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Usedom Sauerstoffwerk: Abriss beschlossen
Vorpommern Usedom Sauerstoffwerk: Abriss beschlossen
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00:00 06.02.2018
Die Ruine des alten Sauerstoffwerkes in Peenemünde. Das Werk produzierte während der Nazizeit für die V2-Raketen den Sauerstoff. Quelle: Foto: Stefan Sauer

Eine Ruine soll weg: Mit einer Gegenstimme hat sich die Peenemünder Gemeindevertretung mehrheitlich für den Abriss des ehemaligen Sauerstoffwerks ausgesprochen. Mit der Planung soll begonnen werden, wenn die Finanzierung gesichert ist.

Das könnte aber der Knackpunkt werden. Die Denkmalschutzbehörde hat bereits angekündigt, dem Beschluss nicht zu folgen. Wenn Schwerin für den Abriss kein Geld gibt, dürfte es für die Kommune allein aussichtslos sein.

„Zum Abriss gibt es keine Alternative. Für die Grundsicherung des maroden Gebäudes sind Kosten von rund zwei Millionen Euro veranschlagt“, sagt Bürgermeister Rainer Barthelmes (Wählergemeinschaft Peenemünde) und bezieht sich auf ein Schadensgutachten zum Objekt. Das Sauerstoffwerk ist eines der prägenden Gebäude des Ortes. Es wurde 1939 errichtet, weil für die in Peenemünde entwickelte Rakete A4 (V2) in der Heeresversuchsanstalt der Nazis flüssiger Sauerstoff benötigt wurde. Die Gemeinde hatte das Sauerstoffwerk 2013 von einem Berliner Unternehmer gekauft. Den Kaufpreis von 50000 Euro übernahm das Land, weil das Sauerstoffwerk ins Museumskonzept der HTM Peenemünde GmbH (Land ist Hauptgesellschafter) integriert werden sollte.

Passiert ist aber in den Jahren nichts. Stattdessen gehen von der 73 Meter langen Ruine in der Hauptstraße sowohl für die Anlieger als auch für die Allgemeinheit Gefahren durch herabfallende Gebäudeteile aus. „Von Jahr zu Jahr wird es gefährlicher“, betont Barthelmes, der etwa 100 Meter vom Sauerstoffwerk entfernt wohnt. „Fragen sie mal die Nachbarn, wer sich da alles rumtreibt. Das ist zum Abenteuerspielplatz geworden. Mit dem Beschluss wollten wir endlich ein Zeichen setzen. So kann es auf keinen Fall weitergehen“, sagt der Bürgermeister.

Vor der Abstimmung hatte sich Michael Gericke, Geschäftsführer des Historisch-Technischen Museums (HTM) Peenemünde, mit Verweis auf die Bedeutung des Bauwerks gegen den Abriss ausgesprochen. Das Sauerstoffwerk ist eine von 20 Stationen der Peenemünder Denkmal-Landschaft. Für den Erhalt der Ruine spricht sich auch Axel Kopsch vom Förderverein „Technikmuseum Wernher von Braun“ aus. Er nimmt das Land in die Pflicht, Mittel bereitzustellen, um das Denkmal zu erhalten.

Für den Abriss dürfte es keinen Cent geben, wie Henning Lipski, Sprecher des Bildungsministeriums, gestern mitteilt. „Das Ministerium fördert keine Bauprojekte. Es handelt sich um einen Grundsatzbeschluss, dem nun ein baurechtliches Verfahren folgen muss. Dieses Verfahren wird Gelegenheit geben, weitere Gespräche zum Erhalt und zur zukünftigen Nutzung des Sauerstoffwerkes zu führen“, so der Sprecher.

Für Rainer Barthelmes ist bei der Diskussion um das Bauwerk die Aussage, dass das Sauerstoffwerk von großer internationaler historischer Bedeutung ist, „verlogen, denn dann muss man auch was für den Erhalt tun“. Ist der Rückbau aus rechtlichen oder finanziellen Gründen allerdings nicht durchführbar, beabsichtigt die Gemeinde, das Sauerstoffwerk zu veräußern. „Wir wollen weitere finanzielle Belastungen vermeiden“, begründet Barthelmes den Plan B.

Ist das im Sinne des Landes? Sprecher Lipski: „Peenemünde ist ein wichtiger Ort für die Erinnerung und Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus. Wegen der großen Herausforderungen, die damit für die Gemeinde Peenemünde verbunden sind, unterstützt das Land die Gemeinde seit Jahren mit hohen Summen. Allein für Investitionen im Museum und das Umfeld sind 15 Millionen Euro geflossen.

Ziel ist es, die Dauerausstellung unter Einbeziehung des wissenschaftlichen Beirates neu zu gestalten. Auch dafür werden Investitionen in Millionenhöhe notwendig sein. In diesem Zusammenhang muss auch die Entscheidung der Gemeinde zum Sauerstoffwerk bewertet werden.“

Route wichtiger Stationen des Zweiten Weltkrieges: Museum ist dabei

Peenemünde. Das Historisch-Technische Museum (HTM) in Peenemünde ist jetzt Bestandteil einer internationalen Erinnerungsroute, die wichtige Meilensteine aus der modernen europäischen Geschichte verbindet. Die „Liberation Route Europe“ vernetzt die Hauptregionen entlang der Vormarschroute der westlichen Alliierten von Südengland, zu den Stränden der Normandie, den belgischen Ardennen, Luxemburg, die Niederlande, den deutschen Hürtgenwald, Berlin sowie Danzig. In Brüssel bekam jetzt HTM-Geschäftsführer Michael Gericke die offizielle Plakette überreicht. Die Route gibt den Menschen die Möglichkeit, den Weg der alliierten Streitkräfte während der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges zu entdecken und zu erleben. FOTO: INGOLF WEGNER

Henrik Nitzsche

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