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Usedom Usedomer Literaturtage: Attraktiv und robust
Vorpommern Usedom Usedomer Literaturtage: Attraktiv und robust
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01:03 19.04.2018

„Er ist ein wahrer Weltbürger, dem wir heute den Usedomer Literaturpreis verleihen.“ Der Historiker und Autor Dr. Andreas Kossert, Mitglied der Jury, die vom Literaturkritiker und Publizisten Denis Scheck geleitet wird und der Dr. Manfred Osten angehört, spielte damit darauf an, dass der Schriftsteller Ilja Trojanow, dem der Preis 2018 zuerkannt worden ist, nach Aufenthalten in London und Wien nun auf die Insel Usedom gekommen ist und vor einer weiteren Reise nach Zürich steht. Auch ein Indiz dafür, dass sich die Usedomer Literaturtage längst zu einer festen Größe im Kulturleben über MV hinaus entwickelt haben und sich als viel robuster und anziehungskräftiger erwiesen hätten, als von den Initiatoren vor zehn Jahren gehofft.

Preisträger 2018: Ilja Trojanow („Auf der Flucht“) wurde während der Lesung vom Publikum mit reichlich Beifall bedacht. Quelle: Fotos: Geert Maciejewski

In Trojanow – in Bulgarien geboren, von dort mit den Eltern nach Italien geflüchtet, zeitweilig in Deutschland, in Ostafrika und in Indien zu Hause – würdigte die Jury einen Autoren, der sich in seinen Werken wie in seinem gesamten Auftreten ohne Einschränkungen und allen Anfeindungen zum Trotz den Menschenrechten und dem bedingungslosen Eintreten für die Demokratie verpflichtet zeigt. Mit ihm wird laut Kossert zugleich ein Autor geehrt, der dem Anliegen der Usedomer Literaturtage in hohem Maße gerecht werde, die Verbindungen zu unseren östlichen Nachbarn zu pflegen.

Mehrfach gab es Beifall auf offener Szene, als Trojanow Ausschnitte aus einigen seiner Werke vortrug, vor allem aus dem für die Preisverleihung besonders ausschlaggebenden Buch „Nach der Flucht“. Das Zitat „Die Flucht stülpt sich über das Leben und gibt es nie wieder frei“ war zudem Anlass zum Nachdenken über Entwicklungen der Gegenwart, denen sich Trojanow immer wieder stellt. Der ihm verliehene Usedomer Literaturpreis besteht aus einer künstlerisch gestalteten Skulptur, einem Geldpreis in Höhe von 5000 Euro sowie einem vierwöchigen Arbeitsaufenthalt im Hotel „Ahlbecker Hof“.

Die Literaturtage gingen am Samstagabend im Kaiserbädersaal mit einem weiteren Höhepunkt zu Ende. Die Trägerin des Literaturnobelpreises, die in Weißrussland lebende Swetlana Alexijewitsch, las aus ihrem hoch gelobten Buch „Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus“. Damit blickte die Usedomer Veranstaltungsreihe erstmals noch weiter gen Osten. Alexijewitsch’ Werk ist eine Auswahl von Interviews, die sie mit Frauen, die in der Roten Armee gekämpft haben, mit Soldaten, mit Gulag-Häftlingen und Stalinisten führte. Daraus entstand ein beeindruckendes Panorama unterschiedlicher Stimmen. Von den Regierungen Russlands und Weißrusslands weitgehend ignoriert, lebt die 2015 mit dem Literatur-Nobelpreis Geehrte in Weißrussland. Warum sie in ihrer Heimat bleibt? „Die Regierung hat ein schlechtes Verhältnis zu mir. Die Menschen, ihre Herzlichkeit halten mich aber. Ich mache mich nicht zum Opfer. Es gibt viele, denen es schlechter geht.“

Dieter Butenschön und Steffen Adler

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