Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Zerstörung von Wahlplakaten nimmt enorme Ausmaße an

Landtagswahl 2016: Polizei registriert Zunahme von politisch motivierter Kriminalität Zerstörung von Wahlplakaten nimmt enorme Ausmaße an

CDU beklagt Schäden in vierstelliger Höhe / Kandidaten bezahlen ihre Werbung teilweise aus eigener Tasche / AfD-Werbung hat unbekannte Gönner

Voriger Artikel
Gute Arbeitsplätze fördern Zusammenhalt der Region
Nächster Artikel
„Anklam braucht ein neues Krankenhaus“

Angemalt: Björn Wieland (Die Partei).

Greifswald. Beschmiert, zerfetzt, geklaut: Zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl in MV haben die Parteien massiv mit der Zerstörung ihrer Wahlwerbung zu kämpfen.

OZ-Bild

CDU beklagt Schäden in vierstelliger Höhe / Kandidaten bezahlen ihre Werbung teilweise aus eigener Tasche / AfD-Werbung hat unbekannte Gönner

Zur Bildergalerie

Hunderte Plakate im Landkreis seien betroffen, so die Polizei, die von „politisch motivierter Kriminalität“ spricht. „Der Schaden ist enorm und beläuft sich bei uns auf einen vierstelligen Betrag. In diesem Ausmaß habe ich das noch nie erlebt“, zeigt sich Landtagsmitglied Egbert Liskow, der erneut für die CDU antritt, schockiert. Allein auf Usedom seien am Wochenende 16 Aufsteller „mit Nazisymbolen beschmiert worden“. Die Täter hätten gar die Verankerungen entfernt, sodass die Wände unbrauchbar seien. Für ihn sei das bitter, zumal er seine Werbung eigenhändig an die Laternen heftete und dafür tief in die Tasche greifen musste: „Bei uns ist es üblich, dass wir die Kosten selbst tragen, neben Spenden. Nur die Aufsteller der Landes-CDU finanziert der Verband“, sagt er und beziffert seine privaten Ausgaben mit „mehreren tausend Euro“.

Noch teurer kommt die Landtagswahl Christian Pegel zu stehen. Der SPD-Kandidat und Infrastrukturminister rechnet damit, „am Ende einen fünfstelligen Betrag“ vom eigenen Konto zu zahlen. Die genaue Summe stehe nach der Wahl fest. Insofern sei es ärgerlich, fiel die Werbung Vandalen zum Opfer. 400 Laternen habe die SPD in Greifswald mit Plakaten bestückt. „Einige habe ich selbst aufgehängt, die Masse übernahmen die Jusos“, wertschätzt er. Die Zerstörung halte sich in Grenzen: „Vom Gefühl her sind die Schäden nicht größer als in Vorjahren“, so Pegel.

Auf Usedom sehe das ganz anders aus, berichtet sein Parteikollege Falko Beitz. Wiederholt habe es „massive Zerstörungen“ gegeben, sagt der Sozialdemokrat aus Stolpe und bezeichnet das als „Angriff auf die Demokratie“. Schließlich hätten viele Leute Privatkapital gestiftet. Er selbst zahlte „1000 Euro“ aus eigener Tasche. Seine 350 Plakate habe er mit Freunden und Familie aufgehängt.

Beschädigte Objekte zu erneuern, sei sehr zeit- und arbeitsaufwändig, so Beitz.

Das kann Lars Bergemann von den Linken nur bestätigen. Regelmäßig zu schauen, wo was zerstört wurde, „ist für mich zeitraubend und kostenintensiv“, so der Wolgaster. Bislang komme er privat auf 500 Euro. Weitere 1700 Euro stünden ihm für die Wahlwerbung aus einem Fonds zur Verfügung, den der Kreisverband aus Spenden gebildet habe. Insgesamt bezeichnet Bergemann die Mittel im Verhältnis zu anderen als „bescheiden“.

Seine Parteikollegin Mignon Schwenke sieht das ähnlich. Gerade mal 50 Greifswalder Laternen zieren ihr Konterfei. Dafür und für Flyer „zahlte ich selbst 1000 Euro“. Daneben gebe es fünf Großaufsteller, die der Landesverband finanziert habe. „Die Zerstörung hält sich in Grenzen“, so Schwenke, die auf keine Leiter klettern musste: „Das macht bei uns die Jugend.“

Der Liberale David Wulff indes steigt schon mal hoch hinauf, um in den Landtag zu kommen. Etwa 400 FDP-Plakate habe er mit Parteifreunden in Greifswald aufgehängt, davon seien relativ wenige zerstört. Die Kosten für die Wahlwerbung in der Hansestadt beziffert er auf 5000 Euro, wobei ein Teil der Landesverband gezahlt habe. „Ich als Kandidat gab bisher etwa 600 Euro aus“, so Wulff.

