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Usedom Rappen, texten und die große Politik
Vorpommern Usedom Rappen, texten und die große Politik
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15:16 13.11.2018
Zum Musikworkshop in Kamminke gehört auch eine Bewegungsübung. Quelle: Henrik Nitzsche
Kamminke

In Kamminke wurde gestern gewählt. Eine neue Präsidentin für eine neue Republik. Aus dem Kreis einer Ministerriege, die auf der politischen Bühne Premiere feierte. Da gibt es die Minister für Ordnung, für Zeit, für Notfälle oder Vertrauen. Sie falten versteckt in der Wahlkabine ihre Stimmzettel und schieben sie in die Wahlurne. Während der Wahl läuft Rockmusik. Gewählt wird Alexa. „So geht Politik“, sagt Edyta Rogowska. Die 29-jährige gebürtige Polin lebt in Berlin. Sie ist Sängerin, Pädagogin und Soziologin. Und für eine Woche auch Gastgeberin eines Musikworkshops in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm in Kamminke. Sie und ihre Mitstreiterin von der Berliner Band „Two Times Twice“, Sarah Magill (29), arbeitet mit Schülern der Mittel- und Oberstufe der Schule am Stettiner Haff mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Zirchow. Es geht um gesellschaftliche Errungenschaften und elementare Werte wie Respekt, gegenseitige Akzeptanz, Selbstbestimmung, politisches Mitspracherecht und friedliches Zusammenleben. Das Projekt heißt „lautstark für Respekt“.

Die Namen Obama, Trump und Putin stehen an der Tafel. „Die Schüler kennen diese Politiker. Sie einzuordnen fällt ihnen nicht leicht“, sagt Sarah Magill. Die Rapperin gründete 2015 mit Edyta Rogowska die Band, die sich auch als Projekt versteht. „Wir sind Künstlerinnen mit Visionen. Wir wollen den Jugendlichen in spielerischen Übungen zeigen, wie Musik als Werkzeug genutzt werden kann, sich auch zu schwierigen Themen zu äußern“, so Sarah Magill, gebürtige Britin, die seit vier Jahren in Berlin lebt. Die Band steht für HipHop, Jazz, Rock, Pop und Rap. Gerappt wird in der Woche, auch HipHop steht auf dem Stundenplan. Entstehen soll ein Lied aus der Feder der beiden Bandmitglieder – allerdings mit den Worten der Schüler. „Sie erzählen uns ihre Visionen von ihrer Republik. Wir wollen ihr Recht auf Mitsprache stärken und Musik mit Themen, wie Krieg, Tod und Gerechtigkeit verbinden“, betont Edyta Rogowska, die Drumcomputer und E-Piano mitgebracht hat.

Dieser Ansatz und die damit verbundene Bewerbung stießen bei Bettina Harz, pädagogische Mitarbeiterin der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, auf offene Ohren. „Wir haben uns in Berlin getroffen. Wow, hört sich toll, war mein erster Gedanke“, sagt Bettina Harz. Sie bietet mit ihren Mitstreitern in der 2005 eröffneten Begegnungsstätte nahe der größten Kriegsgräberstätte des Landes unterschiedliche Möglichkeiten pädagogischen Arbeitens in der Jugend- und Erwachsenenbildung. Und ist begeistert, wie sich die Schüler auf das musikalische Experiment einlassen. „Das ist richtig cool. Wir sprechen über Politik und Länder. Ich interessiere mich vor allem für Hauptstädte“, sagt Jeremy. Der 12-jährige Wolgaster ist von seinen Mitschülern zum Presseminister gewählt worden und stolz wie Bolle. Stolz ist auch Antonia (15), die ebenfalls ein Ministeramt bekleidet.

Dass es mitunter bei der Arbeit mit den Schülern etwas lauter zugeht, sieht Edyta Rogowska gelassen. „Am Abend habe ich wahrscheinlich keine Stimme mehr. Egal. Uns geht es um Chancengleichheit. Deshalb arbeiten wir gerne auch mit Förderschülern.“ In Berlin habe die Band kürzlich mit Flüchtlingskindern ein Projekt absolviert. „Wir sind ja auch Migranten, die hier in Deutschland eine Chance bekommen haben“, fügt Sarah Magill hinzu. Die Ergebnisse des Workshops sollen anlässlich des Volkstrauertages am Sonntag auf der Kriegsgräberstätte Golm bei der traditionellen Veranstaltung zum Gedenken an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft präsentiert werden.

Dass sich die Schüler und die Band aus Berlin schon bald wiedersehen, ist bereits beschlossene Sache. „Two Times Twice“ will in der Schule in Zirchow ein Konzert geben.

Bildtext zweites Foto: Am ersten Tag stand Zeichnen auf dem Programm. Foto: Marcel Piper

Henrik Nitzsche

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