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Usedom Schauspieler im Unterricht
Vorpommern Usedom Schauspieler im Unterricht
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00:00 27.04.2016

Für die Damen und Herren der Klasse 10 GA ist dienstags Abwechslung vom Fachunterricht angesagt. Zwischen halb zehn und elf Uhr kommt mit Jürgen Kern der Chef des Theaterensembles „Klassik am Meer“ in ihren Kunstraum. Sein Ansinnen: Den Teenagern Theaterarbeit in ihren verschiedenen Facetten nahe zu bringen. Gestern hatte der Regisseur aus Berlin mit dem in Schwerin ansässigen Schauspieler Gottfried Richter auch noch einen Partner mit im Schlepptau.

Denn im Unterschied zur Vorwoche und zum folgenden Projekttag am 3. Mai gab es diesmal „Frontalunterricht“: Zwei gestandene Meister ihres Metiers erzählten den Jugendlichen aus dem reichen Fundus ihrer persönlichen Schauspielergeschichte, vom Studium in Leipzig, dem gestrengen einstigen Rostocker Intendanten Hanns Anselm Perten, von Hierarchien in Kunsttempeln und dem Wertschätzen von Leistungen — oder aber dem respektlosen Abschieben von vermeintlich schwachen Mimen. Immer etwas augenzwinkernd, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern dem Schalk im Nacken. Auch das sollten Schauspieler können.

Deutsch- und Kunstlehrerin Birgitta Schmidt ist hoch erfreut darüber, dass es diesen Projekttag gibt. „Wir haben hier die Chance, mal etwas ganz Anderes auszuprobieren, neue Einblicke zu erlangen, einen bislang weitgehend fremden Lebensbereich aus erster Hand kennenzulernen“, lobt sie das Unterfangen. Den Schülern kommt vor allem das Arbeiten mit Texten und Rollen entgegen, dabei „blühen sie richtig auf“, freut sich Kern. Nächste Woche will er die Begegnung mit dem Nachwuchs daher noch einmal ganz dieser Beschäftigung widmen. Und zum krönenden Abschluss des Projektes — ursprünglich eine Idee der Achterkerkestiftung — dürfen die Zehntklässler zur Generalprobe von Molières „Der eingebildet Kranke“ in die Koserower Kirche kommen. Manches wird ihnen, den Theaterlaien, dann wiederbegegnen, gesprochen und gespielt von professionellen Schauspielern. Die Erwartungshaltung ist hoch.

Zurück zu Kern und Richter. Beide sind noch mit Rollen proletarischer Helden, mit Klassenkampfliedern und dem morgendlichen Ruf „Sied bereit! — Immer bereit“ groß geworden. Das stößt heute bestenfalls auf ein cooles Lächeln. Dennoch: Vom Bewegungsunterricht, von der klaren Sprache, von der Körperkontrolle zehren beide bis heute. „Handwerk ist erlernbar, Talent ist eine ganz andere Frage“, sagt Kern. Der eine hat es, der andere nicht. Und Richter erzählt davon, dass er nebenbei — wie viele seiner Kollegen — gern Musik gemacht hat. Und das bis heute.

Gefragt nach dem Stellenwert des Schauspielers im Theater und in der Gesellschaft heute, sieht Kern die Angelegenheit skeptisch. Früher wurde am Theater zuerst gefragt, wer denn die Hauptrolle des X, Y oder Z spiele. Heute fragt man nur: Wer hat denn inszeniert? Und auch in der Gesellschaft werde die Leistung des Schauspielers zu wenig gewertschätzt. „Bei allem Theaterstreit im Land, wer kümmert sich eigentlich um diejenigen, die auf der Strecke bleiben?“, fragt Richter. Offenbar keiner, lautet das gemeinsame, etwas traurige Fazit.

Von Steffen Adler

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