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Usedom Verkehr, Werft und Breitbandausbau
Vorpommern Usedom Verkehr, Werft und Breitbandausbau
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01:31 05.05.2018
Die Insel muss ein Erhebungs- und Erholungsgebiet werden.Michael Raffelt, Tourismusverband

Sieben auf einen Streich – so viele Bewerber für das Amt des höchsten Repräsentanten des Landkreises Vorpommern-Greifswald hat es noch nicht gegeben. Sie, das sind Dr.

Der Landrat sollte die schlechte Schüler- beförderung zur Chefsache machen.Günther Jikeli (SPD), Kreistag

Monique Wölk (SPD), Ulrike Berger (Grüne), Michael Sack (CDU), Axel Gerold (AfD), Dirk Scheer, Andreas Suttor und Kai-Uwe Ottenbreit (alle parteilos), stellten sich am Mittwochabend beim OZ-Forum im Rankwitzer Hof den Fragen der rund 100 Zuhörer. Moderiert wurde der Abend von Dr. Steffen Adler, Leiter der Lokalredaktion Zinnowitz.

Verkehrskonzept, Breitbandausbau, Bildung, Werft, Straßenausbaubeiträge und Finanzausstattung der Kommunen – all diese Themen kamen in den gut zweieinhalb Stunden zur Sprache. Zunächst aber stellten die Kandidaten, die sich am 27. Mai zur Wahl stellen, ihre Sicht dar, wie sie die Arbeit eines Landrates sehen. Als „Mittler zwischen Kreistag und Verwaltung sowie Motor und Visionär“, sieht Michael Sack diese Funktion. Monique Wölk ergänzte: „Mittler zwischen Verwaltung und Bürger sowie Repräsentant“. Von einer „Integrationsfigur“ sprach Andreas Suttor. „Es muss eine starke Landrätin sein, die gegenüber der Landesregierung laut ist“, findet Ulrike Berger.

Verkehr: Konzepte und autofreier Inselnorden

Besonders laut, wenn es um das Thema Verkehr geht. Von „staugeplagten Insulanern“ sprach Steffen Adler und gab die Frage weiter, wie schnell und nachhaltig die Verkehrssituation auf Usedom verbessert werden kann. „Wir brauchen ein Verkehrs- und Tourismuskonzept für die Insel, eine Ortsumgehung in Zirchow, mehr Kreisverkehre und die Südanbindung per Schiene über die Karniner Brücke“, so Ulrike Berger. „Dazu gehört auch die Ortsumgehung Wolgast“, fügte Dirk Scheer hinzu. Für den derzeitigen Sozialsenator des Landkreises sollten die Ideen auf den Tisch, um dann mit einer Insel-Stimme gegenüber dem Land aufzutreten. „Die Konzepte sind längst da. Wir müssen endlich mal über die Umsetzung reden“, sagte Sebastian Ader, Vorsitzender des Insel-Tourismusverbandes. Gegen den weiteren Ausbau der Infrastruktur sprach sich Andreas Suttor aus: „Der Nordteil der Insel sollte autofrei sein. Shuttlebusse müssen pendeln, E-Autos per Carsharing bereitstehen.“ Autofrei – „für so eine radikale Lösung ist die Zeit noch nicht reif“, entgegnete Karl-Heinz Sundmacher vom Heimatverein „Lieper Winkel“, der den Abend in die Reihe „Lieper Klöneck“ integrierte.   Als einen Schlüssel für eine bessere verkehrliche Anbindung betrachtet Michael Sack den Flughafen Heringsdorf in Zirchow. „Das ist der einzige Airport, der Geld einfliegt.“ Den Flughafen stärker ins Tourismuskonzept der Insel einzubinden, forderte Monique Wölk.

Zögerlicher Breitbandausbau

Die Forderung nach einer besseren Breitbandversorgung teilten alle Kandidaten. Nur bei der Umsetzung unterschieden sich die Meinungen. „Man sollte sich nicht nur an Großkonzerne wie die Telekom hängen. Es gibt Beispiele, dass man es auch mit kleinen Firmen machen kann. Schnelles Netz ist auch für die Telemedizin im ländlichen Raum ganz wichtig“, so Scheer. Den Breitbandausbau über einen kommunalen Eigenbetrieb zu realisieren, schlug dagegen Ulrike Berger vor. „Der Kreis muss es in die Hand nehmen“, so die Grünen-Kandidatin.

