Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Schwedisches furios musiziert

Heringsdorf Schwedisches furios musiziert

Zwei Quartett-Abende bescherten neue Einsichten

Heringsdorf. Kurz vor Abschluss des Musikfestivals haben die Veranstalter ihre Fans noch einmal mit Kammermusik vom Allerfeinsten verwöhnt: zwei Streichquartett- Abende, für die man mit dem Schweizer Casal-Quartett (Mellenthin) und dem deutschen Minguet-Quartett (Heringsdorf) nicht nur Weltklasse-Ensembles gewann, sondern mit vorwiegend schwedischem Repertoire auch einer wenig bekannten Musikkultur zu nachhaltig wirkender Verlebendigung verhalf.

Da darf es erlaubt sein, auf einen rasant und bestürzend kontrastreich musizierten Beethoven (op. 18/1) sowie Schumanns allen romantischen Schöngeist hinterfragendes A-Dur-Quartett (op. 41/3) als glanzvolle Präsentation hoher Quartettkunst lediglich zu verweisen – und aufs Schwedische zu schauen! Da gab es – mit einem Vortrag des Unterzeichneten eingeleitet – Joachim Nikolas Eggerts g-Moll-Quartett op. 2/2 und damit das zwischen Zeitgeist und Originalität höchst staunenswert changierende Werk eines Rüganers (1779- 1813), der es bis zum geschätzten Stockholmer Hofkapellmeister brachte. Das Casal-Quartett verlieh dem Stück alle Qualitäten einer souverän gestalteten und von starkem Ausdruckswillen geprägten Komposition. Das galt auch für das Minguet-Quartett, das mit dem vielerlei klassische und romantische Anregungen aufgreifenden A-Moll- Werk Franz Berwalds (1796-1868) das Produkt eines nicht weniger originellen, von Zeitgenossen als zu kühn, ja „verwirrend“

empfundenen Meisters vorstellte; spannend noch immer!

Und es wurde noch spannender. Mit Allan Petterssons (1911-1980) ungewöhnlich besetztem und mit Yamei Yu solistisch bravourös musiziertem Konzert für Violine und Streichquartett kam das moderne Schweden zu Wort: kompromisslos unorthodox in einer Tonsprache von starker, traumatisch selbstbiographisch intendierter Heftigkeit und überbordender Expressivität. „Ein terrorisierendes Muss“ habe ihn zu einem Komponieren gezwungen, das „bis zum Bersten mit Dissonanzen angefült ist.“ Diese Botschaft, hinreißend dargeboten, verfehlte ihre Wirkung nicht. Wie denn überhaupt die entscheidende Botschaft beider Abende darin bestand, unseren Nachbarn jenseits der Ostsee als Teil einer Musiklandschaft zu erkennen und zu schätzen, die über Jahrhunderte hinweg vom fruchtbaren gegenseitigen Austausch bestimmt war und damit auch Bindungen schuf – vom künstlerischen Gewinn ganz zu schweigen. Zwei ganz große Abende!

Ekkehard Ochs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel

Bap tritt am 15. Dezember in der Stadthalle auf / Sänger Wolfgang Niedecken (65) verspricht einen hohen Mitsingfaktor und erklärt seine Verbindung zu den Puhdys

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Usedom
Verlagshaus Zinnowitz

Neue Strandstraße 31
17454 Ostseebad Zinnowitz

Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. von 10:00 bis 17:00

Leiter Lokalredaktion: Dr. Steffen Adler
Telefon: 03 83 77 / 36 10 14
E-Mail: zinnowitz@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.