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Überlebende und Tote im Blickkontakt

Kamminke Überlebende und Tote im Blickkontakt

„Wir haben nur gebetet. Und das 70 Minuten.“ So lange dauerte am 12. März 1945 der Angriff amerikanischer Flugzeuge auf Swinemünde.

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Stefani Krüger aus Stapelfeld schaut sich die Bilder an. Sie verlor ihren Schwager. Fotos (4): Henrik Nitzsche

Kamminke. „Wir haben nur gebetet. Und das 70 Minuten.“ So lange dauerte am 12. März 1945 der Angriff amerikanischer Flugzeuge auf Swinemünde. In den Mittagsstunden fielen mehr als 3000 Sprengbomben auf die Stadt. Herbert Weber hat das Inferno überlebt — als 14-Jähriger kauerte er mit Lehrern und weiteren Schülern im Keller der Swinemünder Fontane Schule.

OZ-Bild

„Wir haben nur gebetet. Und das 70 Minuten.“ So lange dauerte am 12. März 1945 der Angriff amerikanischer Flugzeuge auf Swinemünde.

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Der 84-Jährige aus Iserlohn ist einer von mehreren Zeitzeugen und Angehörigen, die am Sonnabend auf der Kriegsgräberstätte Golm in Kamminke bei der Eröffnung der neuen deutsch-polnischen Dauerausstellung „Gesichter des 12. März 1945“ dabei sind. „Wir wollen mit der Ausstellung den Luftangriff auf Swinemünde aus den Blickwinkeln unterschiedlicher Menschen präsentieren“, sagt Bettina Harz, pädagogische Mitarbeiterin der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm bei der Eröffnung. Im kleinen Pavillon, dem Ausstellungsraum auf der Kriegsgräberstätte, hängen Fotos von acht Überlebenden und vier Kriegstoten — sie haben Blickkontakt. „Dafür haben wir auf die gesammelten Zeitzeugenberichte zurückgegriffen. Die sollen sich zu einem Bild zusammenfügen, das beschreibt, was am Boden damals geschah, als die Bomben fielen“, so Bettina Harz. Gezeigt werden auch die Perspektiven der am Einsatz beteiligten amerikanischen Bomberbesatzungen, die Rolle der NS-Funktionsträger, „die den Tod aus der Luft für den Durchhaltewillen instrumentalisierten“, meint die pädagogische Mitarbeiterin. Die Schau, die von der Landeszentrale für politische Bildung MV, dem Bund und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unterstützt wird, bietet auch die Biographie eines Flüchtlingsmädchens und die eines jüdischen Arztes.

Für Ursula Strodt ist es immer wieder etwas Besonderes, wenn sie an diesen deutschen und europäischen Erinnerungsort kommt. Sie verlor ihre Mutter bei dem Angriff auf Swinemünde. Und ahnte an dem Tag im Jahre 1945 nicht, dass die Bomberstaffeln, die sie in Reinsberg als Kind in der Luft sah, auf dem Weg nach Swinemünde waren. „Unsere Mutter sollte nachkommen. Leider hat sie es nicht geschafft“, sagt die 92-Jährige aus Osnabrück. Weil die Stadt damals mit Flüchtlingen überfüllt gewesen war, musste ihre Mutter im Hafen von Swinemünde auf dem Schiff „Andros“ ausharren. Bomben trafen den Dampfer, der daraufhin sank. Einige Tage später bekam die Familie die schreckliche Nachricht vom Tod der Mutter, die mit einem Foto ebenfalls Teil der neuen Ausstellung ist.

Ursula Strodt, Herbert Weber und die anderen Zeitzeugen und Angehörigen waren im Anschluss an die Ausstellungseröffnung Gäste der Gedenkfeier, die an die Bombardierung der Stadt vor 71 Jahren erinnerte. Mehrere Tausend Bombenopfer wurden in Massengräbern auf dem Golm beerdigt.

Hier können Jugendliche Geschichte erfahren

2005Am 12. März eröffnete der Volksbund in dem Jahr die Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm in Kamminke, die auch die Aufgaben der 2005 aufgelösten Interessengemeinschaft übernommen hat. Sie steht für Schulprojekte und internationale Jugendbegegnungen offen. Auch Vereine, Verbände und Institutionen wie Kirchen, die Bundeswehr oder Universitäten nutzen die Begegnungsstätte im Rahmen ihrer Jugend- und Erwachsenenbildung. Durch die Nachbarschaft zum Golm haben Jugendliche die Möglichkeit, direkt vor Ort Geschichte zu erfahren.Kontakt: ☎ 03 83 76 / 29 00

Von Henrik Nitzsche

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