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Usedom Vom Bootsflüchtling zum Geschäftsmann
Vorpommern Usedom Vom Bootsflüchtling zum Geschäftsmann
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00:01 30.01.2018
Freuen sich auf die Eröffnung ihres etwa 50 Quadratmeter großen Ladens an der Koserower Hauptstraße: Cordula Ermlich und ihr Partner Mohammad Wassim Ied. Er kam im September 2015 nach Deutschland und lebt seitdem auf Usedom. Quelle: Foto: Hannes Ewert
Koserow

Als junger Flüchtling kam Mohammad Wassim Ied im September 2015 nach Deutschland. Zuvor saß er mit mehr als 50 Landsleuten in einem überfüllten Schlauchboot und fuhr übers Mittelmeer. Der junge Mann sehnte sich nach Frieden, Freiheit und einer besseren Welt, einer ohne Krieg und Zerstörung. 1500 Euro bezahlte er den Schleusern für die gefährliche Überfahrt.

Syrer eröffnet Shop / Integration auf Arbeitsmarkt eine Herausforderung

Im Fußmarsch ging es weiter über die Balkanroute nach Deutschland. Schlussendlich landete er über Zwischenstationen in Heringsdorf in einer Gemeinschaftsunterkunft mit rund 20 anderen Geflüchteten.

Am kommenden Wochenende, knapp zweieinhalb Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland, eröffnet er in Koserow mit seiner Partnerin Cordula Ermlich ein Geschäft für Textilien und erfüllt sich damit einen Traum.

Mohammad Wassim Ied gehört zu den wenigen verbliebenen Flüchtlingen auf Usedom. Beinahe alle Landsleute haben der Insel inzwischen den Rücken gekehrt und wanderten in die Großstädte ab, gerade mal drei Männer sind noch geblieben. Für den gebürtigen Syrer ist es nicht die erste Beschäftigung auf der Ostseeinsel. „Drei Monate arbeitete ich beim Friseur Siggi Koch in Bansin, jetzt bin ich für ein paar Stunden am Tag in einem Imbiss in Koserow tätig. Es macht mir Spaß, aber ich möchte etwas in der Textilbranche haben“, sagt der 23-Jährige. Bei seiner Ankunft sprach er – verständlicherweise – kaum ein Wort Deutsch. „Ich habe jetzt den Sprachtest B 1 absolvierte. Jetzt warte ich auf die Ergebnisse“, sagt er. Ein weiterer Sprachtest ist erstmal nicht nötig. „Das wäre nur für ein Studium“, sagt er.

Mit Textilien für Jedermann möchten die beiden ihre Kunden versorgen. In den vergangenen Tagen richteten sie den Laden ein. „Hier war ein Schmuckladen drin. Als ich hörte, dass der herausgeht, habe ich mich um den Laden beworben“, erzählt Cordula Ermlich.

Dass ehemalige Flüchtlinge einen Laden eröffnen beziehungsweise einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, ist im Arbeitsmarkt von Vorpommern-Greifswald immer noch eine Seltenheit.

„Viele der hier schutzsuchenden Menschen haben im Vorjahr Sprachkurse und Praktika absolviert oder eine Ausbildung begonnen. Insgesamt 98 haben einen Job auf dem so genannten ersten Arbeitsmarkt aufgenommen“, heißt es aus der Pressestelle der Greifswalder Arbeitsagentur. „Die größten Herausforderungen bleiben die Sprache und die fehlende Vergleichbarkeit der Berufsabschlüsse“, so Agentur-Chef Heiko Miraß. Die Integration in den ersten Arbeitsmarkt werde hauptsächlich in den Bereichen Gastgewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen und im verarbeitenden Gewerbe verzeichnet, heißt es aus der für den Landkreis zuständigen Arbeitsagentur.

Zahlen und Fakten

10 700 ausländische Mitbürger aus 140 Nationen leben etwa im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Den größten Anteil haben mit 5280 Personen die EU-Länder. Davon wiederum machen die Polen (3674) die größte Gruppe aus.

Aus Syrien stammen 1445 Menschen, aus Afghanistan 318 Personen.

360 Neuzuweisungen von Geflüchteten erhielt der Landkreis Vorpommern-Greifswald 2017 vom Landesamt für Innere Verwaltung.

Hannes Ewert

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