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Seeadler-Bestand steigt: Kampf um Reviere nimmt zu

Ribnitz-Damgarten/Insel Usedom Seeadler-Bestand steigt: Kampf um Reviere nimmt zu

96 Brutpaare wurden in diesem Jahr in der Region gezählt

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Ein Revierkampf zwischen zwei Seeadlern. FOTO: MARIO MÜLLER

Ribnitz-Damgarten/Insel Usedom. Es geht weiter bergauf: Auch in diesem Jahr ist die Zahl der Seeadler in der Region erneut gestiegen. Im Jahr 2016 wurden im ehemaligen Landkreis Nordvorpommern, auf Usedom und Rügen insgesamt 96 Brutpaare gezählt. Im vergangenen Jahr waren es noch 87 gewesen. 2014 sogar nur 80 Brutpaare.

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96 Brutpaare wurden in diesem Jahr in der Region gezählt

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Von den 96 Brutpaaren ließen sich 35 – davon fünf neue – in Nordvorpommern, 35 auf Rügen und 26 Brutpaare – darunter jeweils eine Neuansiedlung – auf Usedom nieder. Die Zahl der Jungtiere ist trotz der steigenden Population mit insgesamt 74 im Vergleich zum Vorjahr jedoch konstant geblieben.

Und das hat einen Grund: „Die Seeadler haben sich weniger erfolgreich gepaart. Das liegt daran, dass die Reviere langsam knapp werden und es immer mehr Revierstreitigkeiten gibt“, erklärt Mario Müller, Seeadler-Regionalkoordinator für den Bereich Nord. „Wenn die Seeadler sich bekämpfen, sind die Horste unbewacht. Marder oder Krähen fressen die Eier oder die Eier kühlen aus. Schließlich legen die Seeadler schon Ende Februar ihre Eier.“ Ungewöhnlich sei diese Entwicklung aber nicht. „Wenn eine Tierpopulation ihre Grenze erreicht hat, gibt es einfach weniger Nachwuchs“, so Mario Müller. Seit diesem Jahr ist der 54-Jährige auch Landeskoordinator und hat die Zahlen für ganz Mecklenburg-Vorpommern im Blick. So wurden in diesem Jahr in MV 370 Brutpaare gezählt, im vergangenen Jahr seien es etwa 350 gewesen. „Bei mir laufen die Daten von allen Regionalkoordinatoren ein und ich erstelle daraus einen Brutbericht für ganz MV“, sagt Müller. Dieser werde dann an das Landesamt für Umwelt und Natur weitergeleitet. „Es ist nämlich sehr wichtig, dass bekannt ist, wo sich die Horste der Seeadler befinden. Denn auf einen Abstand von 300 Metern dürfen dort keine forstlichen Arbeiten gemacht werden“, berichtet er. Das Landesamt für Umwelt und Natur leite diese Information dann an die Waldbesitzer weiter. Die Horste seien dadurch sehr gut geschützt. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg seien die einzigen Bundesländer, in denen dies gesetzlich verankert ist, sagt der Regional- und Landeskoordinator.

Eine besonders gute Nachricht gab es in diesem Jahr von der Insel Rügen: Ein Paar hat hier gleich drei Junge bekommen. „Das ist eine Seltenheit und etwas ganz Besonderes. Nur ein Prozent der Brutpaare bekommen drei Junge“, berichtet Mario Müller, der bei seinen Aufgaben – Überwachung der Seeadler-Bestände, Feststellung der Neuansiedlungen und die Beringung der Jungvögel – Unterstützung von Ornithologen bekommt.

Haupttodesursache der Tiere bleibe nach wie vor die Bleivergiftung. Die Seeadler fressen das Aas, was meist mit bleihaltiger Munition geschossen wurde. „Es gibt aber immer mehr Jäger, die auf bleifreie Munition umstellen. Die ist allerdings teurer als die bleihaltige Munition“, sagt der Seeadlerexperte, der hier eine klare gesetzliche Regelung fordert. Schon jetzt dürfe zum Beispiel in der Landesforst oder bei Jagden in Nationalparken nicht mit bleihaltiger Munition geschossen werden. Warum könne man das dann nicht gleich einheitlich regeln?

Denn das Verständnis für den Schutz der Vögel sei leider nicht bei allen Jägern vorhanden. „Das ist natürlich auch schwer zu vermitteln, wenn der Bestand in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist. Wenn er sinken würde, wäre das wieder etwas anderes“, sagt der Experte.

In letzter Zeit erleiden zudem immer mehr Seeadler durch Windkraftanlagen den Tod. Erst im vergangenen Monat sei ein fünf Jahre alter Seeadler tot unter einer Windkraftanlage in Alt Guthendorf gefunden worden. „Diesen Seeadler hatte ich selber beringt“, sagt Mario Müller. Zu diesen Unglücken käme es meist bei der Jagd nach Beute. Die Seeadler seien dann so auf ihre Beute fixiert, dass sie die großen Rotorblätter übersehen würden. Weitere Todesursachen seien schlechtes Wetter und Nebel.

Anika Wenning

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