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Usedom Usedomer Fischer bald vor dem Aus?
Vorpommern Usedom Usedomer Fischer bald vor dem Aus?
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00:14 15.06.2018
Ahlbeck

„Uns steht das Wasser bis Oberkante Unterlippe. Wenn unser Berufsstand weiter so diskreditiert wird, gibt es in zwei, drei Jahren keinen Fischer mehr auf Usedom“, sagt Uwe Krüger. Grund dafür seien die ständig sinkenden Fangquoten für Hering und andere Fischarten.

Heringsdorfs Kurdirektor befürchtet Verlust eines Stücks Insel-Identität

Beruf ist nicht mehr gefragt

17 Fischer sind es noch auf der gesamten Insel Usedom, 200 in ganz Mecklenburg-Vorpommern – Tendenz weiter rücklaufig wegen der Reglementierung der Fangquoten für Hering, Dorsch und Zander. Vor 30 Jahren gab es noch 200 Fischer allein auf der Insel Usedom.

„Im kommenden Jahr soll die Heringsquote wieder verringert werden, eventuell sogar auf die Hälfte“, macht Krüger deutlich. Hering ist aber der Brotfisch der Fischer, damit verdienen sie ihr Geld.

„Wir Fischer werden von den Umweltverbänden und der Politik immer als die Bösen hingestellt, die alles überfischen und denen man deshalb die Quote senken muss. Nach den wahren Ursachen für den weniger werdenden Hering fragt niemand“, beklagt er. Deshalb wollen die Usedomer Fischer beim morgigen Landesfischereitag ordentlich Dampf ablassen, „denn das, was man mit uns macht, kommt einem Berufsverbot gleich. Das gibt es in keinem anderen Berufszweig, zumal wir keine Förderung aus Brüssel bekommen“, so Krüger.

Als Ursachen für den zurückgegangenen Heringsbestand im Greifswalder Bodden und vor der Außenküste Usedoms nennt er vor allem Ausbaggerungen für die Ostseepipeline und für Hafeneinfahrten. „Hunderte Tonnen Sand werden direkt vor Zinnowitz verklappt. Dadurch werden die Steine, auf denen die Heringe den Rogen ablegen, zugeschüttet. Zugleich lagern sich die durch die Baggerung aufgewühlten Schwebstoffe direkt auf dem Rogen ab. Da kann sich kein Heringsnachwuchs entwickeln“, weiß Krüger. Von den ausgewiesenen Windparkgebieten in der Ostsee, die für Fischerei und Schifffahrt tabu sind, und den zunehmenden Kormoran- und Robbenbeständen will er gar nicht erst reden.

Karsten Höpfner, selbstständiger Fischer aus Garz, nickt zustimmend. „Ein Herr Backhaus oder eine Frau Schwesig wissen nicht wie es ist, wenn man seine Kredite, die man für den Beruf aufgenommen hat, nicht mehr bezahlen kann“, sagt er. Sein Blick wandert zum Horizont auf der Ostsee. „Wenn das so weitergeht, steht mir bald der Gang zum Hartz-IV-Amt bevor. Ich kann meine Familie nicht mehr ernähren“, fügt der 38-Jährige an. „Die Quote gibt es immer pro Schiff, nicht pro Fischer. Wie viel und ob wir fangen dürfen, erfahren wir immer erst im November. Zu diesem Zeitpunkt müssen wir aber schon kräftig investiert haben in Netze und Fanggeschirr“, erläutert er. Da seien schnell 10000 Euro als Kosten aufgelaufen. Höpfner fischt seit 16 Jahren. „Die Unterhaltung eines Schiffes ist teuer“, sagt er: Neue Anstriche, die Abnahme durch die Seeberufsgenossenschaft und Krängungstest kosteten Tausende Euro. Wenn aber die Fangquote immer geringer werde und die Erlöse weiter zurückgingen, bleibe nichts mehr für Investitionen oder die Rückzahlung von Krediten.

Der 59-jährige Uwe Krüger ist mit der Fischerei groß geworden. „Warum lassen wir jetzt zugrunde gehen, was Generationen vor uns aufgebaut haben? In zwei, drei Jahren ist die Versorgung der Bevölkerung mit Frischfisch abgeschafft. Dann sollen die Menschen Zuchtfisch essen, der mit Medikamenten vollgestopft ist. Das ist doch nicht normal“, meint der Fischer kopfschüttelnd. Rückendeckung erhalten die Fischer von Heringsdorfs Kurdirektor Thomas Heilmann. „Wenn die Fischer hier verschwinden, verliert die Insel ein Stück Identität und uralte Tradition. Gerade deswegen kommen viele Urlauber hierher. Dieser Berufsstand darf nicht untergehen“, fordert er.

Cornelia Meerkatz

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