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Usedom Unternehmen investiert in die eigene Belegschaft
Vorpommern Usedom Unternehmen investiert in die eigene Belegschaft
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00:00 14.02.2017

Ausreichend gute Fachkräfte zu gewinnen, wird für immer mehr Firmen aller Branchen zum Problem. Deshalb geht das Greifswalder Unternehmen manufacturing logistics and services GmbH (ml&s) jetzt in die Offensive: 22 Beschäftigte ohne beziehungsweise mit artfremder Berufsausbildung nutzen ab kommender Woche die Chance, innerhalb von vier Jahren jobbegleitend den anerkannten Berufsabschluss des Industrieelektrikers zu erwerben.

Dieses Projekt sei in MV in dieser Größenordnung einzigartig, versichert Torsten Haasch, IHK- Hauptgeschäftsführer für das östliche Mecklenburg-Vorpommern. Laut jüngster Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer „wurde der Fachkräftemangel von den befragten Firmen als eines der Top-Risiken genannt. Deshalb sind wir froh, dass wir mit ml&s einen Partner gefunden haben, der in die eigene Belegschaft investiert“, so Haasch.

Etwa 500 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen derzeit, informiert ml&s-Geschäftsführer Udo Possin. „Wir haben zwar auch immer etwas über 30 Auszubildende, die den Beruf des Industrielektronikers erlernen. Trotzdem können wir damit den Personalschwund nicht auffangen“, sagt er. Der demografische Wandel erfordere neue Herangehensweisen. Die eigenen Mitarbeiter zu qualifizieren, betrachte die Unternehmensführung daher als gute Investition in die Zukunft.

Die Berufsausbildung erfolgt in Teilschritten: Die fünf Module, die sich jeweils über drei Monate erstrecken, enden mit Kompetenzprüfungen vor der IHK. Die Theorieabschnitte absolvieren die Teilnehmer im BiG-Bildungszentrum in Greifswald. Über diese Kooperation mit ml&s freut sich dessen Geschäftsführerin Dorit Wehling sehr: „In der Regel sind unsere Teilnehmer in Vollzeitmaßnahmen integriert. Dieses berufsbegleitende Projekt ist ein Sonderfall und sehr zukunftsweisend“, sagt sie.

Nach der Theorie geht’s ans Praktische. Geschäftsführer Udo Possin: „Bei uns steht dann jeweils einen Monat lang ,learning by doing’ auf dem Plan. Die Teilnehmer werden mit höherwertigen Tätigkeiten vertraut gemacht – und das bei kompletter Lohnfortzahlung“, verdeutlicht er das Modell. Zwischen den einzelnen Modulen gebe es dann ganz normale Arbeitswochen für die Beschäftigten.

Thomas Hornke, einer der 22 Qualifizierungsteilnehmer, freut sich auf die Ausbildung. „Ich hoffe, damit meinen Arbeitsplatz zu sichern. Und ich denke, dass der Berufsabschluss künftig auch mehr Abwechslung in den Alltag bringen wird“, sagt der 38-Jährige. Er ist gelernter Maler und Lackierer. Die Zeit auf Montage sei aber nicht das gewesen, was er sich erträumt habe. Deshalb bewarb er sich 2004 spontan bei ml&s und hat es nicht bereut: „Ich fühle mich in der Firma wohl“, sagt der Greifswalder. Auch Steffen Eickfeldt stellt sich der Herausforderung, einen zweiten Berufabschluss zu erwerben: „Ich bin gelernter Bürokaufmann. Doch schon während der Ausbildung merkte ich, dass es nicht wirklich meins ist“, erzählt der 31-jährige Greifswalder. Also wechselte er vor fast zehn Jahren zum Elektronikdienstleister ml&s. Die Arbeit bereite Spaß. „Allerdings merke ich immer wieder, dass mir Grundkenntnisse fehlen, deshalb will ich jetzt meinen Industrieelektriker machen“, berichtet Eickfeldt.

Heiko Miraß, Chef der Greifswalder Arbeitsagentur, die das Qualifikationsprojekt finanziell fördert, lobt dieses Engagement. „Bei den 22 Teilnehmern handelt sich um Leute, die bislang unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Die Berufsausbildung stärkt ihre Motivation und sorgt für eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen“, betont Miraß. Bildung sei grundsätzlich „die beste Versicherung gegenüber Arbeitslosigkeit“. Zudem erhöhe jeder Arbeitnehmer damit die Chancen, sein Einkommensniveau anzuheben.

Geschäftsführer Udo Possin bestätigt das. Nach erfolgreicher Prüfung würden die Mitarbeiter mehr Geld im Portemonnaie haben. Somit handele es sich bei der „berufsanschlussfähigen Teilqualifikation“, wie die Ausbildung korrekt heißt, um einen Gewinn für beide Seiten: „Die Mitarbeiter haben etwas davon und wir haben eine Fachkräftemannschaft, mit der wir unsere immer komplexer werdenden Projekte stemmen können.“

Petra Hase

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