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Usedom Schlichter im Streit unter Nachbarn
Vorpommern Usedom Schlichter im Streit unter Nachbarn
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07:54 19.04.2013
Jörn Dahms (72) schlichtet seit zehn Jahren Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Quelle: Dr. Steffen Adler

Jörn Dahms (72) ist überzeugt, dass die Welt besser wäre, wenn sich mehr Menschen gesellschaftlich engagieren würden. Der Quilitzer lebt selbst seit vielen Jahren nach diesem Motto, war schon in seiner Heimatstadt Höxter im Stadtrat und sitzt heute im Gemeinderat Rankwitz. Seit zehn Jahren ist der Optikermeister obendrein Schiedsmann im Amt Usedom Süd.

Heute wird der 72-Jährige für diese ehrenamtliche Tätigkeit geehrt. „Herr Dahms hat sich in beispielhafter Weise für den Rechtsfrieden eingesetzt“, bescheinigt ihm vorab Sascha Ott, Direktor des Amtsgerichts Anklam.

Der Quilitzer erfüllt den Auftrag mit Herzblut. „Für den Erfolg ist es wichtig, seine Persönlichkeit einzubringen und sich fachlich weiterzubilden“, sagt er. Der Amtsgerichtsdirektor oder ein von ihm Beauftragter steht den Schiedsleuten auf Abruf zur Seite. Außerdem gibt es regelmäßig Weiterbildungen.

Kosten für Schulungen und Sachverständigenberatungen sind die einzigen Gelder, die ein Schiedsmann vom Amt bekommt. Für seine eigentliche Arbeit wird er nicht vergütet. Auch öffentliches Lob darf er nicht erwarten. „Schiedsleute arbeiten im Verborgenen. Ich freue mich, wenn sich zwei Nachbarn nach einem Streit die Hand geben. Dann hat sich mein Einsatz gelohnt.“

Wenn ein Schiedsmann gerufen wird, geht es meist darum, dass Grundstücksgrenzen missachtet wurden, ein Bürger seinen Abfall auf fremden Grundstück entsorgte oder ein Streit zwischen Nachbarn um Pflanzen entbrannte, die nahe an Grundstücksgrenzen stehen. Ein häufiges Beispiel: Ein Eigentümer fühlt sich durch die über sein Grundstück ragende Krone des Lieblingsbaumes eines Nachbarn gestört:

Weil dessen Blätter in die Regenrinne seines Daches fallen oder die Wurzeln Schäden in seinem Garten anrichten. Mitunter aber auch, weil der Baumschatten auf seine Terrasse fällt. Oft erwachsen aus solchen Kleinigkeiten große Auseinandersetzungen mit Beleidigungen, Provokationen und Schlimmerem, die der Schiedsmann schlichten soll.

Selbst typische Dorfgeräusche können zum Zankapfel werden, hat der Quilitzer in den vergangenen zehn Jahren erfahren. „Ich habe des Öfteren erlebt, dass sich Großstädter über bellende Dorfhunde oder krähende Hähne beschweren. Dorfleben sieht eben meist ganz anders aus, als es ihnen Landlust-Magazine zuvor vermittelt hatten.“

Die meisten Streitigkeiten haben sich über Jahre aufgebaut. Bis dem Schiedsmann ein Fall vorgetragen wird, gibt es meist eine lange Vorgeschichte. Dahms versucht auch in solchen Fällen, beide Parteien an einen Tisch zu bekommen, nüchtern die Rechtslage zu erläutern und eine Lösung vorzuschlagen. „Wenn es ans Geld geht, lenken die meisten ein“, hat er erfahren. Wie vor Gericht endet eine Schlichtungsverhandlung mit einem Titel, der eingeklagt werden kann. „Hält sich eine Partei nicht an die vereinbarte Lösung, dann kann die andere damit zum Amtsgericht gehen und den Anspruch einklagen.“ Auch wenn die Schlichtung erfolglos bleibt, fertigt ein Schiedsmann ein Schriftstück aus. „Dann gibt es mehr Arbeit fürs Gericht.“

Dahms kuriosester Einsatz war der zwischen zwei Hundehaltern. Ein Dackel sollte eine Schäferhündin geschwängert haben, deren Besitzer nunmehr vom Dackelherrchen das Geld für die „Tierarztspritze danach“ verlangte. „Wir haben auch in diesem Fall eine Lösung gefunden“, erzählt Dahms schmunzelnd. Sein Einsatz hatte sich wieder einmal gelohnt.

Nur in einer Hinsicht hat sich der Quilitzer nicht an den Rat der Berufsrichter gehalten. „Eigentlich soll man die Streitparteien zu sich rufen. Ich habe allerdings wie andere Kollegen festgestellt, dass sich ein gütliches Gespräch an Ort und Stelle durchaus bewährt.“

Wann ist ein Friedensrichter gefragt?
Schiedsfrauen und Schiedsmänner können sowohl in bürgerlich-rechtlichen Streitigkeiten als auch in Strafsachen schlichtend tätig werden. Konkret sind sie gefragt, um zum Beispiel bei Hausfriedensbruch, Beleidigung, Verletzung des Briefgeheimnisses, Körperverletzung, Bedrohung oder Sachbeschädigung eine außergerichtliche Einigung zu erreichen. Bei der Lösung durch einen Schiedsmann stehen nicht so sehr die juristische Lage, sondern vielmehr die menschlichen Hintergründe und die praxisnahen Lösungsmöglichkeiten eines Konflikts im Vordergrund.

Jörn Dahms wird heute um 11 Uhr im Amtsgebäude des Usedomer Südamtes durch den Amtsvorsteher und den Direktor des Amtsgerichts in Anklam für zehn Jahre ehrenamtliches Wirken als Schiedsmann geehrt.

Angelika Gutsche

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