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Usedom „Unser guter Ruf ist wiederhergestellt“
Vorpommern Usedom „Unser guter Ruf ist wiederhergestellt“
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00:05 22.07.2016
Stress in der Notaufnahme des Krankenhauses: Ihre Erneuerung im geplanten Dreigeschosser ist dringend nötig und steht bevor. Quelle: Archiv

Die Leitung des Kreiskrankenhauses Wolgast sieht sich in ihrem Sparkurs und der Neuausrichtung des Spektrums an medizinischen Leistungen bestätigt. Die stationären Fälle hätten im ersten Halbjahr 2016 um fünf Prozent zugenommen. Und das 2,1 Millionen Euro hohe Defizit aus dem Jahr 2014 sei im vergangenen Jahr auf knapp eine Million Euro reduziert worden. Das sagte Krankenhaus- Geschäftsführer Thorsten Wygold am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2015 in Wolgast. Den testierten Bericht hatten am Tag zuvor auch die Gesellschafter zustimmend entgegen genommen.

Zum September können wir durch die Einstellung von Fachkräften freie Stellen besetzen.“Elfi Thomas, Pflegedienstleiterin
Wir sind hoch motiviert, weil wir spüren, dass uns wieder Vertrauen entgegen gebracht wird.“Dr. Uwe Kesselring, leitender Chefarzt
Wir sind hoch motiviert, weil wir spüren, dass uns wieder Vertrauen entgegen gebracht wird.“Dr. Uwe Kesselring, leitender Chefarzt
Zum September können wir durch die Einstellung von Fachkräften freie Stellen besetzen.“Elfi Thomas, Pflegedienstleiterin

Ziel sei es indes, sich nicht auf diesen Zwischenerfolgen auszuruhen, sondern das Defizit „mit Hochdruck“ weiter abzubauen, um möglichst bald wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Wygold lobte ausdrücklich das große Engagement der Mitarbeiter der Klinik, die in den schwierigen Monaten nicht weggelaufen seien, sondern motiviert mit anpacken, um weiter voranzukommen. Auch der zwischenzeitlich ausgeschiedene Geschäftsführer Frank Acker habe dazu wirksam beigetragen.

Uwe Kesselring, leitender Chefarzt, sprach davon, Fehler korrigiert zu haben und nun eine deutlich verbesserte Kommunikation mit den niedergelassenen Ärzten der Region zu pflegen. Das spiegele sich auch in der höheren Zahl von Einweisungen ins Haus an der Chausseestraße wider. „Unser guter Ruf als medizinischer Versorger für Usedom, Wolgast und das Umland ist wiederhergestellt“, sagte er mit sichtlicher Erleichterung. Auch seien zwischen der Unimedizin Greifswald und der Wolgaster Klinik „neue Brücken gebaut“ worden, die Kooperation erfolge inzwischen „auf Augenhöhe“.

Im Kreiskrankenhaus Wolgast mit 375 Mitarbeitern wurden im vergangenen Jahr 8000 Patienten stationär und 12 000 Menschen ambulant behandelt.

Eine Bürgerinitiative hatte fast 20000 Unterschriften gesammelt, um die Schließung von Kinderstation, Geburtshilfe und Gynäkologie rückgängig zu machen. Eine entsprechende Volksinitiative war jedoch Anfang Juni im Landtag mit der SPD/CDU-Mehrheit abgelehnt worden. Die Stationen waren vor dem Hintergrund des demografischen Wandels aus Kostengründen geschlossen worden. Das Krankenhaus Wolgast ist ein Tochterunternehmen der Universitätsmedizin Greifswald. Der Landkreis ist Minderheitsgesellschafter.

Mit neuen Angeboten, wie der onkologischen und einer palliativmedizinischen Versorgung, stellt sich das Krankenhaus auf die älter werdende Bevölkerung ein. Das altersmedizinische Zentrum ist laut Wygold von 20 auf 32 Betten erweitert worden. Im September werde zudem eine altersmedizinische Tagesklinik mit 15 Betten eröffnet. Die Intensivstation soll um vier auf 14 Betten aufgestockt werden.

Die Kassenärztliche Vereinigung wird nach Angaben Wygolds in den Räumlichkeiten der Klinik voraussichtlich zum 1. Oktober eine hausärztliche Anlaufpraxis einrichten.

Für das kommende Jahr ist zudem ein dreigeschossiger Krankenhausanbau für die neue Notaufnahme mit einer zentralen Aufnahmestation und weiteren Abteilungen geplant. Das Sozialministerium fördert den Neubau mit 12 Millionen Euro. Wygold: „Die Entscheidung über die Förderung steht unmittelbar bevor. Und wir sind optimistisch, weil die Landesregierung unser Konzept stark unterstützt.“

Auch der Personalmangel in der Pflege kann vermutlich bis September, wenn neun neue Mitarbeiter eingestellt werden, weitgehend behoben werden, kündigte Elfi Thomas, Pflegedienstleiterin, an. Im ärztlichen Bereich sind laut Kesselring bis auf zwei Assistenzarztstellen alle Posten besetzt. Dies sei eine „völlig normale Fluktuation“.

Er sei bereits dabei, mit Kollegen am Aufbau eines Zentrums „Chronische Wunde“ zu arbeiten. So etwas gebe es weit und breit nicht, könnte aber zu einem wirksamen Alleinstellungsmerkmal der Wolgaster Klinik werden.

Tote Babys: „Nur ein Gerücht“

Bei den seit Wochen auf privaten Facebookseiten verbreiteten Einträgen über angeblich mehrere tote Babys, die im Zusammenhang mit der Schließung von Stationen im Krankenhaus Wolgast stehen sollen, handelt es sich laut Geschäftsführer Wygold um eine „absolute Erfindung“. Man kenne den Verursacher dieser schlimmen Gerüchte und gehe gegen diesen nun juristisch vor. Gründliche Recherchen hätten ergeben, dass es keinen einzigen Todesfall gegeben habe, der durch zu späte Behandlung oder zu lange Transportwege verursacht worden sei. Wygold: „Es gibt keinerlei Hinweise auf irgendeine Mangelversorgung.“

Nach Protesten: Wygold gibt sich weiter gesprächsbereit

Auf die OZ-Frage nach dem aktuellen Verhältnis zwischen Klinik-Leitung und Bürgerinitiative sagte Geschäftsführer Wygold, dass das Ziel der Initiative ehrenhaft sei, Veränderungen in der Region aber zwangsläufig. Erst recht in der Krankenhauslandschaft. Er erwäge ein Angebot an die BI-Vorsitzende Anke Kieser (CDU), gemeinsam einen Verein zu gründen. In dem könnten engagierte Bürger vieles zum Wohle des Kreiskrankenhauses bewegen.

„Ich bin gesprächsbereit und daran interessiert, dass aus Gegnern gemeinsam Handelnde werden. Das könnte unserem Haus noch von großem Nutzen sein.“ Allerdings akzeptiere er die anhaltend polemischen und populistischen Äußerungen einiger BI-Mitglieder im Internet nicht. Vor einer Zusammenarbeit müsse es einen gewissen „Kehraus“ geben.

Unmittelbar bevor stünde indes ein informatives Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden des Kreistages und der Stadtvertretung Wolgast. Dies werde auch von Landrätin Syrbe und Bürgermeister Weigler mitgetragen. St. Adler

Martina Rathke und Steffen Adler

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