Da haben es die Bündnisgrünen besser, wie das Greifswalder Fraktionsmitglied Christoph Oberst berichtet. Die Wahlwerbung der Partei werde aus Mitteln des Landes- und Kreisverbandes sowie Spenden finanziert. „Im ganzen Landkreis sind wir mit 1500 Plakaten präsent, dazu kommen 14 Großaufsteller.“ Wie viele zerstört seien, „kann ich nur schwer sagen. In Strasburg zum Beispiel wurden zuletzt alle Plakate abgehängt, auch in Greifswald gibt es Schäden“, sagt er.

Alle Beschädigungen würden zur Anzeige gebracht, betont AfD- Kandidat Nikolaus Kramer. Und das seien nicht wenige. „In Greifswald haben wir 1200 Plakate angebracht. Die Verlustrate beträgt 60 Prozent, das entspricht etwa 2500 Euro“, sagt er. In der Pappelallee habe sich gar ein regelrechter Kampf entwickelt: „Wenn wir vormittags die Werbung anbringen, ist sie nachmittags wieder runtergerissen.“ Auch privat sei das ein finanzieller Verlust. Er habe bis jetzt 2000 Euro in den Wahlkampf gesteckt, sagt Kramer. Pikant: Nicht jede AfD-Werbung veranlasste auch die AfD. „Die Großplakate in der Gützkower Landstraße stammen von der ,Initiative Recht und Freiheit’“, sagt er. Niemand wisse, wer genau dahinter stecke. Es handele sich offenbar um anonyme Spenden. „Dieselbe Initiative trat schon im März in Baden-Württemberg in Erscheinung“, so Kramer.

Parteien setzen auf die Kraft des Bildes

Die Rostocker Politikwissenschaftlerin Gudrun Heinrich ist Expertin für Wahlen. OZ sprach mit ihr über die „Schlacht am Laternenpfahl“.

Richten die Wähler ihre Entscheidung nach den Wahlplakaten aus?

Gudrun Heinrich: Dazu gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Aber die Plakate regen an, zur Wahl zu gehen und informieren über die antretenden Parteien und Personen.

Inhalte spielen keine Rolle?

Heinrich: Wahlplakate bieten für komplizierte Inhalte zu wenig Platz – es kann nur um Slogans gehen.

Heimat ist in diesem Wahlkampf ein großes Thema. Linke, AfD und CDU werben damit, sich für die Heimat zu engagieren.

Heinrich: Die NPD auch, die ein biologistisches Heimatverständnis vertritt. Man muss unterscheiden. Die AfD hat ein kulturelles Heimatverständnis, das sich vor allem gegen den Einfluss von als fremd empfundenen Kulturen richtet. Für die Linke ist Heimat das, wo man sich wohlfühlt. Die CDU setzt starke regionale Akzente in ihrem Heimatbegriff, fordert ja einen Staatssekretär für Vorpommern. Fraglich ist nur, ob die Bürger das so genau unterscheiden.

Linke-Spitzenkandidat Helmut Holter erscheint auf schwarzem Hintergrund, ist die Partei nach rechts gerückt?

Heinrich: Das ist Marketing und keine politische Aussage.

SPD und CDU sind wenig angriffslustig.

Heinrich: Wenn man so lange miteinander koaliert, wäre alles andere unglaubwürdig Da muss man „Kurs halten“, wie die SPD schreibt.

Die FDP präsentiert sich als „junges MV“. Kann sie damit die Fünf- Prozent-Hürde überschreiten?

Heinrich: Das muss man sehen. Die FDP wirbt um eine junge, bürgerliche und weltoffene Wählerklientel. Das ist auch eine Klientel der Grünen – Bildungsferne bleiben außen vor.

Die Grünen machen es besser?

Heinrich: Sie sind im Landtag und setzen daher auf Bewährtes, auf ihre Themen, die man kennt.Eckhard Oberdörfer

Petra Hase Interview:

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Stralsund

Zu einem Pflegeempfang laden die Landtagskandidatin Heike Carstensen und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (beide SPD) am kommenden Mittwoch ...

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Politik
Verlagshaus Zinnowitz

Neue Strandstraße 31
17454 Ostseebad Zinnowitz

Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. von 10:00 bis 17:00

Leiter Lokalredaktion: Dr. Steffen Adler
Telefon: 03 83 77 / 36 10 14
E-Mail: zinnowitz@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.