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Töpferstraße macht neuem Namen Ehre

Morgenitz Töpferstraße macht neuem Namen Ehre

Großes Markttreiben vereint 48 Kunsthandwerker und ihr riesiges Publikum

Morgenitz. Morgenitz, das ist eine mächtige alte Eiche am Dorfanfang, eine noch ältere Kirche am Ortsende und eine Töpferei dazwischen. Alle drei sind verbunden durch die Dorfstraße, die künftig, wie Bürgermeister Bernd Meier kürzlich verriet, Töpferstraße heißen soll. Morgenitz – das sind aber auch rund 120 Einwohner, die großenteils ihre Häuser, Höfe und Gärten liebevoll herausgeputzt haben, und die damit ihren Teil dazu beitragen, dass das Ambiente stimmt, wenn sich einmal im Jahr die Dorfstraße auch jetzt schon in eine Töpferstraße verwandelt.

Immer am letzten Juli-Wochenende ist das der Fall, wenn der Morgenitzer Töpfermarkt ruft. Dieses Mal kamen 48 Töpfer vorwiegend aus dem Osten Deutschlands ins Usedomer Achterland, um ihre unterschiedlichsten Keramiken feilzubieten. Seit 25 Jahren organisiert Astrid Dannegger rund um ihre 1990 eröffnete Werkstatt das Stelldichein der Kunsthandwerker.

Beim ersten Mal fand der Töpfermarkt noch im Garten der Danneggers statt, wie sich Silwia Barke-Demba erinnert. „Ich bin vom ersten Mal bis jetzt immer dabei und hab noch nicht einmal ausgesetzt“, sagt die gebürtige Berlinerin ein bisschen stolz. Sie lebt und arbeitet in Rusch bei Parchim, wo sie selbst einen kleinen Kunsthandwerkermarkt namens „Rosenlust“ organisiert.

Die bunt gekleidete Töpferin stellt neben „Guter-Laune-Keramik“ Glas- und Keramikperlenketten her. „Diese phönizischen Perlen sind zweitausend Jahre alt“, erklärt sie ihren staunenden Kunden. Drei Monate im Jahr lebt Silwia Barke-Demba im Grenzgebiet von Gambia und Senegal, wo ihr Mann zuhause ist.

„Ich bin mit der neuen Welt nicht zufrieden. Deshalb bin ich auch nach Mecklenburg gezogen. Dort habe ich tausend Bäume, in Berlin tausend Leute einen“, sagt sie und gesteht: „Ich mag es einfach“.

Und „bunt“, muss man hinzufügen. Denn ihre Keramikwaren leuchten in freundlichen, warmen Gelb-, Orange- und Rottönen. „Farben sind mein Leben“, gesteht sie und „die bunten Tassen sollen einfach Freude machen. Ich hab sie jedenfalls beim Fertigen.“

Ein Spaziergang über den Töpfermarkt zeigt die ganze Vielfalt an Techniken, Stilen und individuellen Handschriften, die jeden dort vertretenen Kunsthandwerker so besonders macht. Ob es überdimensionale Ton-Insekten von Ross de Wayne Campbell aus Berlin sind oder Raku-Blümchen von Kathrin Jacobs aus Weitenhagen bei Velgast – es findet jede Arbeit ihre Liebhaber und Käufer.

Wie etwa Juliane Loos aus Berlin. Sie hat sich einen kleinen Raku-Blumenstrauß samt Vase ausgesucht. „Weil die toll aussehen und ewig halten. Die Farben sind irre“, findet die Urlauberin, die mit ihrer Familie in Ückeritz zeltet. Sie spricht wohl auch so manchem Töpfermarktbesucher aus dem Herzen, wenn sie sagt: „Man kauft auch die Atmosphäre mit, die tolle Handarbeit, die mit viel Liebe gemacht wurde.“

Die so gelobte Kathrin Jacobs ist zum dritten Mal mit ihrem Stand auf dem Morgenitzer Töpfermarkt dabei. Es sei schwer gewesen, das erste Mal genommen zu werden, angesichts der großen Nachfrage. Für sie ist der Morgenitzer ein besonderer Töpfermarkt, da er ein kunstinteressiertes Publikum anzieht, das auch bereit ist für hochpreisige Keramik Geld auszugeben.

Morgenitz macht aber auch aus, dass hier viele mithelfen, wie etwa die Feuerwehrleute, die Autofahrer freundlich auf den Parkplätzen am Ortsrand einweisen, oder wie die Frauen der Selbsthilfe nach Krebs, die jedes Jahr rund 60 Kuchen auf dem Töpfermarkt für einen guten Zweck verkaufen.

Dietmar Pühler

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