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Usedom Stadt Wolgast gibt Investor den Laufpass
Vorpommern Usedom Stadt Wolgast gibt Investor den Laufpass
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04:26 20.04.2013
Die bereits an der Netzebander Stra�e vorhandene Biogasanlage nebst Schweinemast und die ersten Wohnbl�cke von Wolgast Nord trennen ebenfalls nur wenige hundert Meter. Quelle: Tilo Wallrodt

Eine Biogasanlage auf dem Gewerbegebiet „Am Poppelberg“ (früheres Industriegelände) wird es, wie jetzt bekannt wurde, nicht geben. Das beschlossen die Wolgaster Stadtvertreter bereits Ende Januar per Veränderungssperre. Demnach dürfen in diesem Gebiet fortan keine solchen Anlagen und Ölmühlen mehr errichtet werden. Nun droht allerdings ein juristisches Nachspiel.

Pech hat der Unternehmer Gerold Vaske. Denn: Der Karlshagener trägt sich laut eigenem Bekunden seit längerem mit dem Gedanken, auf einem Grundstück des Gewerbegebiets an der Karriner Straße für acht bis zehn Millionen Euro eine Biogasanlage zu bauen. Diese solle mit Grünschnitt und nachwachsenden Rohstoffen gespeist werden, die aus der Region stammen. Auch der Einsatz von Gülle aus Tierhaltung ist vorgesehen, war zu erfahren.

Die erwähnte Entscheidung des Stadtparlaments machte Vaske unvermittelt einen dicken Strich durch die Rechnung. Damit will er sich nicht einfach abfinden. „Die Veränderungssperre ist kurzfristig erlassen worden. Nun ist von höherer Stelle festzustellen, ob dies rechtens ist“, so Vaske gestern. Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) betont, dass zum Zeitpunkt der Ratssitzung Ende Januar von Vaskes Plänen in der Stadtverwaltung offiziell nichts bekannt gewesen sei. „Und selbst, wenn etwas vorgelegen hätte, hätte die Stadtvertretung die Veränderungssperre erlassen dürfen“, meint der Rathauschef.

Schließlich habe die Stadt in ihrem Gebiet die Planungshoheit. Laut Weigler gibt es für die ablehnende Haltung zwei Gründe. Einerseits gingen von Ölmühlen und Biogasanlagen Geruchsemmissionen aus.

„Das Eigenheimgebiet am Tannenkamp ist nur etwa 250 Meter entfernt. Meist kommt der Wind aus West, so dass hier mit Geruchsbelästigungen für die Anwohner zu rechnen ist“, verdeutlicht Weigler. Daran ändere auch nichts, dass Vaske eine Verlagerung des Vorhabens auf ein stadteigenes Grundstück an der Krösliner Straße angeboten habe. „Es handelt sich hier teilweise um eine wertvolle Industriegebietsfläche“, so der Bürgermeister. Die Biogasanlage benötige viel Platz, schaffe aber nur wenige Arbeitsplätze. Die Stadt hingegen hoffe auf Industrieansiedelungen im Zusammenhang mit dem geplanten Gaskraftwerk in Lubmin. „In unmittelbarer Nähe wird sich dann wärmeintensive Industrie ansiedeln. Die dafür geeigneten Plätze sind rar.“

Die Gasversorgung Vorpommern GmbH bedauert das vermeintliche Aus für Vaskes Vorhaben. „Es gab mit Herrn Vaske Vorabgespräche“, informiert Prokurist Volker Höfs. „Das in der Anlage erzeugte Biogas sollte gereinigt, anschließend in das Netz der Gasversorgung eingespeist und in der Region verbraucht werden. Wir sind enttäuscht, dass daraus nun wohl nichts wird.“ Gleichwohl räumt Höfs ein, dass der Betrieb der Anlage zeitweise mit Gerüchen verbunden sei, so etwa während des Antransports der einzusetzenden Materialien. „Aber wenn so eine Anlage professionell geführt wird, halten sich die Belästigungen in Grenzen.“ Laut Höfs gibt es andere taugliche Standorte für die Anlage: so in Mittelhof bei Wolgast, in Zemitz neben Peeneland oder auf dem EWN- Gelände in Lubmin.

Alternativen sind gefragt
Klamme Stadtkasse, insolvente Unternehmen, Stellenabbau auf der Peene-Werft — da müsste jeder Investor in Wolgast eigentlich gern gesehen sein. Doch die Stadtvertretung machte es sich im vorliegenden Fall sehr einfach. Okay, in der Verwaltung lagen die Pläne für die Biogasanlage bis zur Parlamentssitzung Ende Januar noch nicht vor. Längst aber hatten einige Abgeordnete per Buschfunk davon Wind bekommen und darauf gedrängt, dem Vorhaben per Veränderungssperre noch schnell einen Riegel vorzuschieben.

Investorenfreundlich geht anders. Alternative Standorte sind gefragt, wie etwa jener im Bereich des früheren Volksgutes nahe Mittelhof. Hier führt der zur Biogaseinspeisung benötigte Erdgasversorgungsstrang sogar direkt entlang. Wolgast kann und darf in der aktuell so prekären Lage auf keinen einzigen Arbeitsplatz verzichten.

Tom Schröter

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