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Usedom Schwedisches furios musiziert
Vorpommern Usedom Schwedisches furios musiziert
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00:00 15.10.2016

Kurz vor Abschluss des Musikfestivals haben die Veranstalter ihre Fans noch einmal mit Kammermusik vom Allerfeinsten verwöhnt: zwei Streichquartett- Abende, für die man mit dem Schweizer Casal-Quartett (Mellenthin) und dem deutschen Minguet-Quartett (Heringsdorf) nicht nur Weltklasse-Ensembles gewann, sondern mit vorwiegend schwedischem Repertoire auch einer wenig bekannten Musikkultur zu nachhaltig wirkender Verlebendigung verhalf.

Da darf es erlaubt sein, auf einen rasant und bestürzend kontrastreich musizierten Beethoven (op. 18/1) sowie Schumanns allen romantischen Schöngeist hinterfragendes A-Dur-Quartett (op. 41/3) als glanzvolle Präsentation hoher Quartettkunst lediglich zu verweisen – und aufs Schwedische zu schauen! Da gab es – mit einem Vortrag des Unterzeichneten eingeleitet – Joachim Nikolas Eggerts g-Moll-Quartett op. 2/2 und damit das zwischen Zeitgeist und Originalität höchst staunenswert changierende Werk eines Rüganers (1779- 1813), der es bis zum geschätzten Stockholmer Hofkapellmeister brachte. Das Casal-Quartett verlieh dem Stück alle Qualitäten einer souverän gestalteten und von starkem Ausdruckswillen geprägten Komposition. Das galt auch für das Minguet-Quartett, das mit dem vielerlei klassische und romantische Anregungen aufgreifenden A-Moll- Werk Franz Berwalds (1796-1868) das Produkt eines nicht weniger originellen, von Zeitgenossen als zu kühn, ja „verwirrend“

empfundenen Meisters vorstellte; spannend noch immer!

Und es wurde noch spannender. Mit Allan Petterssons (1911-1980) ungewöhnlich besetztem und mit Yamei Yu solistisch bravourös musiziertem Konzert für Violine und Streichquartett kam das moderne Schweden zu Wort: kompromisslos unorthodox in einer Tonsprache von starker, traumatisch selbstbiographisch intendierter Heftigkeit und überbordender Expressivität. „Ein terrorisierendes Muss“ habe ihn zu einem Komponieren gezwungen, das „bis zum Bersten mit Dissonanzen angefült ist.“ Diese Botschaft, hinreißend dargeboten, verfehlte ihre Wirkung nicht. Wie denn überhaupt die entscheidende Botschaft beider Abende darin bestand, unseren Nachbarn jenseits der Ostsee als Teil einer Musiklandschaft zu erkennen und zu schätzen, die über Jahrhunderte hinweg vom fruchtbaren gegenseitigen Austausch bestimmt war und damit auch Bindungen schuf – vom künstlerischen Gewinn ganz zu schweigen. Zwei ganz große Abende!

Ekkehard Ochs

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