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Usedom Rechtsmediziner soll Fälschungsvorwurf klären helfen
Vorpommern Usedom Rechtsmediziner soll Fälschungsvorwurf klären helfen
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00:00 05.10.2016

Was ist eine Unterschrift unter einem wichtigen Dokument wert, wenn diese, ohne dass ein Notar zugegen ist, auf dem Sterbebett geleistet wurde? Diese Frage drängte sich dem Beobachter in einer Verhandlung gestern vor dem Amtsgericht in Greifswald auf. Auf der Anklagebank saßen zwei Geschäftspartner einer Wolgaster Immobilienfirma. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Untreue, Betrug und Urkundenfälschung vor.

Beide sollen sich das Vertrauen eines schwerstkranken, 2011 verstorbenen Wolgasters, Jahrgang 1954, erschlichen und sich als dessen Betreuer einsetzen lassen haben, um ihn um sein Vermögen zu bringen. Es sei um mehrere hunderttausend Euro gegangen. Hierzu, so der Vorwurf von Seiten der Staatsanwaltschaft, sei die Unterschrift des Mannes auf verschiedenen Vollmachten, auf einem Darlehensvertrag, einer Abtretungserklärung und auf einem Autokaufvertrag offenbar gefälscht worden.

Der Vorwurf der Fälschung konnte vor Gericht gestern noch nicht abschließend geklärt werden. Zwar meinte eine vom Gericht beauftragte Sachverständige für Handschriften-Untersuchungen des Landeskriminalamtes (LKA) MV, die insgesamt sechs strittigen Unterschriften auf besagten Papieren stammten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht von dem todkranken Wolgaster. Und auch der Krankheitszustand des Mannes könne die massiven Störungen und Abweichungen der grafischen Grundelemente von den insgesamt 45 hinzugezogenen originalen Vergleichsunterschriften in der Gesamtheit nicht erklären. Dennoch plädierte Richter Konstantin Tränkmann dafür, zusätzlich einen Gerichtsmediziner zu Rate zu ziehen. Dieser solle klären, ob die möglicherweise gestörte Bewegungsmotorik eines Schwerstkranken und die Liegeposition während des Unterzeichnens der Dokumente zu einer Veränderung der Unterschrift wie im vorliegenden Falle führen kann.

Möglicherweise kann die entsprechende Aussage eines erfahrenen Rechtsmediziners der Universität Greifswald also Licht ins Dunkel bringen. „Die juristische Wahrheitsfindung obliegt am Ende aber dem Gericht“, stellte Tränkmann klar. Rechtsanwalt Dr. Rainer Steffens, Verteidiger eines der beiden Angeklagten, zog seinerseits einen von ihm eingereichten Antrag zurück, wonach ein zweiter, diesmal öffentlich bestellter Sachverständiger für Schriftvergleiche eine Expertise erstellen solle. Steffens hatte zuvor Zweifel an der Professionalität der Spezialistin des LKA angemeldet und behauptet, sie sei bei ihren Untersuchungen nicht unvoreingenommen gewesen. Den resultierenden Vorwurf der Befangenheit wies Richter Tränkmann jedoch zurück.

Gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG bedauerte einer der Angeklagten, während der Unterzeichnung der Dokumente damals keinen Notar hinzugezogen zu haben. Zeitlich sei dies nicht mehr möglich gewesen.

Indes sagte der Staatsanwalt, dass es auch Indizien dafür gebe, dass noch nach dem Tod des mutmaßlichen Betrugsopfers Urkunden erstellt und zurückdatiert worden seien. Die Verhandlung wird am 12.

Oktober fortgesetzt.

Tom Schröter

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