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Usedom Unternehmer kämpfen für Peene-Werft
Vorpommern Usedom Unternehmer kämpfen für Peene-Werft
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15:47 22.11.2018
Die Unternehmer Michael Esser, Ingo Lupp, Gerold Jürgens, Matthias Zander, Frank Dannenberg, Jens Feißel und Peter Gebser (v.l.) diskutierten mit Landrat Michael Sack (vorn Mitte) und Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (hinten rechts) zur Situation der Peene-Werft. Quelle: Cornelia Meerkatz
Wolgast

„Einer der größten Arbeitgeber der Stadt ist in Schwierigkeiten und die Politik schaut tatenlos zu. Aber die sitzen ja warm und trocken in Berlin. Es sollten sich jene Politiker, die den Exportstopp beschlossen haben, auf den Wolgaster Rathausplatz stellen und die Fragen der Menschen dieser Stadt beantworten“, fordert der Wolgaster Unternehmer Andreas Rothbart. Er habe das Gefühl, dass die Politik erst munter wird, wenn alle Arbeitskräfte von der Werft weggegangen sind. Dann machten aber auch Nachfolgeaufträge keinen Sinn mehr, denn im Spezialschiffbau könne man eben nicht jeden von der Straße nehmen. „Ich habe selbst eine Metallbaufirma. Aluminiumbau, der bei Patrouillenbooten und Marineschiffen zum Einsatz kommt, ist eine hohe Kunst, für den es jahrelange Erfahrung braucht“, erklärte der Unternehmer.

Unternehmer wütend auf Untätigkeit der Politik

Andreas Rothbart hat beim Unternehmerstammtisch am Mittwochabend im Autohaus Esser seiner Wut und seinem Unverständnis gegenüber der Politik richtig Luft gemacht. Grund dafür war die Aussage des Wolgaster Bürgermeisters Stefan Weigler (parteilos), dass es auf den eine Woche zuvor verabschiedeten Brandbriefs nicht die gewünschte Reaktion gab. „Ich respektiere die Entscheidung der Bundesregierung zum Exportstopp. Aber dann muss man sich auch mit den Konsequenzen beschäftigen. Wir haben den Brief an 1000 Adressaten in der Bundes- und Landespolitik geschickt. Die erste Partei, die sich meldete, war die AfD“, berichtet der Bürgermeister. Weigler hat mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Enrico Komning nun ein Treffen vereinbart. Ein weiteres Treffen wird es mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor geben. Die Linken haben auch geantwortet. Keinerlei Reaktion kam von den anderen Parteien in Berlin und Schwerin. „Seine Unterstützung hat inzwischen noch SPD-Staatssekretär Patrick Dahlemann aus Schwerin zugesichert“, ergänzt Weigler.

Massive Steuerausfälle drohen

Das Wolgaster Stadtoberhaupt machte deutlich, dass nicht nur die 300 Peenewerker vom Exportstopp betroffen sind, sondern durch Zulieferer und Subunternehmer aus der Region wenigstens 1500 Menschen und deren Familien. „Und wir haben ein weiteres großes Problem: Ohne Werft und die damit verbundenen Steuereinnahmen fehlen uns im kommenden Jahr 5,6 Millionen Euro. Das ist ein Viertel unseres gesamten städtischen Haushalts für 2019, den wir nun aus diesen unwägbaren Gründen erst im Januar verabschieden wollen“, begründet Weigler. Und in Richtung des anwesenden Landrats Michael Sack (CDU) sagte er: „Wolgast ist nach Greifswald der zweitgrößte Einzahler bei der Kreisumlage. Ich warne, dass im nächsten Jahr größere Summen ausbleiben könnten, wenn es nicht gelingt, schnell andere Arbeit für die Peenewerker zu finden.“ Dennoch wollte Weigler nicht als Schwarzmaler gelten: „Es gibt auch erste hoffnungsvolle Zeichen, dass es für die noch zu fertigenden Boote neue Verwendungszwecke beim Schutz der europäischen Außengrenze geben könnte.“

Die beim Stammtisch anwesenden Unternehmer lobten den Bürgermeister für seine klaren Worte. „Er sagt, wie die Situation wirklich ist. Zugleich sucht er jede Gelegenheit, um die Werft ins Spiel zu bringen“, resümierte Gerold Jürgens, Präsident des Unternehmerverbandes. Die Firmenchefs folgten einem Vorschlag Reinhard Plückhahns, sich gegenüber der Politik für Wolgast und die Peene-Werft zu positionieren.

Zuspruch aus ganz Deutschland für klare Worte

Sie sind damit nicht allein. Nachdem am Mittwoch und gestern die ARD-Tagesschau, RTL aktuell, Deutschlandfunk und Deutsche Welle über die Situation in der vorpommerschen Kleinstadt mit ihren 13 200 Einwohnern berichtet hat, trudeln unzählige E-Mails in Wolgast ein, die den Rathauschef für seine deutlichen Worte loben und Unterstützung zusagen. So ist in den Mails zu lesen: Sehr geehrter Herr Bürgermeister Weigler, habe Sie in den Tagesthemen gesehen und auch auf SpiegelPlus gab’s ein dickes Kompliment für Sie. Ich hoffe, die Landesregierung kapiert, was auf dem Spiel steht!! .... Ich möchte mich für die angenehm wohltuende, unaufgeregte Art bedanken, in der Sie heute Morgen über die aktuelle Entwicklung in der Frage „Rüstungsexport-Stopp“ gesprochen haben, obwohl Ihre Kommune sehr direkt betroffen ist ... Ganz besonders schwierig ist das Thema „ Arbeitsplätze in der Rüstungsexportindustrie“. Für Ihre verantwortungsvolle Aufgabe wünsche ich Ihnen jedenfalls aus dem fernen Berlin alles Gute und viel Erfolg. Ich hoffe sehr, dass der Werftstandort in Ihrer schönen Stadt erhalten bleibt! ... Die Suche nach Ihrer E-Mail-Adresse ließ mich den „Brandbrief“ zur Werften-Situation lesen. Und mein Eindruck aus dem D-Funk-Interview, zu dem ich Ihnen als Binnenland-Bayer sehr gratulieren möchte, täuschte nicht: Auf klare und nachvollziehbare Weise wird die Situation Ihrer Kommune deutlich und man nimmt Anteil. Herzlichen Dank für die Sachlichkeit, Ausgewogenheit und gleichzeitig Deutlichkeit.

Cornelia Meerkatz

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