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Versteigerung von Pfandgütern nützt Schuldnern wenig

Greifswald Versteigerung von Pfandgütern nützt Schuldnern wenig

Uwe Hagemann ist kein passionierter Auktionator. Einen Drucker (Startgebot 19 Euro) bezeichnete er aufgrund seiner Form als „Augenweide“ und DVDs von Bambi- und Garfield-Filmen für mindestens acht Euro pries er mit den Worten „mehr als ein Schnäppchen“ an.

Greifswald. Im Publikum aber — keine Reaktion.

Bei der gestrigen Versteigerung von Pfandsachen in der Stadtkasse Am Gorzberg warteten auch Selbstläufer wie Fernseher und Laptops auf neue Besitzer. Etwas hektischer wurde es, als das erste Netbook — ein besonders kleiner, tragbarer Compupter — versteigert wurde. 75. . . 80 . . . 85 Euro. . . Hagemann freute sich sichtlich über das Interesse. „Verkauft für 110 Euro“, sagte er, nachdem sich die Bieter einig wurden. Den höchsten Betrag brachte ein wuchtiger 3D-Fernseher — Schätzwert 535 Euro, der Hammer fällt bei 300 Euro.

Die gepfändeten Dinge sind stumme Zeugen des wirtschaftlichen Scheiterns ihrer Vorbesitzer. Obwohl für die meisten Sachen niemand geboten hat, kamen bei der Auktion dennoch insgesamt 700 Euro zusammen. Den Schuldnern wird das in den meisten Fällen aber nur wenig helfen. Denn ihre roten Zahlen verringern sich durch die erzielten Erlöse nur minimal, wie Uwe Hagemann weiß.

Denn eigentlich ist er Vollziehungsbeamter. Er kennt die Schicksale und Geschichten hinter den DVD-Playern, Stereo-Anlagen und dem Kinderfahrrad, für das niemand bereit war, wenigstens 39 Euro zu bieten. „Das Rad haben wir aus einer mehr oder weniger leeren Wohnung geholt“, berichtet er. Die Mutter war abgehauen, die Kinder im Heim. Nur die Schulden seien geblieben. Oder der 3D-Fernseher:

Dessen Vorbesitzer konnte seine Rechnungen nicht mehr zahlen, hatte aber insgesamt sechs TV-Geräte in seiner Wohnung.

Hagemann sagt, dass er nie wisse, was ihn eigentlich erwartet, wenn er an der Tür des Schuldners klingelt. In diesem Jahr war das in in Greifswald schon 30 Mal der Fall. „Es hat zugenommen“, so sein Eindruck.

Dabei ist es bis zur Pfändung ein weiter Weg. Wer seine Grund-, Gewerbe- oder Hundesteuer, seine Elternbeiträge, Rundfunkgebühren oder Bußgelder nicht zahlt, bekommt zunächst einmal eine Aufforderung. Einige Zeit später liegt eine Mahnung im Briefkasten. Weitere Schritte sind die Konto- und Lohnpfändung. Dann erhält der Schuldner eine Ankündigung, dass bald die Gegenstände in der Wohnung an der Reihe sind. Erst dann rückt Hagemann aus.

Zu jeder Zeit kann der Betroffene mit der Stadt oder dem Landkreis eine Ratenzahlung — auch mit geringen Beträgen — vereinbaren, so dass er seine Sachen behalten kann. Selbst Tiere sind vor einer Pfändung nicht sicher, beispielsweise bei überschuldeten Landwirten. Gewisse Dinge, die zu einer „bescheidenen Lebensführung“ gehören, dürfen Schuldner behalten. Aber: Jedes Gericht entscheidet anders, was das genau bedeutet.

• Was nicht versteigert wurde, wird auf www.zoll-auktion.de angeboten.

Die Zahl der Pfändungen hat zugenommen.“Uwe Hagemann

Kai Lachmann

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