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Thurbruchchor bringt sich zum Jubiläum selbst ein Ständchen

Insel Usedom Thurbruchchor bringt sich zum Jubiläum selbst ein Ständchen

Das bekannte Gesangsensemble feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Chronist Dr. Klaus Mäder erforschte auch die Vorgeschichte des Klangkörpers.

Insel Usedom. „Höre fleißig auf alle Volkslieder! Sie sind eine Fundgrube der schönsten Melodien und öffnen dir den Blick in den Charakter der verschiedenen Nationen“. Diese Worte stammen von Robert Schumann (1810-1856), der vor allem als Komponist von Klavierstücken bekannt ist, der aber auch Romanzen und Balladen für gemischte Chöre schrieb. Zu seinen Lebzeiten war das Laienchorwesen in den Städten schon weit verbreitet und erreichte Mitte des 19. Jahrhunderts die Provinzen. In Ahlbeck war es 1847 der Lehrer und spätere Kantor Johann Christian Koch, der den ersten gemischten Chor auf Usedom gründete.

Dass es vom Koch‘schen Chor eine fast nahtlose Verbindungslinie zum heutigen Thurbruchchor gibt, hat jetzt aus Anlass des 40-jährigen Chorjubiläums Dr. Klaus Mäder in seiner Chronik „Wo de Ostseewellen trecken an den Strand“ hervorgehoben. Der Koch‘sche Chor sei vor allem zu Freiluftgottesdiensten aufgetreten, aber auch in Hotels in Ahlbeck, Heringsdorf und Swinemünde und habe dabei Spenden für den geplanten Kirchenbau in Ahlbeck gesammelt. Der konnte erst 1894, ein Jahr nach Kochs Tod , realisiert werden. Sein Chor überdauerte, fand aber im Zweiten Weltkrieg ein unfreiwilliges Ende.

1946 fanden sich wieder Sänger in Ahlbeck zusammen, die unter Chorleiter Gerhard Kokesch übten. Durch die vom damaligen Ahlbecker Pastor Rieck initiierte Abtrennung eines reinen Kirchenchores ging für die verbleibenden Sänger der Bezug zum Koch‘schen Chor verloren. Ab sofort wurde der Name „Volkschor Ahlbeck“ verwendet. 1965 übergab Kokesch das Dirigat an den jungen Musiklehrer Hans-Werner Hinz ab, der bis heute Chorleiter ist. Bald darauf folgte eine Krise. „Durch administrative Verfügung wurde der Chor dem ,Klub der Werktätigen Seebad Ahlbeck‘ angegliedert, wodurch eine Verbesserung der volkskünstlerischen Betätigung und Betreuung erreicht werden sollte“, schreibt Chronist Klaus Mäder. Aufgrund der damit verbundenen Reglementierungen und dem „Pflichtprogramm bei staatlichen und politischen Gedenk- und Feiertagen“ schieden viele Sängerinnen und Sänger aus.

Da fügte es sich gut, dass sich zur selben Zeit in Zirchow ein gemischter Chor etablierte, der „aus einer Singegruppe der Lehrer an der POS“ unter Leitung von Helmut Powils hervorging. Durch den Zusammenschluss des Ahlbecker und des Zirchower Chores entstand im Oktober 1973 der „Thurbruchchor“. Die über 40 Chormitglieder kamen aus dem Gemeindeverband „Thurbruch“ und den Ostseebädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Gleichzeitig übernahm die Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) mit Sitz in Dargen die Patenschaft und ermöglichte so die Loslösung vom „Klub der Werktätigen Ahlbeck“.

Es entwickelte sich in der Folgezeit ein gemischter Chor, der von 1977 bis 1986 fünfmal als „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ geehrt wurde. Der Thurbruchchor hatte regelmäßig Auftritte bei Jugendweihen, Chortreffen auf Kreis- und Bezirksebene, Feier- und Gedenktagen sowie ab 1978 auch bei Weihnachtskonzerten.

Mit der Wende entfielen die finanzielle Unterstützung und die Trägerschaft durch die KAP und auch um die Auftritte musste sich der Chor nun selbst kümmern. Um fortbestehen zu können, war eine die Gründung eines Vereins nötig. Seit Januar 1993 trägt dieser den Namen Thurbruchchor Seebad Ahlbeck-Zirchow e.V..

Der Juni 1994 bescherte dem Ensemble ein Highlight: Für die ZDF- Sendung „Lustige Musikanten“ am Ahlbecker Strand fungierte der Klangkörper als Backgroundchor für das Lied „Auch Matrosen haben Heimweh“. Am 12. März 1995, zum 50. Jahrestag der Bombardierung Swinemündes, übernahm der Chor erstmals die musikalische Begleitung für eine Gedenkfeier auf dem Golm. Seitdem ist der Thurbruchchor unverzichtbarer Bestandteil der jährlichen Gedenkfeiern zum Volkstrauertag.

Im Dezember 2001 gab der Chor sein erstes Weihnachtskonzert in der Ahlbecker Kirche und konnte so den Faden zum Koch‘schen Chor wieder aufnehmen. Die Weihnachtskonzerte regelmäßig zum dritten Advent sind zu einer schönen Tradition geworden. Neben den regelmäßigen Auftritten in Rehakliniken in Ückeritz, Trassenheide, Ahlbeck und Heringsdorf, im Seniorenheim Stella Maris Heringsdorf und auf dem Golm gab es auch Gastspiele. So trat der Chor im Dezember 2003 bei einem Adventskonzert mit Gunter Emmerlich & Band im Heringsdorfer Kursaal auf. Im Januar 2005 veranstaltete der Thurbruchchor in Ahlbeck ein Solidaritätskonzert für die Opfer des Tsunami in Südostasien.

Im Sommer 2005 übernahm Dr. Burgi Fleischer den Vereinsvorsitz von Anne Jühlke. Nun ist der Verein mit den Jubiläumsvorbereitungen stark beschäftigt. Der Chor, der zurzeit 36 Sängerinnen und Sänger sowie acht Ehrenmitglieder vereint, feiert 2013 seinen 40. Geburtstag und der Verein sein 20. Wiegenfest. Am 13. April veranstaltet der Thurbruchchor um 15 Uhr in der Ahlbecker Kirche ein Jubiläumskonzert. Dann wird der Klangkörper gut zwei Dutzend Lieder aus seinem 220 Volks- und Kunstlieder umfassenden Repertoire zu Gehör bringen.

Dietmar Pühler

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