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Usedom Schon mit 17 Organist an St. Nikolai
Vorpommern Usedom Schon mit 17 Organist an St. Nikolai
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00:00 05.12.2017
Stralsund

An den Stralsunder Kirchen wirkten in den vergangenen Jahrhunderten viele Organisten, die zumindest in ihrer Zeit weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus in Musiker- und Komponistenkreisen hohe Wertschätzung genossen. Heute sind sie leider nur noch Insidern bekannt.

Die Postkarte mit einem Foto der Buchholzorgel von 1841 in der Stralsunder Nikolaikirche entstand um 1930. REPR0: Stadtarchiv Stralsund

Im Rahmen der Erforschung der Geschichte der Hansestadt Stralsund wird es gelingen, das Leben und die Leistungen dieser einst berühmten Bürger wieder der Allgemeinheit bekannt zu machen und zu würdigen.

An dieser Stelle soll ein Vertreter dieser Stralsunder Organisten in das Gedächtnis zurückgerufen werden. Sein Name lautet: Christoph (Christopher, Pseudonym „Veritophilus“) Raupach.

Ein Jahr nach der Geburt von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel erblickte Christoph Raupach am 5. Juli 1686 in Tondern im damaligen Herzogtum Schleswig als jüngster von vier Söhnen des dortigen Organisten Georg Raupach das Licht der Welt. Mit den prominenten Komponisten Bach und Händel pflegte Christoph Raupach späterhin freundschaftliche Kontakte.

1693 schickten ihn seine Eltern auf die „grosse Schule“, um „zunächst der Anführung zur Gottesfurcht, auch die Singekunst und Anfangs-Gründe zur lateinischen Sprache sich bekannt zu machen und zu erlernen“. In der Musik waren seine ersten Lehrmeister der Kantor Sebastian Decilius und natürlich sein Vater, nach „dessen unermüdeten und getreuen Unterweisungen er auch auf dem Clavier, auf der Orgel und Geige spielen lernte“.

Schon mit 13 Jahren konnte er alle Werke, die ihm „vor Augen“ kamen, „mit ziemlicher Fertigkeit“ vortragen. Zudem studierte er eifrig viele musiktheoretische Bücher. Sein Vater starb im Jahre 1700, seine Mutter hatte schon fünf Jahre zuvor das Zeitliche gesegnet.

1701 begab sich der junge Raupach nach Hamburg und vervollkommnete seine Fähigkeiten im Orgelspiel bei Georg Bronner (1667-1720), Organist an der dortigen Heilgeistkirche, Opernkomponist und späterer Direktor der städtischen Oper. Nebenbei erlernte er die für das Komponieren unentbehrliche italienische und französische Sprache. In seiner freien Zeit hielt sich Christoph in Bibliotheken auf und las hauptsächlich Schriften über Musik.

Anfang 1703 musste er sich um eine Stelle bemühen, da seine finanziellen Mittel aufgebraucht waren. Wie Johann Sebastian Bach bewarb sich Christoph Raupach um die Nachfolge Dieterich Buxtehudes (um 1637-1707) an der Marienkirche in Lübeck. Die Übernahme der Organistenstelle war jedoch mit der Verpflichtung verbunden, die Tochter Buxtehudes, die schon im reifen Alter war, zu ehelichen. Wie Johann Sebastian Bach, der sich ebenfalls beworben hatte, nahm auch Christoph Raupach aus diesem Grund von dem Vorhaben Abstand.

Sein Bruder Bernhard, der in Rostock Theologie studierte, machte ihn auf eine vakante Stelle in Stralsund an der Nikolaikirche aufmerksam. Christoph machte sich sofort auf den Weg zu seinem Bruder.

Dort lernte er Johann Gerhard Babst, Organist an der Jakobikirche, ebenso aber auch Kaufmann, Notar, später sogar Postmeister, kennen. Der war vom Spiel des jungen Raupach so begeistert, dass er „mit ihm nach Stralsund fuhr, nicht ohne auch von dem mecklenburgischen Hofkapellmeister Johann Fischer (1646-1721) gute Empfehlungen mitzunehmen“.

Nach einem Probespiel, mit dem der 17 Jahre alte Organist alle weiteren Bewerber aus dem Felde schlug, erhielt er am 1. Mai 1703 seine schriftliche Bestallung für das Organistenamt an der St.

Nikolai-Hauptkirche. Danach reiste er in seine Heimatstadt Tondern. Er unterbrach seine Reise in Rostock und hielt bei „Herrn Babst und seiner Frau Liebste“ aus Dankbarkeit für die Unterstützung bei der Erlangung der Stelle in Stralsund um die Hand der ältesten Tochter an. Nach vierjähriger Verlobungszeit fand die Hochzeit mit Catharine Elisabeth Babst am 28. Juli 1707 in Rostock statt.

Christoph Raupach fasste in Stralsund sehr schnell Fuß und war wegen seines herausragenden Spiels allenthalben anerkannt. Er schrieb viele Musikstücke, deren Fertigstellung ihm leicht von der Hand ging.

Als König Stanislaus von Polen im Jahre 1710 die Hansestadt besuchte, versäumte er nicht, dem schon sehr bekannten Komponisten einen Besuch abzustatten. Raupach hatte zwei Tage vor dem Eintreffen des Königs vom Rat den Auftrag erhalten, für den Monarchen eine Kantate zu komponieren. Diese Aufgabe erledigte er mit Bravour. Der König verlangte sogar, das Werk sofort noch einmal zu hören.

Die soziale Lage der Familie war leider eine sehr schlechte. Oftmals überwies der Kirchenvorstand das Salarium erst nach massiven Druck des Rates. Der Organist von St. Nikolai besaß das alleinige Recht, auf Hochzeiten zu spielen und dafür einen entsprechenden Lohn einzuziehen. Sehr oft blieb der Lohn für diese Dienste aus – oder, was auch vorkam, die Brautleute ließen einen einfachen Musikanten zum Tanz aufspielen.

In Stadtarchiv lagert eine Vielzahl von Gesuchen Raupachs an den Kirchenvorstand und den Rat, die ein schreckliches Bild der sozialen Not der Familie zeichnen. In einem Gesuch vom 16. Dezember 1720 schrieb Raupach sogar, dass die Familie, „welche nach des Höchsten Willen sich ziemlich vermehret", bald krepieren müsse. Immerhin vierzehn Kinder gebar Catharine Elisabeth Raupach, die 1733 verstarb.

Christoph Raupach ereilte der Tod am 19. April 1758. Er erhielt ein „freies“ (kostenloses) Begräbnis in der Nikolaikirche. Der Erstgeborene Gerhard Christoph Raupach trat in die Fußstapfen des Vaters und wurde Organist in St. Marien. Hermann Friedrich Raupach brachte es sogar zum Hofkapellmeister am Zarenhof in St. Petersburg.

Andreas Neumerkel

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