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Usedom Traditionelles Handwerk in Greifswald in Gefahr
Vorpommern Usedom Traditionelles Handwerk in Greifswald in Gefahr
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00:10 02.03.2016

Es gibt immer weniger traditionelle Berufe in der Hansestadt. Vom Fliesenleger über den Konditor bis hin zum Fotograf oder Schneider sind viele Handwerksgewerbe zulassungsfrei. Das heißt, sie können ohne Gesellen- oder Meisterbrief betrieben werden. Für viele Tätigkeiten gibt es aber immer noch eine Meisterpflicht, wie in der Sanitär-, Heizung- oder Kfz-Branche.

Doch kann das Niveau gehalten werden, wenn es keine Meister mehr im Handwerk gibt? „Die Qualität kann leiden, aber der Verbraucher muss entscheiden, von wem er die gewünschten Dienstleistungen durchführen lässt“, sagt Gudrun Hohberger, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft in Vorpommern-Greifswald. So ließen sich zum Beispiel Kunden kaum Schuhe nach Maß anfertigen, wofür ein Meistertitel nötig sei. Die meisten ließen nur noch Reparaturen durchführen, wofür handwerkliches Geschick nötig sei, welches man sich aneignen könne.

Olaf Discher ist kein gelernter Schuhmacher, dennoch ist er Inhaber des Geschäfts „Schuhreparatur und mehr“ im Möwencenter in Schönwalde I. Seit knapp 27 Jahren ist er selbstständig und vor einem Jahr übernahm er den Betrieb von Meister Kaapke. Neben ihm gibt es noch zwei weitere Schuhmacher, je im Schönwalde-Center und im Elisenpark. Keiner dieser Läden beschäftigt jedoch einen Meister. „Als ich letztes Jahr das Geschäft von Kaapke übernahm, starb somit der letzte Schuhmachermeister in Greifswald“, so Discher.

„Allgemein ist der Beruf des Schuhmachers ein Beruf, der sich ohne ein zweites Handwerk kaum rechnet“, erklärt Hohberger. „Wir leben heute in einer Wegwerfgesellschaft, man kauft sich lieber ein neues Paar Schuhe, als das alte reparieren zu lassen.“ Auch Olaf Discher klebt nicht nur Absätze ab und vernäht Sohlen: er passt Reißverschlüsse ein, ändert Gürtel, schleift Messer, flickt Bälle, kürzt Hundeleinen und er repariert Nähmaschinen, Uhren, Armbänder Taschen und Jacken. Pro Woche hat er 150 bis 200 Aufträge. Davon sind zwei Drittel Schuhreparaturen.

„Die Leute lassen hauptsächlich Kleinigkeiten machen“, so der 49-Jährige. „Kaum einer lässt heute noch seine Schuhe komplett neu besohlen, das kann 30 Euro kosten.“ Für den gelernten Nähmaschinenmechaniker ist diese Vielseitigkeit kein Problem, sondern eine Bereicherung: „Es ist ein schöner, interessanter und abwechslungsreicher Beruf“, schwärmt er.

Bevor er nach Greifswald kam, gehörte ihm das Geschäft „Schuh-Express“ in Gransee. Dort zählte der Himmelpforter Weihnachtsmann zu seinen Kunden. Er putzte ihm zu Nikolaus und anderen Anlässen die Stiefel. Nach 25 Jahren wagte Discher einen Neuanfang und zog nach Wolgast. Durch Zufall hörte er, dass Kaapke im Möwencenter nach einem Nachfolger suchte. „Eigentlich wollte ich für mich arbeiten, aber den Bestand an Kunden und Material konnte ich mir nicht entgehen lassen“, erzählt der gebürtige Himmelpforter.

Zu einem eigenen Geschäft gehören viele Kostenfaktoren: Personal, Technik, Strom, Materialien und Miete. Letzteres kostet laut Discher monatlich rund 1000 Euro. „Ich arbeite eine Woche, bis ich die Pacht zusammenhabe“, so der 49-Jährige. Außerdem beschäftigt er einen Schuhmachergesellen, den er bezahlen muss.

„Um einen Schuhmacher zu ernähren, braucht man rund 50.000 Einwohner“, sagt Hohberger. „Wenn mehr Kunden die Leistungen in Anspruch nehmen würden, wäre es anders, aber die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.“ Discher kann sich aktuell nicht über mangelnde Kundschaft beklagen. Im nächsten Jahr möchte er mit seiner Frau ein weiteres Geschäft in Wolgast eröffnen.



Laura Weigele

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