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Usedom Reinigungskräfte erhalten endlich mehr Lohn
Vorpommern Usedom Reinigungskräfte erhalten endlich mehr Lohn
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00:00 10.02.2017

Mehr Geld im Portemonnaie: Die 1980 Reinigungskräfte im Landkreis Vorpommern- Greifswald verdienen mit Beginn des neuen Jahres mindestens 9,05 Euro pro Stunde. Das sind 35 Cent mehr als bisher. Mit einem Plus von vier Prozent im Osten steigt der tarifliche Mindestlohn in der Branche damit deutlich stärker als im Westen, teilt die IG Bauen- Agrar-Umwelt mit. Glas- und Fassadenreiniger, wie Kristin Wiese von der Komplex Gebäudereinigung GmbH Greifswald, gehen sogar mit 11,53 Euro (+ 43 Cent) nach Hause. „Ich finde das Klasse. Immerhin haben wir auch einen körperlich sehr anstrengenden Job“, sagt die 28-Jährige.

Die IG Bau Ostmecklenburg- Vorpommern spricht von einem „enormen Lohn-Schritt“ für die Beschäftigten: „Es ist höchste Zeit, dass die harte Arbeit in der Reinigung endlich stärker wertgeschätzt wird“, betont Bezirksvorsitzender Wolfgang Ehlert.

Kathrin Baier-Winkler, Greifswalder Niederlassungsleiterin des deutschlandweit agierenden Familienunternehmens Piepenbrock, spricht bei der Tariferhöhung von einer „Übung, die fast jedes Jahr in unserer Branche läuft“. Eingeführt wurde der Mindestlohn im Gebäudereiniger-Handwerk erstmals im Juli 2007. Piepenbrock zahle ohne Wenn und Aber den von der Gewerkschaft erkämpften Tarif. „Auch wenn es mit einigen Kunden Probleme gibt. Denn wir müssen einen Teil der Lohnsteigerung natürlich auf die Kunden umlegen“, erklärt Baier-Winkler.

Mit 466 Mitarbeitern und 1930 Kunden zählt das Unternehmen in unserer Region zu den größten der Branche. In der Niederlassung Greifswald – eine von 70 bei Piepenbrock – laufen die Fäden aus ganz Vorpommern zusammen. Größtes Problem: „Die Arbeitskräftegewinnung“, sagt Kathrin Baier- Winkler. In der Hansestadt Greifswald funktioniere die Suche noch ganz gut. Anderswo sehe es mit Mitarbeitern schon wesentlich schlechter aus. „Doch wir arbeiten eng mit den Arbeitsagenturen und Jobcentern zusammen. Um die Weihnachtszeit haben wir beispielsweise vier Langzeitarbeitslose eingestellt, die noch immer bei uns sind“, freut sich die Chefin. Eigenen Nachwuchs bildet Piepenbrock in Vorpommern im Gegensatz zu Standorten in anderen Bundesländern nicht aus. „Früher haben wir das gemacht. Doch die Fluktuation war einfach zu groß“, begründet Baier-Winkler die Abkehr von der Ausbildung.

Anders Christian Horn, Geschäftsführer der Komplex Gebäudereinigung GmbH Greifswald, die viele Kunden auf Usedom, aber auch im Kreis hat. „Ausbildung ist zwar mit viel Aufwand verbunden, aber ich finde sie wichtig, um eigenen Nachwuchs heranzuziehen und den jungen Leuten eine Chance zu geben“, sagt der Chef von rund 85 Mitarbeitern. Deshalb habe er sich zum Ausbilder qualifiziert und biete auch im Herbst wieder drei Lehrstellen an. „Zurzeit haben wir drei Azubis, davon zwei in der Gebäudereinigung und eine Kauffrau für Büromanagement“, so Horn. Er lege Wert darauf, dass die Azubis ihr Handwerk von der Pike auf lernen und die gesamte Bandbreite der professionellen Reinigung vermittelt bekommen.

Bislang habe das Unternehmen, seit 1990 am Markt, immer alle Azubis übernommen. Auch Kristin Wiese gehört zu ihnen. „Denn auf dem freien Markt Arbeitskräfte zu finden, wird zunehmend schwieriger“, sagt Christian Horn. Da er längst nicht so viele Mitarbeiter finde wie benötigt, „kann ich nicht mehr alle Aufträge annehmen“. Auch Horn versichert, den ab Januar gültigen Tarif zu zahlen. „Wir sind Innungsbetrieb, also an die Vereinbarung gebunden“, sagt er.

So erfreulich die Lohnsteigerung für die Gebäudereiniger von vier Prozent auch ist: Kollegen in den alten Bundesländern bekommen nach wie vor mehr – seit Januar glatt zehn Euro pro Stunde. Der Tarif stieg damit um 20 Cent beziehungsweise zwei Prozent. Glas- und Fassadenreiniger erhalten mindestens 13,25 Euro (27 Cent mehr). Für den IG Bau-Bezirksvorsitzenden Ehlert steht damit fest, „dass noch viel zu tun bleibt, um die Lohn-Lücke zwischen Ost und West ganz zu schließen“.

Das sieht auch Gebäudereiniger Karsten Mußgang aus Koserow so. Der Meister seines Fachs zahlt seinen knapp 20 Mitarbeitern ebenfalls Tariflohn, „auch wenn das einigen Kunden aufstößt. Letzten Endes sehen sie es ein“. Noch lieber wäre ihm, den gleichen Lohn wie in den Altbundesländern zahlen zu können. „Doch das ist bei den Kunden nicht umsetzbar. Vermieter von Ferienwohnungen etwa sagen, dass sie die Preise nicht auf die Gäste umlegen können. Dabei machen unsere Leute den gleichen Job wie im Westen“, sagt Mußgang verärgert und hofft für sein Team, „dass es in vier, fünf Jahren endlich eine Tarifeinheit gibt.“

Petra Hase

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