den Bundestag kandidiere, habe mit dieser Region zu tun und mit seinem zunehmenden Gefühl für die Menschen hier und ihre Lebenslage. „Im Vergleich zu anderen Regionen sind wir immer noch hintendran. Ich will der Gegend und ihren Menschen eine Stimme in Berlin geben. Diese Gegend hat mehr Aufmerksamkeit verdient und dass man sich lautstark einmischt in den Berliner Chor.“

Es habe nicht zu seiner Lebensplanung gehört, für den Bundestag zu kandidieren, beteuert Freier. Nun aber ist er mittendrin, im Vorabwahlgeschehen. Klar sei das anstrengend.„Aber auf diese Art und Weise komme ich mit so vielen Leuten zusammen, und ich lerne Landstriche kennen, in denen ich noch nie war. Das macht auch Spaß.“

Gut 45 000 Stimmen bräuchte er, um auf direktem Weg ins höchste deutsche Parlament einzuziehen. Ob es klappt? Freier sagt, er gebe sich alle Mühe. „In meinem Auto liegen immer mindestens 20 Wahlplakate der SPD. Wenn ich dann durch Dörfer fahre und sehe, dass wir dort nicht präsent sind, hänge ich welche auf.“ Der Wahlkampf 2013 sei diesbezüglich bunter. Noch beim letzten hätten Menschen in ländlichen Gegenden darauf verwiesen, dass nur Plakate Rechtsextremer in ihren Orten hingen.

„Diesmal ist das anders, wir haben gelernt“, sagt Freier. Die Demokratie liegt ihm am Herzen. Mit anderen gründete er das Aktionsbündnis Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt, das 2012 eine Menschenkette gegen ein NPD-Pressefest bei Pasewalk auf die Beine stellte. Freier arbeitete seit vielen Jahren im und für den Kultur- und Medienbereich. Bis heute ist er im Vorstand des Neubrandenburger „Latücht — Film & Medien e.V.“, der sich für die Förderung und Entwicklung von Kultur einsetzt. „Ich trete dafür ein, dass die Förderung von Kultur per Grundgesetz zur Pflichtaufgabe erhoben wird, weil sie zur selbstverständlichen Daseinsvorsorge für die Bürger gehören sollte!“

Wenn aber Städte und Gemeinden ihre kulturellen und sozialen Angebote sichern und entwickeln wollten, bräuchten sie auch die finanziellen Mittel dafür. „Durch die vielerorts hohe Verschuldung stehen diese Mittel aber oft nicht mehr ausreichend zur Verfügung. Deshalb begrüße ich es sehr, dass die SPD ein Konzept für die Entschuldung betroffener Kommunen hat.“

Serie

Bundestagswahl

2013

Der Wahlkreis 16 „Mecklenburgische Seenplatte I - Vorpommern-Greifswald II“ ist der zweitgrößte in Deutschland. Er umfasst Usedom und Wolgast, die Ämter Züssow und Lubmin sowie An—

klam, Neubrandenburg und Pasewalk.

Die Gegenkandidaten von Holm-Henning Freier sind: Matthias Lietz (CDU), Ralf-Peter Hässelbarth (Die Grünen), Christian Bartelt (FDP), Torsten Koplin (Die Linke), Volker Böhning (Freie Wähler),

Uwe Bastian (Piraten), Tino Müller (NPD).

DREI FRAGEN AN...

1 Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Ich bin Vielleser, lese mitunter mehrere Bücher gleichzeitig. In den vergangenen Monaten waren es vor allem Bücher, die mit der Wahl zu tun haben.

2 Welche Politiker würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?
Wenn ich wen wiedererwecken könnte, fielen mir Willy Brandt und August Bebel ein. Brandt war ein beeindruckender Mann, mit dem ich sehr gerne Zeit verbracht hätte. Bebel muss faszinierend gewesen sein, sehr charismatisch, mitreißend.


3Wovon träumen Sie?

Von Gerechtigkeit. Man kann hingucken, wo man will, an Gerechtigkeit mangelt es überall. Sicher, es wird immer etwas offen bleiben, den Idealzustand wird man wohl nie erreichen. Freiheit ist mir auch wichtig. Als DDR-Bürger saß ich jahrelang fest und durfte mich nicht entwickeln. Das war schwierig.

Sven Jeske

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