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Usedom Rendezvous mit einem Kerkermeister
Vorpommern Usedom Rendezvous mit einem Kerkermeister
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00:00 29.04.2016
Usedom

Vorsicht, ein Sachse kann Sie in den Knast bringen! Oder genauer gesagt in den Kerker. Das passt besser in die Zeit, wenn sie von Wolfgang Eberhardt empfangen werden. Der 72-Jährige ist der Kerkermeister von Usedom. Und der gute Geist, mit dem Gäste die Altstadt erkunden und in die Geschichte eintauchen.

Ab Mai gibt es wieder den historischen Rundgang in der Stadt Usedom. Und der beginnt immer am Anklamer Tor, dort, wo im 18. und 19. Jahrhundert das Stadtgefängnis untergebracht war. „Vier Kerkerzellen existieren noch. Die werden heute als Ausstellungsräume für die Heimatstube genutzt“, sagt Eberhardt, der sich nicht nur als Schließer des Kerkers fühlt. Nein, Eberhardt lebt ihn auch, wenn man ihn im historischen Umhang trifft. An seinem Strickgürtel baumeln ein verrostetes Schloss und zwei Schlüssel. Authentisch will er rüberkommen. Und dabei sehr viel erzählen — aus der über 700-jährigen Geschichte der Stadt, die bis weit in das 13. Jahrhundert hinein ein überregionaler Handelsplatz und Handwerkerzentrum, Herzogsitz, Klosterort und zeitweiliger Bischofssitz war.

An einen Namen kommt der Stadtführer während der 60 Minuten nicht vorbei — Otto von Bamberg. Auf dem Usedomer Schlossberg erinnert seit 1928 ein Kreuz an die Christianisierung Pommerns durch Bischof Otto von Bamberg. 800 Jahre zuvor hatten die pommerschen Adligen hier zu Pfingsten die Annahme des neuen Glaubens beschlossen.

Wenn der Usedomer mit seinen Gästen vor dem Kreuz und der Gedenkplatte auf dem Schlossberg steht, erzählt er gerne von einem unterirdischen Gang, den es von hier bis nach Pudagla gegeben haben soll.

Ein Erstklässler bat ihn einmal bei einem Schulausflug, die Platte mal fix abzuschrauben, um so ganz schnell nach Hause zu kommen. „Ich habe keinen Schraubenschlüssel dabei“, entgegnete der amüsierte Stadtführer, der die Rundgänge keineswegs bierernst gestaltet. „Sie müssen Spaß machen“, so Eberhardt, der auch für die Entstehung des Namens „Usedom“ eine eigene Geschichte parat hat. „Man machte sich lustig über Slawen, die einfach so am Wasser saßen und kommentierte das mit ,oh so dumm‘“, sagt der gebürtige Hallenser, der seinen sächsischen Dialekt gut unterdrücken kann, aber nie abgelegt hat. Bei den Führungen treffe er häufig auf Landsleute. „Viele Schweizer sind auch dabei. Sie interessieren sich sehr für die Geschichte“, meint Eberhardt, der im vergangenen Jahr knapp 200 Gäste durch die Stadt führte. Dabei ist es ihm egal, ob es ein Gast ist oder 20 Leute sind. „Vor vier Jahren habe ich mich entschlossen, unsere Stadt so zu präsentieren“, begründet Eberhardt, der von 1976 bis 1990 in der Inselmühle Usedom als Müller gearbeitet hat, sein Tun.

In diesem Jahr hat er mit Maik Heimann (42) einen Helfer an seiner Seite, der bis Oktober ehrenamtlich dafür sorgt, dass die Heimatstube im Anklamer Tor von dienstags bis sonntags geöffnet ist. „Wenn ich mit meinem Latein mal am Ende bin, hilft mir Maik. Er interessiert sich sehr für die Geschichte“, sagt Wolfgang Eberhardt und steigt die Holztreppe hinauf ins Hochzeitszimmer des Anklamer Tores.

Trauungen gab es schon einige. Außerdem hat man von hier aus — rund 30 Meter hoch — einen schönen Blick auf die Stadt, in der ein 72-Jähriger aus Halle die Schlüsselgewalt für die Kerker hat.

Von Henrik Nitzsche

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