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Schulden im Kreis sinken: Neuer Finanzchef räumt auf

Greifswald Schulden im Kreis sinken: Neuer Finanzchef räumt auf

Vorpommern- Greifswald macht deutlich weniger Schulden / Ab 2019 soll der Haushalt ausgeglichen sein / Dietger Wille (CDU) ist seit März im Amt

Greifswald. Überraschung im Landkreis Vorpommern-Greifswald: Nachdem der bisherige Greifswalder Kämmerer Dietger Wille (CDU) vor sechs Monaten neuer Finanzchef im Kreis geworden ist, soll die Neuverschuldung innerhalb eines Jahres um mehr als zwei Drittel sinken. So zumindest sieht es der Haushaltsentwurf vor, den Wille am Montag den Mitgliedern des Kreistages präsentieren wird. 4,8 Millionen Euro Minus weist das Papier für 2017 aus. Im Vorjahr standen an gleicher Stelle noch mehr als 17 Millionen Euro. 2019 solle der Haushalt erstmals ausgeglichen sein, sagt Wille. Gleichzeitig ist der Finanzdezernent überzeugt, dass das Defizit im aktuellen Jahr bereits geringer ausfällt als geplant. „Wir werden deutlich unter zehn Millionen Euro Minus liegen.“

Für dieses Ergebnis zollen ihm alle Kreistagsfraktionen Respekt. Willes Amtsvorgänger Dennis Gutgesell (parteilos) hatte das Handtuch geworfen, weil ihn die schlechte Finanzausstattung des Kreises durch das Land über Jahre frustriert und ausgelaugt hatte. Ohne Handlungsspielraum, den Landkreis gestalten zu können, wollte er nicht weitermachen. Für Dietger Wille ist das eine Frage der Einstellung. „Pessimismus ist Zeitverschwendung“, zitiert Wille Schimon Peres, den ehemaligen israelischen Präsidenten. Man müsse die Dinge anpacken, um etwas zum Positiven verändern zu können. Das tut er und hat hierfür gleich ein weiteres Lebensmotto parat. „Man soll in die Wolken zielen, wenn man die Wipfel treffen will.“ Wille hat nach eigener Aussage jedoch kein Wunder vollbracht, sondern vor allem Glück gehabt. „Die Wirtschaftskraft ist gestiegen, damit hat der Kreis höhere Einnahmen aus der Kreisumlage.“ Außerdem würden Sparmaßnahmen aus den Vorjahren wirken. Was er trotzdem anders mache? Er wirbt beispielsweise in allen Ämtern der Verwaltung für eine strikte Haushaltsdisziplin. Viel zu häufig trieb der Kreis das Geld nicht schnell genug ein, das längst auf dem Konto der Verwaltung liegen müsste. Allein bei den Grenzbeträgen war der Kreis drei Jahre im Rückstand. Hierbei handelt es sich um jene 30 Euro pro Jahr, die Eltern für Kopien und Lehrmaterial zahlen müssen. Gleiches gilt für die Gebühren bei Strafzetteln und Mahnverfahren. „Aber diese 50000 Euro retten doch den Haushalt nicht“ – diesen Ausspruch hat Wille häufig gehört. „Wenn allerdings alle so denken, kommt sehr viel zusammen“, sagt Wille. Jede Einnahme, die früher kommt, verkleinert das Minus. Während jeder fehlende Betrag Zinsen kostet.

Größte Aufgabe sieht der Finanzchef in der Überzeugungsarbeit. Innerhalb der Verwaltung und unter den Kommunalpolitikern gebe es viele, die das tun, was Wille gar nicht mag: jammern. Er nennt diese Resignation beim Sparen die Vergeblichkeitsfalle. „Jede Maßnahme braucht Zeit, bis sie wirkt. In der Zwischenzeit wird das Minus größer. Das führt dazu, dass viele irgendwann meinen, das Sparen habe keinen Zweck“, erklärt Wille. Erlebt habe er das bereits als Kämmerer in Greifswald. Im Jahr 2004 lag das Minus dort bei elf Millionen Euro. Erst nach harten Jahren wurde der ausgeglichene Haushalt geschafft, für den die Hansestadt heute vielerorts beneidet wird.

Auf Wille ruhen auch viele Hoffnungen wegen seines guten Drahtes zum bislang CDU-geführten Innenministerium. „Die Zusammenarbeit des Kreises mit dem Innenministerium war immer schwierig“, sagt Norbert Raulin, Vorsitzender der Kreistagsfraktion von SPD/Grünen. Durch Wille scheine sich das geändert zu haben. In seiner Zeit als Greifswalder Finanzamtsleiter war er oft in Schwerin, ist zudem selbst in der CDU.

Dass der Finanzdezernent seinen Laden im Griff hat, sieht man auch daran, dass die Verwaltung erstmals in der Geschichte des Kreises einen fertigen Haushaltsentwurf im Vorjahr präsentiert. Der Entwurf für 2016 lag den Kreistagsmitgliedern im März 2016 vor.

Katharina Degrassi

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