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Usedom Tunnel: Experten warnen vor Bohrung
Vorpommern Usedom Tunnel: Experten warnen vor Bohrung
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07:50 06.12.2017
Eine Tunnelbohrmaschine (TBM), wie hier beim Tunnelbau in Danzig eingesetzt, eignet sich besonders für hartes Gestein. Quelle: Foto: Technobud
Swinemünde

Der geplante Tunnelbau unter der Swine sorgt schon jetzt für große Aufregung. Der polnische „Verband der Ingenieure und Techniker der Baustoffindustrie“ warnt davor, die Tunnelröhre durch den Unterwasserboden zu bohren. Diese Methode berge gleich mehrere Gefahren. Der Verband gilt als Kritiker der geplanten Bauarbeiten. Seine Stellungnahme erschien in einer der größten meinungsbildenden Zeitungen Polens. Wenige Tage nachdem in den Medien der Auftragnehmer und das von ihm geplante Bohrverfahren verkündet worden waren.

Ärger um neue Swinequerung / Ingenieure befürchten Kostenexplosion

Verbandsmitarbeiter Andrzej Sulima ist überzeugt, dass die für den Swinemünder Tunnel erwogene Bohrmethode große Unwägbarkeiten mit sich bringt. „Das Bohren“, erklärt der Experte, „erfolgt in einem schlammigen Boden, was in einer Katastrophe enden kann.“ Das Vorhaben werde viel mehr Geld verschlingen, als man derzeit annehme. „Wenn der Auftragnehmer während der Bohrarbeiten auf einen schlammigen Boden trifft, muss er ihn einfrieren“, erklärt Sulima. Damit verbunden seien zusätzliche Kosten. Der Bau des Tunnels, prophezeit der Ingenieur, werde aufgrund der auftretenden Probleme vier Mal teurer sein als derzeit ausgerechnet. Sei der gefrorene Schlamm erst einmal wieder aufgetaut, werde der Tunnel undicht sein und schließlich überflutet, so Sulima.

In der Zeitung wurde aufgezeigt, dass der Verband noch im Oktober, also vor der Veröffentlichung der Ausschreibung, einen Ungültigkeitsantrag des gesamten Verfahrens beim Öffentlichen Beschaffungsamt eingelegt hat. Die Ingenieure fordern eine günstigere und weniger riskante Methode: das Versenken vorgefertigter Tunnelelemente. In den Ausschreibungsbedingungen wurde diese Methode geradezu ausgeschlossen.

Die Veröffentlichung von Sulimas Stellungnahme sorgte in Polen für großes Aufsehen. Die Swinemünder Stadtverwaltung hat sofort eine Pressekonferenz einberufen. „Wir wissen, dass sich 20 Meter unter der Erde ein Boden befindet, der zum Bohren geeignet ist. Wir verfügen über Ergebnisse von Dutzenden geologischen Bohrungen, die vor der Methodenauswahl durchgeführt worden sind. Die letzte durchgeführte Studie zeigte den endgültigen Ort und die Bohrmethode an. Dies wurde zweimal von Spezialisten verifiziert“, erklärt Stadtpräsident Janusz Szmurkiewicz. Er ist überzeugt, dass es weitere Aktivitäten geben wird, um den Tunnelbau zu verzögern. Er sagte jedoch nicht, in wessen Interesse es sein könnte.

Die im Artikel erwähnten Thesen sorgen für Aufsehen. Der Fall wurde an das Öffentliche Beschaffungsamt geleitet, das eine offizielle Position einnehmen muss. Die Stadt muss dagegen eine Erklärung im „Zentrum der EU-Verkehrsprojekte“ abgeben. Eine Stellungnahme gab auch ein Ersatzinvestor – die Generaldirektion für Nationalstraßen und Autobahnen – ab. Dessen Vertreter, Mateusz Grzeszczuk, erinnert daran, dass beide Varianten des Tunnelbaus im Jahr 2010 bei der Erteilung eines Umweltbeschlusses analysiert worden sind. Damals war die Versenkmethode von fertigen Elementen mit enormen Störungen der Unterwasserwelt verbunden worden.

„Der Bau eines Unterwassertunnels ist damit verbunden, dass zuerst ein spezieller Platz am Flussboden erstellt werden muss. Es muss eine Menge Material herausgenommen werden. Das sind Arbeiten, die viel mehr in die Umwelt eingreifen als im Falle eines Bohrtunnels, der acht bis zehn Meter unter dem Boden angefertigt wird“, behauptet Grzeszczuk. Der Swinetunnel soll 1,76 Kilometer lang sein und zwölf Meter Durchmesser haben. Geplant ist je eine Fahrbahn in zwei Richtungen. Geschätzte Kosten: 727 Millionen Zloty (mehr als 181 Millionen Euro). Als Auftagnehmer wurde ein italienisches Firmenkonsortium bestimmt, das aus den Unternehmen Astaldi und Ghella besteht. Nach Vertragsunterschrift hat es 50 Monate Zeit. Die ersten Fahrzeuge sollen im Jahr 2022 durch den Tunnel rollen.

Radek Jagielski

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