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Usedom Tierquäler verstümmeln Robben vor polnischer Ostseeküste
Vorpommern Usedom Tierquäler verstümmeln Robben vor polnischer Ostseeküste
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00:00 13.07.2018
Als würde sie friedlich schlafen: Ein tote Robbe in der Nähe von Misdroy. Zum Glück wurden nicht alle der über 100 toten Meeressäuger vor der polnischen Küste verstümmelt. Die Todesursache dieses Tieres ist noch unbekannt. Quelle: Foto: Radek Jagielski
Swinemünde/Misdroy

Grausige Funde vor der polnischen Küste: Unbekannte Täter haben hier in den vergangenen Wochen über 100 Robben getötet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Öffentlichkeit ist schockiert. Unter Verdacht stehen Fischer, die beteuern aber ihre Unschuld. Das Töten der seltenen Tiere, die unter strengem Schutz stehen, empört die Menschen. Denn die Robben wurden teilweise auf bestialische Weise verstümmelt.

Die toten Meeressäuger wurden an verschiedenen Orten gefunden. Allein im Juni gab es 100 tote Tiere. Einige von ihnen hatten sich in Fischernetzen verstrickt, andere waren krank. Es gab jedoch auch etliche Fälle, in denen tote Robben sichtbare Spuren von Verstümmelungen aufwiesen: Sie hatten mitunter auch angeschnittene Mägen.

In einer Untersuchung soll nun geklärt werden, ob die Wunden die direkte Todesursache der Robben waren oder ob sie ihnen später zugefügt wurden. Am vergangenen Samstag wurde am Strand in Lubiewo bei Misdroy eine weitere tote Robbe gefunden. Früher gab es ähnliche Fälle in Dziwnówek und Niechorze in Westpommern.

Wer tötet die Robben und warum? Diese Fragen bleiben vorerst unbeantwortet. In Swinemünde wurde vor ein paar Wochen eine Robbe gesehen. Sie verschwand dann aber wieder. Früher besuchten die Tiere Swinemünde mehrmals, aber nur für kurze Zeit. Denn dies ist nicht ihr gewöhnliches Revier. Sie bevorzugen viel tiefere Gewässer östlich des Ostseebades.

Einige Male wurden in Swinemünde auch tote Robben angespült, aber sie trugen keine Spuren von Verstümmelungen. Dr. Tomasz Olechir von der Seestation der Universität Stettin in Misdroy betont auch deshalb, dass die Lösung des Problems der toten Robben in Ruhe angegangen werden sollte: „Ich kenne Fischer und ich glaube nicht, dass sie es sind. Sie sind Menschen des Meeres. Zwar mögen sie keine Robben, aber sie machen keine so schrecklichen Dinge. Ich würde eher dazu neigen, dass es sich um eine psychisch gestörte Person handelt“, sagt Olechir.

Derzeit werden Robben an der polnischen Küste unter der besonderen Aufsicht des WWF (World Wide Fund for Nature) geführt. Retter und Stadtwachen helfen mit. WWF-Freiwillige versuchen, die Robben vor aufdringlichen Touristen zu schützen, die normalerweise keine Ahnung von den Gewohnheiten dieser Tiere und Vorschriften haben. In Misdroy kann sich die Robbe namens „Celebrity“ an einem besonderen ausgewiesenen Ort ausruhen. Konrad Wrzecionkowski von Blue Patrol WWF Polen räumt ein, dass Touristen diese Robbe allzu oft als eine Attraktion betrachten.

„Menschen machen Urlaubsfotos, aber sie haben keine Ahnung, dass man den Robben nicht zu nahekommen sollte, weil sie Angst bekommen und sich so verletzen könnten. Dieses Säugetier hat scharfe Zähne, weil sein Skelettsystem dem eines Hundes ähnlich ist. Die Heilung einer Wunde kann lange dauern. Ein Seehund sollte auch nicht gefüttert werden, denn er geht vor allem ans Ufer, um sich auszuruhen und ist dann bereits satt“, erklärt Konrad Wrzecionkowski. Es sei kein Geheimnis, dass Fischer Seehunde nicht mögen, weil sie ihnen Fische vom Netz fressen. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass sie diese auf eine solche Weise verstümmeln würden, meint auch er.

Insgesamt wächst der Bestand der Seehunde in der Ostsee. Laut Daten aus dem Jahr 2014 leben aktuell mehr als 32 000 Kegelrobben in der Ostsee. Zu verdanken ist das verschiedener Schutz-Aktivitäten.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in der Ostsee noch etwa 100 000 Säugetiere dieser Gattung – trotz regelmäßiger Jagden.

Tote Robben auch im Greifswalder Bodden

Auch im Greifswalder Bodden hatte der Tod von 23 Kegelrobben im Herbst 2017 für Aufsehen gesorgt. Die Ursache bleibt in diesem Fall aber wohl ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft will die Ermittlungen gegen einen Fischer einstellen, der in Verdacht geraten war, für den Tod der Tiere verantwortlich zu sein. Demnach soll er Fischreusen absichtlich so gestellt haben, dass sich Robben darin verfangen und ertrinken können. Der Tatnachweis habe nicht mit der für eine Anklage notwendigen Sicherheit geführt werden können, sagte der Sprecher der Stralsunder Staatsanwaltschaft, Martin Cloppenburg.

Radek Jagielski

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