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Usedom Usedomer fühlen sich vom Land brüskiert
Vorpommern Usedom Usedomer fühlen sich vom Land brüskiert
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04:35 21.03.2013

Die Usedomer Stadtvertreter sind sauer. Weil ihnen das Schweriner Bildungsministerium die Förderung des Plattdeutsch-Unterrichts an der Grundschule versagt hat — mit dem Hinweis auf das Bundesvertriebenengesetz. Bürgermeister Jochen Storrer versteht die Welt nicht mehr: „Uns als alteingesessene Usedomer, unsere Kinder und Enkel nach dem Bundesvertriebenengesetz zu behandeln, ist absurd. Ich war immer der Meinung, dass wir nach dem Einigungsvertrag gleichwertig zu behandeln sind.“

Dabei habe alles im Herbst so hoffnungsvoll begonnen. Da erklärte sich bei einem Sponsorentreffen in der Usedomer Grundschule ein Unternehmer spontan zu einer zweckgebundenen Spende bereit und tat mit Sabine Schmidt flugs eine pensionierte Lehrerin auf, die interessierte Kinder in Plattdeutsch unterrichten wollte. 45 Mädchen und Jungen aus den Klassen eins bis vier meldeten sich prompt an.

„Ich bin erstaunt, dass fast alle Kinder bis heute dabei sind. Zum Anfang dachte ich: Wenn die Hälfte bleibt, wäre das schon gut“, sagt Schmidt. Schulleiterin Kerstin Witt ist froh: „Wir haben viele Jahre um diesen Unterricht gekämpft. Jetzt hat‘s geklappt. Die Kinder sind begeistert, Eltern und Großeltern freuen sich.“

Weil das Geld aber nur bis zu den Winterferien reichen würde, wandte sich Bürgermeister Storrer im Dezember an das Bildungsministerium und bat um finanzielle Hilfe für das zweite Schulhalbjahr.

Doch die Schweriner antworteten in einem Brief, dass die Unterrichtung in Usedom auf Dauer angelegt und damit nicht förderfähig sei. Unterstützt werden könnten lediglich Projekte. Und diese auch nur, wenn sie noch nicht begonnen worden seien. In dem Schreiben folgte dann der Satz, der Storrer die Haare zu Berge stehen ließ: Das Ministerium untermauerte seine Ablehnung unter anderem mit dem Hinweis auf den Paragraphen 96 des Bundesvertriebenengesetzes.

Die Usedomer Stadtvertreter erwägen nun, einen offenen Brief an die Landesregierung zu richten. Ein erstes, „gepfeffertes“ Schreiben habe Storrer bereits am 9. Januar aufgesetzt. In diesem stellte er nun den Antrag, das Projekt „Plattdeutsche Sprache an der Grundschule Usedom“ zum zweiten Schulhalbjahr, also ab 18. Februar 2013, beginnen zu dürfen.

Die Antwort ließ lange auf sich warten. Erst an diesem Montag, mehr als zwei Monate später, traf sie beim Bürgermeister ein. Ergebnis: alles beim Alten. „Da steht das Gleiche drin wie im ersten Brief“, sagt Storrer.

Kinder, Eltern und Großeltern dürfen sich trotzdem freuen: Mit Spenden sicherten die Usedomer den Plattdeutsch-Unterricht an der Grundschule bis Ende Mai. „Fehlen nur noch 320 Euro, um die letzten fünf Wochen bis zum Schuljahresende zu bezahlen“, sagt Schulleiterin Witt.

320 Euro? Lehrerin Sabine Schmidt schüttelt den Kopf: „Im Radio habe ich gehört, dass beim Land noch so viele Fördermittel für Plattdeutsch bereitstehen sollen. Diese würden jedoch kaum angefordert.“

Nun gebe es mal eine Anfrage. Und es klappt trotzdem nicht. Schmidt: „Das kann ich mir nicht erklären.“

Das Bildungsministerium weist die Kritik zurück: „Es gibt keinen Fördertopf Niederdeutsch“, sagt Ministeriumssprecher Henning Lipski. „Die Mittel stammen aus der Förderung für kulturelle Projekte.“

Der Unterricht in Usedom erfülle jedoch nicht die Bedingungen eines Projektes. Lipski: „Es fehlt unter anderem ein konkretes Alleinstellungsmerkmal.“ Zudem sei die Förderung solcher kulturellen Projekte seit 2008 generell an das Bundesvertriebenengesetz gebunden. Warum das so ist, blieb offen.

Ingrid Nadler und André Wornowski

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OZ

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