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Rankwitz: Spinnen will gelernt sein

Rankwitz Rankwitz: Spinnen will gelernt sein

Kurs im Dorfgemeinschaftshaus gestartet / Wolle von Rhönschafen aus Krienke

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Auf dem Boden der alten Schule lagerten mehrere Spinnräder, die nun aktiviert werden.

Quelle: Fotos: Ingrid Nadler

Rankwitz. „Das Spinnrad steht schon ewig bei uns im Wohnzimmer“, sagt Jaqueline Wolff aus Warthe. Nun soll es mehr als nur Zierrat sein. Die junge Frau will spinnen lernen. Den Anstoß dazu hat Annelene Lühmann-Jesewski gegeben, die in der Inselstadt „De Spinndönz“ betreibt. Die Usedomerin ist Mitglied des rührigen Heimatvereins in Rankwitz und wusste daher, dass auf dem Boden der alten Schule mehrere Spinnräder lagern. So ist die Idee entstanden, im Dorfgemeinschaftshaus einen Spinnkurs anzubieten. Mit ihrem Vorschlag hat die Initiatorin bei der Geschäftsstelle der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) offene Türen eingerannt. Und nicht nur das. Sie hat sich sogleich als Dozentin eintragen lassen und einen entsprechenden Aufruf veröffentlicht.

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Kurs im Dorfgemeinschaftshaus gestartet / Wolle von Rhönschafen aus Krienke

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Sechs Frauen und ein Mann haben sich umgehend gemeldet.

Die Pflege vorpommerschen Brauchtums sei eine herausragende Aufgabe der LEB, betonte dessen pädagogischer Leiter Matthias Burkhardt bei der Kurseröffnung. Die Gemeinde bekomme für die vier Abende Miete gezahlt, die Dozentin ein Honorar. Bis auf Liane und Karsten Hänsch, die in Neppermin wohnen, kommen alle Kursteilnehmer aus dem Lieper Winkel. Die Familie Hänsch trägt sich mit dem Gedanken, selber Schafe zu halten. Daher rührt ihr Interesse an der alten Handarbeitskunst.

Annelenes Ehemann Harry hatte die Spinnräder vom Boden geholt und in stundenlanger Kleinarbeit wieder funktionstüchtig gemacht. Doch bevor es ans Spinnen ging, hat die Kursleiterin jedem ein Stück Schaffell in die Hand gedrückt. Die Roh-Wolle hatte Jeanette Fett mitgebracht, die in ihrem Landwirtschaftsbetrieb in Krienke Rhönschafe züchtet.

„Bekommt erst einmal ein Gefühl für die Wolle“, ermunterte Annelene die Runde. „Ich habe das Spinnen vor mehr als 30 Jahren von einer alten Bäuerin gelernt“, erzählt sie. Das Spinnen gehöre, wie das Weben, zu den ältesten Handarbeitsstechniken und sei früher unumgänglich gewesen, um sich und die Familie einkleiden zu können. Und wir lernen, dass der Ausspruch „Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen“ keinesfalls etwas mit den kleinen Krabbeltieren zu tun hat. Sondern vielmehr mit dem Wolle-Spinnen, zudem arme Leute sich schon im Morgengrauen gezwungen sahen, beweist Harry Jesewski, wie gut er sich in der Geschichte dieses nachwachsenden Rohstoffes Wolle auskennt.

Nun erklärt die Spinndönz-Inhaberin den Kursteilnehmern, wie die Wolle mit Zurhilfenahme einer Kardätsche gereinigt und gekämmt wird. Das sieht leichter aus als gedacht. Aber alle strengen sich an.

Auch beim nun folgenden Ausprobieren der Handspindel. Die Finger werden von den ungewohnten Dreh-Bewegungen schnell müde. Doch nach dieser Einführung gehts endlich ans Spinnrad. „Achtet von Anfang an auf eure Sitzhaltung, sonst tut euch nach kurzer Zeit der Rücken weh“, raten Annelene und Harry Jesewski. Dann fangen die Spinnräder tatsächlich an zu surren.

Über 6000 Jahre alt

Das Wolle-Spinnen ist eine der ältesten handwerklichen Tätigkeiten der Welt. Seit über 6000 Jahren werden tierische oder pflanzliche Fasern zu Fäden und Garnen versponnen. Gesponnen wurde mit den Fingern, mit Spinnstöcken und mit den Handspindeln. Die Spinnräder sind nicht ganz so alt. Sie kamen aus China zu uns. Heutzutage wird das Spinnen größtenteils als Hobby betrieben.

Ingrid Nadler

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