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Sollen Pasewalker Greifswald fördern?

Greifswald Sollen Pasewalker Greifswald fördern?

Zweiter Anlauf: Landrätin Barbara Syrbe (Die Linke) versucht erneut, die Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern (WFG) mit Sitz in Greifswald auszubooten.

Greifswald. Zweiter Anlauf: Landrätin Barbara Syrbe (Die Linke) versucht erneut, die Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern (WFG) mit Sitz in Greifswald auszubooten.

Nach Syrbes Willen soll die wesentlich finanzschwächere Förder- und Entwicklungsgesellschaft Uecker- Randow (FEG), die in Pasewalk zu Hause ist, künftig nicht nur für den südlichen Teil, sondern für den gesamten Kreis zuständig sein. Das geht aus einer Vorlage hervor, die die Landrätin und ihr Vize Jörg Hasselmann (CDU) heute im Wirtschaftsausschuss einbringen.

Bislang ist der massiv überschuldete Landkreis in beiden Gesellschaften Mitglied. Im nördlichen Teil mit der Insel Usedom sowie im Landkreis Vorpommern-Rügen ist die WFG aktiv. Sie kümmert sich um Neuansiedlungen, preist die Vorzüge Vorpommerns auf Messen an, versucht Investoren herzulocken und kümmert sich um Betriebe vor Ort. Die Aufgaben der FEG lauten ebenfalls Bestandspflege, Marketing und Akquise. Allerdings gibt es im Süden weit weniger zu tun, da das Gebiet wesentlich strukturschwächer und für Investoren unattraktiver ist.

Bereits im Frühjahr 2014 versuchte Syrbe die Zusammenarbeit mit der WFG zu beenden. Das Geld, mit dem der Kreis die Arbeit unterstützte, sollte fortan komplett an die FEG fließen. Dieser für viele überraschende Vorstoß sorgte für massiven Protest. Letztlich scheiterte Syrbe.

Von einer Kündigung ist zwar nun offiziell keine Rede. In der Vorlage heißt es aber: „Die Förder- und Entwicklungsgesellschaft mbH soll mit der Betreuung der Unternehmen vor Ort im gesamten Landkreis Vorpommern-Greifswald betraut werden. Um einheitliches Handeln in der Wirtschaftsförderung zu garantieren, sollen auch die Städte des Landkreises, die bisher nicht Gesellschafter der FEG waren, für eine Zusammenarbeit gewonnen werden.“

Viele Fragen bleiben aber offen: Soll es überhaupt eine weitere Zusammenarbeit mit der WFG geben? Wie soll die aussehen? Sollen Städte und Kommunen, die bisher nur Gesellschafter der WFG sind, für die FEG abgeworben werden? Welche Gründe sprechen überhaupt für die FEG und welche gegen die WFG? Dazu schweigt die Verwaltung bislang. „Wenn wir eingebrachte Vorlagen im Vorfeld medial diskutieren, reagieren nicht wenige Mitglieder der Fachausschüsse wenig amüsiert“, meint Kreissprecher Achim Froitzheim.

Wenig amüsiert ist indes auch WFG-Geschäftsführer Rolf Kamann. „Mit uns hat bislang niemand vom Kreis über die Vorlage und die Auswirkungen gesprochen.“ Dabei hat sich die Greifswalder Gesellschaft erst Ende 2015 strategisch neu aufgestellt und die Aufgaben neu sortiert. Auch der Landkreis saß mit am Tisch und hat den Prozess begleitet.

Der Greifswalder Rechtsanwalt Frank Hardtke (Kompetenz für Vorpommern), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, sieht in der Vorlage keine Brisanz. Als „ganz normale Änderung des Gesellschaftervertrages der FEG“ bezeichnet er das Vorhaben. Künftig sieht er die Aufgaben der beiden Wirtschaftsfördergesellschaften im Kreis genau aufgeteilt: „Während sich die FEG um die Förderung für kleine und mittelständische Unternehmen kümmern soll, muss die WFG intensiv an der Weiterentwicklung des Industriestandortes Lubmin arbeiten“, betonte Hardtke. Dort gebe es Aufholbedarf.

Dies ist allerdings aus der Vorlage nicht wirklich herauszulesen. Alleine dass die FEG anstatt den Zusatz „Uecker-Randow“ künftig „Vorpommern-Greifswald“ tragen soll, spricht eine eindeutige Sprache.

Die WFG und ihre Aufgaben werden in dem Papier nicht näher benannt.

Für die Zukunft schließt Hardtke nicht aus, dass sich der Kreistag erneut mit der Zukunft der beiden Wirtschaftsfördergesellschaften beschäftigen und festlegen muss, ob möglicherweise ein Zusammengehen beider sinnvoll ist.

Der Wirtschaftsausschuss beschäftigt sich außerdem mit der Prioritätenliste zum Radwegebau (die OZ berichtete), mit der Entwicklung der Häfen und mit dem Vertrag der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald.

Von Kai Lachmann und Cornelia Meerkatz

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