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Usedomer Milchbauern: So ein Tal hält man nicht ewig durch

Usedom Usedomer Milchbauern: So ein Tal hält man nicht ewig durch

Der Familienbetrieb Heidmann reduziert Milchproduktion, um Finanzhilfen zu erhalten

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Alfred Heidmann (rechts im Bild) mit Tochter Beate und seinen Söhnen Heiko und Frank. Sie haben nach der Wende als Familie eine GbR gegründet.

Quelle: Ingrid Nadler

Usedom. „Wenn die Butter im Laden nur noch 70 Cent kostet, ist abzusehen, dass der Preis, den wir als Erzeuger für unsere Milch bekommen, automatisch sinken wird“, sagt Beate Heidmann. In der Zwischenzeit sei die Butter zwar wieder etwas teurer, aber bis sich das bei den Bauern im Portemonnaie niederschlägt, dauere es. Die 40- Jährige führt die Buchhaltung des Heidmannschen Familienbetriebes „Im tiefen Lande“, zu dem neben dem Familienoberhaupt Alfred Heidmann (72) die Söhne Heiko (45), Frank (44) und Beate als einzige Tochter gehören.

Kostendeckend wären 35 Cent pro Liter Milch.“Beate Heidmann,

Buchhaltung

Zusammen haben sie nach der Wende eine GbR gegründet und 1991 inmitten ihres zurückbekommenen Landes einen Rinderstall gebaut und sechs Jahre später auch die Wohnhäuser dazu. Die Familie bewirtschaftet gemeinsam 150 Hektar Grünland und 180 Hektar Ackerland, auf dem sie Getreide, Raps und Mais anbaut. Auf den Weiden ringsum stehen 170 Milchkühe und 150 Jungtiere, für die die Männer in den vergangenen Wochen Futter bunkern. Als nächstes muss der Mais gehäckselt und siliert werden.

Gut, dass Heidmanns Ältester noch zu DDR-Zeiten eine Ausbildung zum Landmaschinen- und Traktorenschlosser absolvieren konnte. Sein Bruder Frank ist ausgebildeter Landwirt und Beate hat Betriebswirtschaft studiert. So funktioniert das Unternehmen mit Unterstützung zweier Melker weitgehend autonom. Nur zum Dreschen und für den Pflanzenschutz bedienen sich die Heidmanns externer Dienstleister.

„Wir sind als Kinder mit der Landwirtschaft aufgewachsen. Wir mussten mit aufs Feld, haben Rüben verzogen und Heu geerntet“, erzählt Beate. So ist das in dieser Usedomer Familie seit Generationen.

„Schon mein Vater war Bauer und auch mein Großvater. Der hat nebenbei noch gefischt, um die Familie ernähren zu können“, erzählt Alfred Heidmann, der froh ist, seine drei bodenständigen Kinder um sich zu wissen. „Das habe ich doch gut hingekriegt!“, meint er verschmitzt. Auch Franks zwölfjährige Tochter Jana und Beates kleiner Sohn Marian wachsen mit dieser Tradition auf. „Die Zeiten sind immer mal gut und mal weniger gut gewesen“, resümiert der Bauer.

Der Milchpreis ist eines der am meisten diskutierten Themen am Familientisch. Seit dem Wegfall der Milchquote vor wenigen Jahren gibt es keine Mengenregulierung mehr. Jeder konnte plötzlich soviel produzieren wie er wollte. Das hatte einen Preisverfall zur Folge, der schon so manchen Klein- und Mittelbetrieb zum Aufgeben gezwungen hat. Der Milchpreis lag im August bei 20 Cent pro Liter, im September ist er um gerade einmal drei Cent angestiegen. Wie es im Oktober aussehen wird, wissen die Bauern noch nicht. „Kostendeckend wären 35 Cent“, rechnet Beate Heidmann vor. „Wir haben mittlerweile unsere Reserven aufgebraucht. Die Kosten sind ja die gleichen geblieben. So ein Tal hält man nicht ewig durch.“ Frank Heidmann will nicht glauben, dass der niedrige Preis allein mit einem Überangebot an Milch zusammen hängt: „Das kann gar nicht sein. Es haben doch schon so viele Höfe aufgegeben!“

Die Milch wird an die Molkerei Dargun geliefert. Es ist die einzige weit und breit – und weil es keine Konkurrenz gibt, sind die Erzeuger dem Preisdiktat des zu einem Konzern gehörenden Verarbeitungsbetriebes ausgeliefert. Beate Heidmann: „Ich würde mir wünschen, dass die Molkerei mit dem Einzelhandel besser verhandelt. Und nicht nur für die Verbraucher, sondern auch für die Erzeuger! Ich glaube, dass viele Kunden inzwischen durchaus bereit wären, mehr Geld für gute Lebensmittel zu bezahlen.“

Das Landwirtschaftsministerium hat angekündigt, für jeden nicht produzierten Liter Milch 14 Cent zu bezahlen. „Ich habe für die letzten drei Monate des Jahres eine Reduktion der Milchmenge um 50

000 Liter beantragt“, sagt die Buchhalterin der Familie. „Das Programm läuft noch bis März. Eine große Unterstützung ist das nicht, aber man muss ja jeden Euro mitnehmen.“

Ingrid Nadler

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