Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Uniklinikum schickt Patient nur im Nachthemd nach Hause
Vorpommern Usedom Uniklinikum schickt Patient nur im Nachthemd nach Hause
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 14.09.2018
Zinnowitz/Greifswald

„Fast nackt nach Hause geschickt zu werden, war so entwürdigend“, sagt Jürgen Schröder. Noch immer setzt dem 77-Jährigen das Erlebte im Uniklinikum Greifswald zu: Der Mann wurde nach vierwöchigem Klinikaufenthalt im hinten offenen Krankenhausnachthemd, Netzunterhose, Filzlatschen und mit einem Zettel fürs Beschwerdemanagement entlassen. Seine Tasche mit persönlicher Kleidung war während des Krankenhausaufenthaltes abhanden gekommen. Nur Brille und Portemonnaie aus der Nachttischschublade waren geblieben.

Mit diesem Krankenhausnachthemd schickte die Greifswalder Unimedizin Jürgen Schröder nach Hause. Seine Frau Gilda und er sind immer noch fassungslos. Quelle: Foto: Cornelia Meerkatz

Jürgen Schröder war am 24. Juli lebensbedrohlich erkrankt mit dem Rettungshubschrauber ins Klinikum geflogen worden. Viele Tage lag er auf Intensiv- und Wachstation, kam dann auf die Allgemeine Station zu einem älteren Mann ins Zimmer. Weil sich sein Zustand verschlechterte, musste er erneut auf die Wachstation. Zurück auf der Allgemeinen, fehlte plötzlich seine Tasche mit persönlichen Sachen. Den Bettnachbarn konnte er nicht mehr fragen, er war ins Pflegeheim gekommen. Arzt und Schwestern hätten erklärt, dass sie nicht wüssten, wo die Tasche sei. „Aber ich musste doch aufstehen und laufen üben“, so Schröder.

Da er nur das Krankenhausnachthemd trug, bat er mehrfach darum, wenigstens eine Unterhose zu bekommen. Vergeblich. „Tagelang musste ich mit dem offenen Nachthemd und ohne Unterhose über den Krankenhausflur laufen. Dort, wo jede Menge Patienten und Besucher langkommen. Das war so peinlich“, schildert der Zinnowitzer. Er habe versucht, das Hemd mit einer Hand hinten zuzuhalten, aber das sei nicht immer gelungen. „Ich war ja noch total wackelig auf den Beinen.“

Erst als seine Frau Gilda, die ihn wegen eigener gesundheitlicher Probleme nicht oft in Greifswald besuchen konnte, am Telefon den Schwestern gegenüber energisch wurde, bekam er einen Krankenhausschlüpfer. Deshalb bat Jürgen Schröder Ende August, als seine Entlassung aus der Klinik anstand, dass ihm Kleidung von zu Hause geholt werde. „Doch noch während der Therapie kamen zwei Pfleger, um mich nach zu Hause zu fahren – in diesem scheußlichen Nachthemd“, sagt Jürgen Schröder aufgebracht. Auch den Pflegekräften sei das Ganze unangenehm gewesen. „Sie sagten, sie hätten noch nie jemanden fast nackt nach Hause bringen müssen“, erinnert sich Schröder.

Wenige Tage, nachdem er wieder zu Hause war, hätte sich die Tochter des älteren Herrn gemeldet, der mit ihm im Zimmer lag und ins Pflegeheim gekommen war. Der Mann war inzwischen verstorben. Bei der Durchsicht seiner Sachen seien die persönlichen Dinge von Jürgen Schröder aufgetaucht. „Da war klar, dass die Tasche meines Mannes irrtümlich mit ins Pflegeheim gegeben worden war“, sagt Gilda Schröder. Die Kleidung befindet sich wieder im Besitz des Zinnowitzers, nur die Tasche selbst bleibt verschwunden.

Nach seinen und den Worten seiner Frau habe auf der Allgemeinen Station die Kommunikation nicht geklappt. „Damit bringt sich das Klinikum selbst in die Bredouille, weil die gute medizinische Behandlung aus dem Blickwinkel gerät“, meinen die Schröders. Sie haben sich offiziell bei der Unimedizin beschwert.

Prof. Claus-Dieter Heidecke, Ärztlicher Vorstand Unimedizin Greifswald, sagt zu den Vorkommnissen: „Wir bedauern den Vorfall sehr, insbesondere weil eine anerkannt gute medizinische Behandlung dadurch unnötig in eine Schieflage gerät.“ Tatsächlich seien durch mehrmaliges Verlegen des Patienten persönliche Sachen abhandengekommen. „Das kann leider im Klinikalltag vorkommen. Allerdings steht außer Frage, dass wir für die besondere Situation von Herrn Schröder ohne eigene Kleidung eine bessere Lösung hätten finden müssen. Das wird sich nicht wiederholen“, versichert er. Die Unimedizin Greifswald hat sich beim Ehepaar Schröder in aller Form entschuldigt – die Zinnowitzer haben sie angenommen.

Jürgen Schröder muss sich in den nächsten Tagen im Klinikum Karlsburg erneut in medizinische Behandlung gegeben – und hofft, dass dort nichts abhanden kommt.

Cornelia Meerkatz

Bürger lehnen das Vorhaben ab und wollen in Warschau protestieren

14.09.2018

Lokal im Usedomer Hinterland bietet Schmackhaftes aus Nord- und Ostsee

14.09.2018

Debatte im Tourismusausschuss über Lautstärke bei Veranstaltungen / Kurdirektor: Dauerproblem in den Kaiserbädern

14.09.2018