Küstenschutzboote für die Saudis: Für und Wider

Sie wäre die Kandidatin für Rüdiger Franzke aus Neu Sallenthin, der seine Entscheidung auch von der Haltung zum Bau der Küstenschutzboote für Saudi-Arabien auf der Wolgaster Peene-Werft abhängig macht. Er lehnt das ab. „Dort muss man keine Kriegswaffen bauen“, so Franzke. „Ich bin auch dagegen. Man sollte für die Werft nach Alternativen suchen“, so Ulrike Berger. „Ich bin ihr Mann. Ich lehne das auch ab“, meinte Kai-Uwe Ottenbreit. Für Monique Wölk zählen die 300 Arbeitsplätze auf der Werft, die „für die Region sehr wichtig sind“. Das sei Bundespolitik und werde auf kommunaler Ebene nicht entschieden“, äußerte sich Axel Gerold.

Kritik am Kreis: Ablehnung der Gemeinde wird ersetzt

Die Kreis- und Landespolitik sind allerdings gefragt, wenn es um die aufgeworfene Frage zu Ablehnungen von Bauvorhaben in den Gemeindevertretungen geht. „Regelmäßig wird vom Landkreis das gemeindliche Einvernehmen ersetzt“, kritisierte Jörn Dahms, stellvertretender Rankwitzer Bürgermeister. „Die Ersetzung kann nur eine Ausnahme sein“, so Axel Gerold. „Das ist ernüchternd und deprimierend, wie wenig sie in einer Gemeindevertretung zu entscheiden haben“, sagt Michael Sack, Loitzer Bürgermeister und Kreistagspräsident. Der CDU-Mann findet es „hochgradig ungerecht“, dass Anwohner bei der Sanierung von Gemeindestraßen mit Ausbaubeiträgen zur Kasse gebeten werden. „Bei Kreis-, Landes- und Bundesstraßen ist das nicht der Fall.“

Wo sehen Sie den Landkreis in sieben Jahren?

Um Visionen für den Landkreis Vorpommern-Greifswald ging es Michael Raffelt, Koserower Hotelier und stellvertretender Vorsitzender des Insel-Tourismusverbandes, bei seiner Frage an die Kandidaten, wo sie den Landkreis in sieben Jahren sehen.

Ulrike Berger (Grüne): Ich sehe Gemeinden, die autonom entscheiden können, wo sie ihr Geld investieren möchten. Und nicht einen Vorpommern-Staatssekretär, der das gönnerhaft verteilt.

Dirk Scheer (parteilos): Ich sehe einen attraktiven Landkreis, der noch bürgerorientierter ist und mehr Service bietet. Die Zahl der älteren Menschen wird weiter zunehmen, das System der Betreuung wird funktionieren. Die Kluft zwischen Stadt und ländlichen Raum wird dann geschlossen sein.

Monique Wölk (SPD): Ich sehe einen Landkreis, in dem die Infrastruktur zulegt, der Nahverkehr weiter ausgebaut wird. Junge Familien haben wieder eine Perspektive, die Schulen sind gut ausgestattet.

Andreas Suttor (parteilos): In sieben Jahren haben wir einen Landkreis, der als Modellregion deutschlandweit beispiellos ist, weil er digital und mobil verwaltet werden kann.

Michael Sack (CDU): Wenn es um Visionen geht, sehe ich nicht den schnellen, großen Wurf – den gibt es nicht. Wenn es aber darum geht, als Region mit einer Stimme zu sprechen, bin ich dafür, alle Bürgermeister auf ein Schiff zu packen, aufs Meer zu fahren und den Anker zu schmeißen. Erst wenn sie sich einig sind, geht es zurück an Land.

Axel Gerold (AfD): Die demografische Talsohle wird dann durchschritten sein. Der Breitbandausbau wird kommen. Lehrer und Ärzte werden auch wieder stärker in die Region kommen.

Kai-Uwe Ottenbreit (parteilos): Der Landkreis wird schuldenfrei sein. Mit mir wird es keine Kurtaxe für Familienangehörige geben. Von der Kurtaxe der Seebäder sollen alle Gemeinden der Insel profitieren. Die Einwohner Usedoms sind wieder stolz, Insulaner zu sein. Henrik Nitzsche

Schmunzler

Ganz am Schluss, als der Meinungsstreit der sieben Kandidaten im Rankwitzer Hof schon beendet und mit Beifall abgeschlossen worden war, wurde es noch einmal (ungewollt?) richtiggehend komödiantisch: Marina Sundmacher vom gastgebenden Heimatverein teilte dem Auditorium nämlich mit, dass für den nahenden Usedomer Lämmermarkt noch dringend nach „Spinnern“ gesucht werde.

Was ihren Mann zum – freilich nicht böse gemeinten – Zwischenruf veranlasste, das passe ja heute prima ...

Er hatte die Lacher auf seiner Seite. Und sogar die Landratsbewerber waren offenbar zu erschöpft, um noch zu rebellieren. Auch sie schmunzelten. sta

Henrik Nitzsche

Sie waren lange verletzt. Was hatten sie genau? Das war eine Schleimbeutelentzündung im rechten Knie, die mehrmals punktiert wurde. Ich bin noch nicht ganz beschwerdefrei, kann aber spielen.

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