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Usedom Schüler träumt von jüngerem Karlshagen
Vorpommern Usedom Schüler träumt von jüngerem Karlshagen
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12:00 31.10.2018
Julien Schäfer (15) ist meist Freitagnachmittag im Jugend- und Vereinshaus Karlshagen in der Hafenstraße 69 anzutreffen. Quelle: Pauline Rabe
Karlshagen

Wenn Julien Schäfer von seinen Visionen für Karlshagen spricht, ist schwer zu glauben, dass der Schüler erst 15 Jahre alt ist. Seit April engagiert er sich neben Hausaufgaben und Klausuren in einer Arbeitsgruppe zur Unterstützung des ortsansässigen Jugend- und Vereinshauses. „Unser Ziel? Mehr Kinder und Jugendliche für dessen Angebote begeistern“, erklärt Schäfer. Dass das bereits gelungen ist, zeigen aktuelle Zahlen: Ungefähr acht bis zehn Kinder tummeln sich täglich im Treff in der Hafenstraße.

Anfang des Jahres sah das noch anders aus. Trotz diverser Angebot, Sport- und Spielmöglichkeiten und „Chill“-Räumen zum Abhängen kamen nur wenige junge Menschen. Um dies zu ändern, berief der Sozialausschuss des Ostseebades eine Sitzung – und lud alle Klassen- und Schülersprecher ein. Darunter war auch Schäfer, der dort noch in die achte Klasse der Heinrich-Heine-Schule ging. „Ich war sofort interessiert. Das ist unsere Chance, etwas zu verändern und Karlshagen ansprechender für Kinder und Jugendliche zu gestalten“, sagt der 15-Jährige. Wenn er in Mehrzahl spricht, meint er sich und seine zehn Mitstreiter, unter ihnen sowohl Fünft- als auch Zwölftklässler.

Ein Mal im Monat ist Treff. „Dann besprechen wir unsere Ideen und überlegen, wie wir diese umsetzen können“, erklärt Schäfer. Um nicht den Überblick zu verlieren, wird alles dokumentiert. Das Ergebnis ist ein dicker Ordner, voller fein säuberlich in Folien geschobener Zettel. Zuerst umgesetzt wurde eine Halloweenparty, bei der sich schon Tage zuvor 73 Grundschüler angemeldet hatten. So eine hohe Zahl habe es noch nie in der Geschichte des Vereins- und Jugendhauses gegeben.

Vom Flohmarkt bis zum Fußballturnier

Welche Veranstaltungen in den kommenden Monaten stattfinden werden, ist noch unklar. Ideen gibt es aber schon – vom Weihnachtsflohmarkt bis zum Fußballturnier mit anschließender Grillparty im Sommer. Genaueres werde in den Sitzungen der Arbeitsgruppe besprochen. Durch schulische Verpflichtungen sind diese aber nicht immer leicht zu planen. Wird die Doppelbelastung nicht manchmal zu viel? „Nein“, sagt Schäfer. Nach der Schule gönnt er sich erst einmal eine Stunde Pause, bevor es ans Lernen geht. Die Planungen für den Jugendtreff werden auf Freitag oder die Ferien gelegt.

„Es ist wirklich außergewöhnlich, wie Juli sich für seine Gemeinde einsetzt“, sagt Papa Jörg stolz. Es sollte viel mehr Jugendliche geben, die sich Gedanken über ihre Umwelt machen – viel mehr, die anpacken statt nur zu reden. „Wir unterstützen unseren Sohn, wo wir nur können.“ Dass er sich so großen Aufgaben neben der Schule sei aufgrund sehr guter Noten in Ordnung. „Sonst hätten wir ihn gebremst.“

Insel ohne Perspektive

Es ist aber auch nicht so, dass Julien Schäfer gar keine Zeit mehr hat. Sein Tag ist zwar voll, Freunde treffen und Hobbys nachgehen klappe nach wie vor. Was er nach seinem Abschluss machen will, weiß er schon ganz genau: „Entweder eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten oder ein Studium in der öffentlichen Verwaltung.“ Dafür würde der gebürtige Mölschower gerne nach Güstrow ziehen. Auf der Insel zu bleiben sei für den 15-Jährigen keine Option.

„Usedom ist für mich und viele andere Jugendlichen einfach unattraktiv“, begründet Schäfer seine Entscheidung. Zu wenig Perspektiven sehe er als Grund. „Umso wichtiger ist es mir, jetzt noch was für nachfolgende Generationen hier zu bewegen.“ Das langfristige Ziel seiner Arbeitsgruppe? Ein richtiges Konzept für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Unterstützung dafür soll vom Seniorenbeirat kommen, denn die hätten ja bereits eins.

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Pauline Rabe

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