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Preußisch exakt und mit eiserner Disziplin

Gothen Preußisch exakt und mit eiserner Disziplin

Der Arzt Dr. Wilhelm Pantenius (73) hat ein umfangreiches Werk zu Alfred Graf von Schlieffen verfasst

Gothen. Es ist vollbracht! Wilhelm Pantenius (73) hat exaktement sechs Jahre intensivster Recherche und mühevoller Quellen- wie Schreibarbeit erfolgreich abgeschlossen. Nun liegt die mehr als 1000 Seiten starke Biografie eines namhaften preußischen Militärs, Alfred Graf von Schlieffen, gedruckt auf dem gut aufgeräumten Schreibtisch des Autors in seinem Gothener Wohnhaus. Pantenius ist der Stolz auf dieses außergewöhnliche Buch anzusehen. Gleichwohl zitiert er, als die Rede darauf kommt, sofort von Schlieffens persönliche Maßgabe: Viel leisten, wenig hervortreten, mehr sein als scheinen. Man ist geneigt, an das Bild vom Meister und seinem Schüler zu denken.

Der promovierte Mediziner hat ein Buch geschrieben, das laut Eudora-Verlag Leipzig weit über eine bloße Biografie hinausreicht. Es sei ein Gemälde der europäischen Gesellschaft zur Lebenszeit Schlieffens (1833-1913) und darüber hinaus geworden. Und es zeichnet, so der Umschlagtext, „detalliert die politischen und mentalen Entwicklungen sowie personellen Verbindungen nach“. So ermögliche die Arbeit Einblicke in das Handeln und die Motive politischer und militärischer Akteure. Allein das Personenregister umfasst bemerkenswerte 25 Seiten.

Das Buch, so sein Autor, räume auf mit politisch-ideologisch deklarierten Interpretationen der Person und seiner Karriere, seines Denkens und Handelns. Für Pantenius könnte es so etwas wie die Krönung seiner nahezu die gesamte Lebenszeit anhaltenden Beschäftigung mit preußischer Militärgeschichte sein. Gewidmet hat er es ausdrücklich „dem Andenken des preußisch-deutschen Generalstabs“.

Damit sofort in die militaristische Ecke gestellt zu werden — was bis 1989 hierzulande allzu schnell und prinzipiell geschehen sei — das weist er zurück. Aber national und konservativ bis auf die Knochen, ja das sei er. Und fügt provokativ hinzu: „Wenn jemand das bereits als rechts einstuft, dann bin ich eben rechts.“

Inhaltlich in die unermesslichen Tiefen dieses (womöglich schon bald Standard-)Werkes eindringen zu wollen, verbietet sich angesichts der jahrelangen, verbissen-disziplinierten Leistung des Verfassers. Der pensionierte Internist (studiert hat er an der Greifswalder Militär-Medizinischen Sektion) hat rund einen Liter Tinte für dieses, für sein Buch verbraucht. Denn Computer und Internet sind seine Werkzeuge nicht. Vier Füller stecken statt dessen in der Halterung auf seinem Schreibtisch. Er ist ein Kopf- und Hand- und auch ein Nacht-Arbeiter. Die Ergebnisse seiner umfangreichen Quellenstudien, Reisen in Archive und Bibliotheken, vieler Briefwechsel und kritischer Dialoge mit Kollegen füllen einen kompletten „Schlieffen-Schrein“ in seinem Wohnzimmer. Alles ist akribisch in Ordnern abgelegt, mit Randnotizen versehen, manches rot angemarkert. „Lesen, lesen, lesen!“ So lautet Pantenius‘ Grundsatz der eigenen Arbeit als Autor. Und man möchte hinzufügen: ein für alle Male abspeichern im Gedächtnis und Verbindungslinien zu anderen Personen der Geschichte entdecken; gesellschaftliche Ereignisse wie Revolutionen, Kriege und Schlachten dazu in Relation setzen.

Pantenius hat rund 100 Jahre deutsche, preußische Geschichte in sechs Jahren, ab 2009 aufgeschrieben. „Mitunter hatte ich Angst, dass mir die Zeit wegläuft. Aber schließlich habe ich es geschafft“, blickt er dankbar zurück. Nun wisse er über Schlieffen und seinen häufig nur sehr oberflächlich bekannten, aber oft gescholtenen Plan genau Bescheid. Ob er damit gar als Schlieffen-Experte gelten könne? Pantenius: Sie wissen doch, mehr sein als scheinen.“

Die Arbeit an der Biografie sei eine riesige Herausforderung gewesen. Disziplin, ja nahezu eiserne Härte habe er aufbringen müssen, um voran zu kommen. „Da musste ich preußische Tugenden beweisen“, sagt der Autor lächelnd. Bei schwierigster Quellenlage, zum Teil verschwundenen Nachlässen und andererseits bereits immens vielen Büchern über Preußen und besonders Friedrich den Großen habe er sich konzentrieren müssen, ohne den Blick einzuengen. Dass und wie es gelungen ist, liest er nun gern an einzelnen Stellen der mehr als 1000 Seiten nach.

Pantenius hat sich bemüht, „nur Fakten auszubreiten“. Was er vermeiden wollte, war der erhobene Zeigefinger. „Die Menschen haben einen eigenen Kopf, können das Gelesene interpretieren, selbst Schlussfolgerungen ziehen“, beschreibt er seine Haltung.

Und was nun, mit 73 und einer ungebrochenen Leidenschaft für Preußen? „Ich könnte mir vorstellen, Schlieffens Kollegen auszuleuchten, den Chef des Admiralstabes der Reichsmarine, Wilhelm Büchsel.“

Genug Zeit habe er am Abend und in der Nacht so bis drei, halb vier Uhr. Der Fernseher bleibt ohnehin fast immer aus, dafür liegt Literatur parat. Exakt abgelegt oder aufgestellt, preußisch korrekt eben.

Von Steffen Adler

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