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Usedom „Urlauber suchen Ruhe und intakte Natur“
Vorpommern Usedom „Urlauber suchen Ruhe und intakte Natur“
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02:22 29.11.2017
Der Autor Arnulf Parow betreibt in Koserow ein familiengeführtes Hotel. Er wertschätzt die Natur und plädiert für ihren stärkeren Schutz auf der Urlauberinsel. Quelle: Foto: Henrik Nitzsche
Koserow

Es ist eine Binsenweisheit: Mehr Straßen erzeugen noch mehr Verkehr. Wir müssen mit dem haushalten, was uns die Insel vernünftigerweise erlaubt und bietet.

Zur Person

Arnulf Parow betreibt in Koserow ein familiengeführtes Hotel. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auf dem heutigen Waldschlossgelände ein Sanatorium errichtet. Nach Parows Angaben wurde seit Wende kein einziges Bett hinzugefügt. Parow mag Insekten und Tiere.

Öffne ich eine Schleuse unreguliert, wird das anschließende Land überflutet. So ist es auch mit der unbegrenzten Anzahl der Betten – die Insel kollabiert zwangsweise.

Wieviel Grünflächen wollen wir noch durch Bebauung, Straßen und Versiegelung endgültig vernichten? Was wünscht und sucht die überwiegende Anzahl unserer Urlauber? In erster Linie Ruhe und Erholung in einer intakten Natur. Die Sonne können wir nicht garantieren, aber das „Wohlfühlen“ unserer Gäste und Einwohner gleichermaßen auf einer sympathischen von freundlichen Gastgebern bewohnten Insel liegt in unserer Hand und sollten wir anstreben.

In der das Bemühen um den Gast im Mittelpunkt steht und nicht der Profit an dem Gast. Wo bleibt bei der in den Sommermonaten überfüllten Insel die persönliche Betreuung der Gäste? Man fühlt sich massenhaften Allerwelts-Imbissbuden, Lärm, Stau und genervten Bettenanbietern ausgeliefert. Und wem das nicht passt, der kann ja gehen, wir sind sowieso ausgebucht!

Es ist bezeichnend, wenn es am Ende jeder Saison heißt: „Gott sei Dank , die Gäste sind wieder abgereist.“ Hier stimmt etwas mit der Gastgebermentalität nicht!

Schon Schriftsteller Hans-Werner Richter hat in seinen „Betrachtungen über die pommerschen Küstenbewohner und ihre Badegäste“ deren Mentalität treffend beschrieben, indem er das Ausnehmen der Gäste durch die Eingeborenen beschreibt. Damals hielt sich dieses Ausnehmen noch in Grenzen, heute dagegen grenzt es schon an ein skrupelloses „Abzocken“, nach dem Motto „man nehme soviel, wie die Gesetze zulassen“.

Freundliches deutsches Personal mit guten Ortskenntnissen ist eine Rarität. Infolge einer industriemäßig betriebenen Tourismuswirtschaft bleibt zwangsläufig der Kontakt zwischen Gast und Gastgeber auf der Strecke. Der Urlauber hat Zeit und möchte auch einmal ein Gespräch mit seinem Gastgeber oder dem Service führen. Ein Gast hat ein besonderes Gespür dafür, ob er nur eine „Nummer“ ist oder gern gesehen wird. Wenn ihm dann noch von seinem Auto der Radgepäckträger samt teuren Rädern gestohlen wurde, ist eine gute persönliche Betreuung besonders wichtig. Andernfalls sieht man den Gast nie wieder.

Als wir nach der Wende unser väterliches Erbe, das Sanatorium „Dr.Parow“, zurück erhielten,sprach alles aus gutem Grund vom „sanften Tourismus“ und der Vermeidung der Fehler bezüglich der schädlichen Verbauung und Massenvermarktung der westlichen Ostseeküste. Davon ist schon seit Langem keine Rede mehr.

Wir haben uns an den damaligen Willen der Gemeinde gehalten und seitdem kein einziges Bett hinzugefügt, obwohl wir im Sommer immer ausgebucht sind. Heute liegt die durchschnittliche Grundstücksauslastung in den meisten Gemeinden bei 60 Prozent der Fläche. Wir haben unser Grundstück noch nicht einmal zu 30 Prozent ausgenutzt. Die Gäste genießen diesen Freiraum.

Ein Vorschlag wäre, zwei- bis dreigeschossig zu bauen, wenn in Einzelfällen eine Bettenkapazität für Privatvermieter aus wirtschaftlichen Gründen erweitert werden soll, dafür aber das umgebende Grünland zu schützen und zu erhalten.

Es ist erschreckend, wie viele Gärten heute trostlos aussehen: Verbundsteine, eventuell noch Rasengittersteine als Alibifunktion, sonst lebloser platter Rasen und immergrüne Friedhofspflanzen. Kaum Blumen, keine Obstbäume und Gemüse schon gar nicht. Kein Raum für Igel, Singvögel, Schmetterlinge, Bienen und selbst die Regenwürmer verhungern dort.

Welche Straßen laden in Koserow zum Promenieren ein? Die Bürgersteige viel zu eng, die meisten Vorgärten langweilig und mit Kraftfahrzeugen zugestellt, und das, obwohl auf der Straße dafür ausreichend Platz vorhanden wäre. Eine Fehlentscheidung aus den Anfangsjahren kurz nach der Wende. Kraftfahrzeuge auf der Straße erzeugen eine kostenlose Verkehrsberuhigung und das trägt wiederum zum Wohlfühlen bei – hat sich leider aber noch nicht herumgesprochen. Jede Gemeinde muss das Rad erst wieder selbst neu erfinden! Zu hinterfragen wäre auch, wer die permanente unselige Bespaßung der Gäste bestimmt. Sicher gibt es einige traditionelle Volksfeste, aber die ständigen mit unerträglichem Lärm versehenen „Krawallveranstaltungen“ vertreiben mehr erholungssuchende Gäste als sie damit einwerben!

Über eine Saisonverlängerung wird schon seit über 20 Jahren diskutiert. Mangels Sonne ein schwieriges Unterfangen. Mit Wellness hat man einiges erreicht, aber es ist nicht jeder Frau oder Manns Sache und wo sollen all die nötigen Gäste dafür herkommen? Für Vier-Sterne-Hotels mag es funktionieren, aber auch diese haben außerhalb der Saison Leerstand und ziehen sich, wenn der Trend weiter anhält, gegenseitig die wenigen Gäste ab. Nicht zu vergessen ist die Konkurrenz aus Swinemünde, die ohne Rücksicht auf Natur und Umwelt einen Hotelklotz neben den anderen hochzieht.

Wir benötigen keine weiteren Investoren für Bettenburgen und gigantische Bespaßungsanlagen, zum Teil auch noch mit öffentlichen Steuergeldern und dem Versprechen gefördert, Arbeitsplätze zu schaffen.

Arbeitsplätze haben wir genug. Was fehlt, sind die entsprechenden Arbeitskräfte.

OZ

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