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„Ritter, Tod und Teufel“: Epochales in der Kirche

Anklam „Ritter, Tod und Teufel“: Epochales in der Kirche

Die Geschichte des Mecklenburger Reformators Thomas Aderpul als Oper / Die Proben laufen in Anklam, Regie führt Wolfgang Bordel

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Die Macher in einer Anklamer Probenpause: Florian Hacker, Jacqueline Boulanger, Marcus Melzig, Claudia Graue, Georg Meier, Wolfgang Schmiedt, Dr. Wolfgang Bordel sowie Falk Bonitz und die Musiker der „Fun Horns“.

Quelle: Christine Senkbeil

Anklam. Es geht in doppelter Hinsicht revolutionär zu in der Nikolaikirche Anklam. Oben im Luftraum des historischen Ambientes hält Flugpionier Otto Lilienthal seine Übungsstunden ab: In der Dauerausstellung. Am Boden aber klingt es stimmgewaltig. Hier wird eine moderne Oper geprobt, in der es ebenfalls um einen Epochemacher geht: um Thomas Aderpul. Er war der Mann, der Luthers Ideen zur Reformation nach Mecklenburg brachte und die mittelalterliche Kirche ganz schön auf den Kopf stellte.

In der Geschichts-

schreibung wird ja selten

auf die Frauen geschaut.“Woflgang Bordel, Regiesseur

Ein Mecklenburgischer Reformator in Vorpommern? Tatsächlich werden auch die Aufführungen dieser Oper zunächst nur in Mecklenburg bzw. Schleswig-Holstein stattfinden: und zwar an historischen Schauplätzen. Doch die Vorpommersche Landesbühne zählt zu den zehn großen Unterstützern des Mammut-Projekts: Intendant Wolfgang Bordel führt Regie. „Wir lassen es dort erstmal probelaufen“, erklärt er augenzwinkernd: „Und wenn es gut wird, holen wir es nach Anklam!“ Dass es gut wird, scheint nach ein paar Hörproben außer Frage. Schon das Duett, das Florian Hacke, als Reformator Aderpul, und seine Stück-Partnerin Jacqueline Boulanger singen, klingt schön und ist eingängig. Auch die Sprechszenen zwischen Ritter von Plessen (gespielt von Marcus Melzwig) und dessen Schwester Elisabeth (Claudia Graue) machen neugierig auf die Handlung. 50 Mitwirkende inklusive zweier Chöre werden später auf der Bühne stehen, begleitet von der Orgel und den „Fun Horn“-Musikern.

Passend zum 500. Reformationsjubiläum 2017 geht es also um das Leben und Wirken des Reformators Aderpul (um 1490-1557). Erzählt wird, wie der Kirchenmann um 1526 aus Lübeck vertrieben in Gessen landet und nun hier Reformation machen will – in genau dem mecklenburgischen Dorf, in dem am 7. September übrigens auch die Premiere stattfindet. Er trifft auf den Ritter von Plessen, der sich durch ihn von seiner kirchlichen Schuldenlast zu befreien hofft. Dessen Schwester Elisabeth hat gute Verbindungen zum Bischof von Ratzeburg (Georg Meier), der den „Buben und Ketzer“ in den Kerker im Schloss Schönberg werfen lässt. Doch Plessen zieht mit seinen Rittern zur Rettung aus

Autorin Janny Fuchs fügte für die Textvorlage historische Eckpunkte mit Erdachtem zusammen, führte zum Beispiel Frauenfiguren ein. „Ein Stück ohne Frauen ist ja wie eine Suppe ohne Salz“, sagt der Komponist Wolfgang Schmiedt, der nach diesem Text mit seinen Kollegen Martin Pollok und Susi Koch das Opernwerk komponierte. Der Rostocker ist auch künstlerischer Leiter dieser Inszenierung.

Aus den Rollen lebendige Figur werden zu lassen: das ist nun Aufgabe für Regisseur, Schauspieler und Sänger bei den Proben hier in Anklam. „Mein Aderpul wird dem Original bestimmt nicht gleichen, aber er ist in sich schlüssig und passt auf die heutige Bühne“, erzählt Florian Hacke, der eben noch im Lindenberg-Musical in Berlin auf der Bühne stand. Für Jacqueline Boulanger war es hilfreich, mit Wolfgang Bordel an den Rollenbildern zu arbeiten. Sie spielt Aderpuls Ehefrau: zu heiraten war damals ein Skandal für einen Pastor. „In der Geschichtsschreibung wird ja selten auf die Frauen geschaut“, sagt Bordel und will ihnen nun besondere Kraft geben. „Ich habe durch diese Arbeit die Stärke dieser Figur begriffen“, sagt die im Norden auch als Jazzlady bekannte Sängerin.

Wer nicht warten will, bis die mal rockige, mal jazzige Oper rund um die Reformation in Mecklenburg nach Vorpommern kommt: hier die Aufführungen auf einen Blick (jeweils 19.30 Uhr):

7. September: Kirche Gressow;

8. September: St. Petri Lübeck;

9. September: Kirche Klütz;

13. September: St. Laurentius Kirche Schönberg; 15. September: Dom zu Ratzeburg; 18. September: St. Georgen Wismar.

Karten auf www.shop.ostsee-zeitung.de oder telefonisch ☎ 0381 / 38303017

Christine Senkbeil

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