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Boxclub kämpft um Andrey Dereviahkin

Greifswald Boxclub kämpft um Andrey Dereviahkin

Der Familie des 16-Jährigen droht die Abschiebung in die Ukraine

Greifswald. Horst Femferts Humor ist so trocken wie überlagerter Sandkuchen. „Andrey, komm mal her“, ruft er quer durch die viel zu kleine Trainingshalle, in der sich knapp 20 junge Boxer und Boxerinnen einer schweißtreibenden Übungseinheit und somit den Anweisungen ihres Trainers hingeben. „Andrey, du hast Besuch. Die Polizei ist hier.“ Leicht verschüchtert, schaut der 16-jährige Andrey zur Tür, zu der Horst Femfert während seiner Aufforderung zeigt. Der junge Mann fängt dann aber genauso an zu grinsen, wie alle anderen in der Halle auch – es wirkt aber sehr verhalten.

Verhalten deswegen, weil Andrey Dereviahkin, so wie der junge Faustkämpfer mit vollem Namen heißt, seit Anfang Oktober mit der Abschiebung in sein Heimatland, die Ukraine, rechnen muss. Verständlich daher, dass er bei Femferts scherzhafter „Polizei“-Ankündigung erst ein wenig verschüchtert, dann aber doch relativ locker dreinschaut. In der Tür stand anstelle eines Polizisten der Fotograf, der ein paar Schnappschüsse von Andrey mit sämtlichen Box-Utensilien für diesen Bericht knipsen wollte.

Knapp zwei Jahre lang ist Andrey mit seinen Eltern nun schon in Deutschland, eineinhalb Jahre davon gehört er dem Greifswalder Boxclub an. „Wir werden alles dafür tun, dass Andrey und seine Eltern noch so lange wie möglich hier in Deutschland bleiben können“, gibt sich Renate Femfert, die Schatzmeisterin und „gute Seele“ des Boxclubs, sowie auch noch Ehefrau des humorvollen Trainers, kämpferisch.

Mindestens genauso kämpferisch wie es Andrey im Seilquadrat ist. „Andrey ist ein guter Junge, zielstrebig und ehrgeizig. Er ist Teil unserer großen Box-Familie“, so Renate Femfert, die alle nur möglichen Hebel in Bewegung gesetzt hat und auch noch setzen wird, um den jungen Ukrainer in Deutschland (be-)halten zu können. „Er ist inzwischen vollkommen in der Gesellschaft integriert, geht nach der anfänglichen Abendschule mittlerweile in die achte Klasse der Fischerschule. Hinzu kommt das fast tägliche Box-Training. Es wäre schade, wenn er wieder zurück in die Ukraine müsste“, sagt Renate Femfert.

Sie ist inzwischen über den Greifswalder Integrationsbeauftragten und den Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommerns an Gregor Kochhan von der Diakonie MV und darüber hinaus an den Rostocker Rechtsanwalt Thomas Wanie geraten. Von allen zusammen erhofft sich Renate Femfert nun zielführende Hilfe. „Wir haben bei unseren aktiven Mitgliedern einen Ausländeranteil von knapp 80 Prozent. Wir würden uns für jeden unserer Boxer zerreißen“, sagen die Femferts.

Und „ihre“ Jungs und Mädchen zeigen täglich, wie viel Spaß es ihnen im Greifswalder Boxclub macht. Sie beweisen es regelmäßig mit Top-Leistungen in vielen Wettkämpfen, so auch zuletzt in Waren und Teterow. Dort gelang zum Beispiel Howik Margaryan (Gewichtsklasse bis 32 kg) ein Sieg und ein Remis. Salman Haidari (bis 36 kg) gewann seinen Kampf ebenso wie Nico Paesch (bis 45 kg), Ehsan Hosseini (bis 57 kg/je ein Sieg in Waren und Teterow) und auch Robert Stromecki (bis 70 kg). Nur Rafik Haratjunjan (bis 54 kg) musste sich seinem Schweriner Gegner beugen.

Auch Andrey Dereviahkin (bis 52 kg) entschied seinen Kampf gegen einen starken Gegner für sich. „Diesen Sieg widme ich meinen Eltern und meinem Bruder“, sagt der Teenager. „Ich hoffe, dass wir alle doch noch irgendwie hier bleiben können.“ Und wer weiß, vielleicht gibt es ja doch noch eine Chance, dass Andrey es seinem großen Vorbild Wladimir Klitschko gleich machen kann: als ukrainischer Boxer in Deutschland für Furore sorgen. Renate Femfert und der Boxclub Greifswald werden zumindestens alles in ihrer Macht stehende dafür tun.

Peter Krüger

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