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Usedom Schiffbau-Verband: Wolgaster Peene-Werft nicht alleine lassen
Vorpommern Usedom Schiffbau-Verband: Wolgaster Peene-Werft nicht alleine lassen
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09:23 27.11.2018
Graue Wolken über der Wolgaster Peene-Werft. Quelle: Tilo Wallrodt
Rostock

Die Wolgaster Peene-Weft darf nach Ansicht des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) mit dem von der Bundesregierung verhängten Lieferstopp gegen Saudi-Arabien nicht alleine gelassen werden. „Die Werft hat alles gemacht, was ein Unternehmen machen kann, um den Auftrag zum Bau der Patrouillenboote für Saudi-Arabien ordnungsgemäß zu erfüllen“, sagte Verbands-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken der Deutschen Presse-Agentur vor der 8. Zukunftskonferenz der maritimen Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag und Mittwoch in Rostock. Es sei klar, dass die Industrie stets das Primat der Politik respektieren werde und es sei auch nicht die Aufgabe des Unternehmens oder des Verbands, deren Entscheidungen zu bewerten. „Es kann aber nicht ihre Aufgabe sein, die politischen Unwägbarkeiten auf die eigene Schulter zu nehmen.“

Die Bundesregierung hatte nach dem gewaltsamen Tod des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi einen Lieferstopp für das arabische Land verhängt. Von den rund 300 Beschäftigten in Wolgast sind früheren Angaben zufolge einige in Kurzarbeit, andere arbeiten in den kommenden Wochen Überstunden ab. Die zur Bremer Lürssen-Gruppe gehörende Peene-Werft hatte von Saudi-Arabien einen Großauftrag zum Bau von mehr als 30 Patrouillenbooten erhalten, von denen erst ein kleiner Teil ausgeliefert wurde.

Eine Möglichkeit sei nun, dass die Bundesrepublik den Vertrag erfüllt, sagte Lüken. „Das sind keine Militär-, sondern Polizeiboote, die auch Deutschland gut gebrauchen kann.“ Auch ihr Einsatz beispielsweise im Mittelmeer vor der libyschen Küste sei denkbar.

Die heimische Werftindustrie lebe davon, höchste Qualitätsanforderungen ihrer Kunden erfüllen zu können. Wenn nun der Marineschiffbau wegfiele, hätte das Auswirkungen auf die Standorte, Zulieferer und Ausbildung. „Das würde uns sehr wehtun und würde auch im zivilen Schiffbau zu Substanzverlusten führen“, sagte Lüken. Er gab zu bedenken, dass die gesamte Gesellschaft Fähigkeiten verlöre. Die technologische Leistungsfähigkeit der Industrie dürfe jedoch nicht aufs Spiel gesetzt werden.

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Joachim Mangler