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Schlossinsel-Fund erinnert an russische Besetzung von 1713

Wolgast Schlossinsel-Fund erinnert an russische Besetzung von 1713

Die archäologischen Untersuchungen in Wolgast endeten mit interessanten Funden

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Archäologe Dr. Jörg Ansorge legte auf der Schlossinsel ein mächtiges, 25 Meter langes Fundament und Fußböden frei.

Quelle: Tom Schröter

Wolgast. Die archäologischen Arbeiten im Zusammenhang mit dem Neuausbau der Fähr- und der Schifferstraße auf der Wolgaster Schlossinsel sind in dieser Woche zu Ende gegangen. Archäologe Dr. Jörg Ansorge gelangen nochmals mehrere interessante Funde. An der Weggabelung gegenüber der Gaststätte „Zum Anker“ stieß er, wie bereits an anderer Stelle in der unmittelbaren Umgebung, auf beeindruckende, aus Findlingen und Ziegelsteinen bestehende Fundamente aus dem 16. Jahrhundert.

OZ-Bild

Die archäologischen Untersuchungen in Wolgast endeten mit interessanten Funden

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Das gefundene Kreuz steht wahrscheinlich im Zu- sammenhang mit der Beset- zung und Brandschatzung Wolgasts im Jahre 1713.“Dr. Jörg Ansorge, Archäologe

Die gut 25 Meter lange und etwa ein Meter breite Gründung einem Gebäude oder einem anderen Bauwerk zuzuordnen, sei in diesem Falle schwer möglich. „Denn historische Pläne, die die Grundrisse der einstigen Bebauung auf dem südlichen Teil der Schlossinsel zeigen, gibt es nicht“, erklärt der Fachmann. Allerdings verweist Ansorge auf die Stralsunder Bilderhandschrift von 1615, die ein zeitgenössisches Bild der Bebauung der Schlossinsel liefert. Seine starke Vermutung: „Die dort zu erkennenden renaissancezeitlichen Giebel geben einen Eindruck von den Gebäuden, deren Fundamente auf der südlichen Schlossinsel entdeckt wurden.“

Möglicherweise handele es sich auch um den Gründungssockel einer Befestigungsmauer, die das herzogliche Schlossensemble seinerzeit begrenzte. Hierfür spricht der Umstand, dass Ansorge, südlich direkt an das Fundament angrenzend, einen später angelegten Fußboden samt einer früheren offenen Feuerstelle freilegte. „Offenbar im 17. Jahrhundert wurde gleich neben dem Fundament ein in Fachwerkbauweise ausgeführtes Wohnhaus angebaut, das über mehrere Räume verfügte“, erklärt Ansorge, der im Auftrag des Landesamtes für Kultur- und Denkmalpflege auf der Wolgaster Baustelle weilte. Anhaltspunkte für Art und Umfang auch dieses Gebäudes in Nachbarschaft zur Residenz der Herzöge von Pommern-Wolgast liefere einzig und allein die erwähnte Bilderhandschrift.

Auch mehrere bemerkenswerte Einzelfunde förderte Ansorge ans Tageslicht. Als wohl bedeutendstes Stück barg er er ein russisch-orthodoxes Brustkreuz, bestehend aus einer Blei/Zinn-Legierung, aus dem Straßenbett. „Dieser Fund“, so sagt er, „steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Besetzung und Brandschatzung Wolgasts im Jahre 1713.“ Auch mehrere Münzen konnten gesichert werden, so zum Beispiel ein Doppelschilling aus Wismar von 1523 als größtes während der archäologischen Untersuchungen gefundenes Nominal. Unbedingt zu erwähnen ist auch ein verzierter Messinglöffel aus dem 16./17.

Jahrhundert. „Dessen Stiel ist repariert worden; die Bruchstelle ist gelötet und mit zwei Nieten stabilisiert“, erläutert der Finder.

Ansorge, der bei seiner Arbeit auf der Schlossinsel auch bereits auf Reste des einstigen herzoglichen Marstalls und des Fährhauses gestoßen war, kann sich eine Ausstellung der Funde und Grabungsergebnisse in Wolgast vorstellen – angesichts des Aufwandes allerdings nicht zum Nulltarif.

Tom Schröter

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