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Vom Fischer und seiner Ameise

Freest Vom Fischer und seiner Ameise

Er lenkt mit den Füßen und gibt mit den Händen Gas — Carsten Krüger aus Freest schwört auf sein kurioses Gefährt.

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Offener Führerstand und Fußwippe — Carsten Krüger auf seiner Dieselameise. Fotos (3): Henrik Nitzsche

Freest. Letztens bot ihm einer 1000 Euro. Doch Carsten Krüger aus Freest lehnte ab. „Den verkaufe ich nicht. Den fahre ich noch, bis er auseinanderfällt“, sagt der 52-jährige Fischer und steigt auf seine Dieselameise. Das Fahrzeug ist ein Kuriosum — hier wird im Stehen mit den Füßen gelenkt und mit der Hand Gas gegeben. Ein Lenkrad gibt es nicht. Zum Lenken verlagert Krüger das Körpergewicht auf das linke oder rechte Bein, um mit der Fußwippe die gewünschte Fahrtrichtung zu bekommen. Mit den Händen bewegt er mehrere Hebel — damit gibt er Gas, bremst, kuppelt oder schaltet in einen Gang.

„Das ist noch der tiefste Osten“, sagt sein Kollege Udo Labahn und streichelt mit der Hand über das rostige Gefährt. Stolze 50 Jahre hat die Dieselameise von Carsten Krüger schon auf dem Rücken. Das Modell wurde in der DDR für Transporte auf dem Werkhof gebaut. Der Nachfolger war der Multicar.

Den Mini-Transporter nennt Krüger liebevoll „blaues Wunder“. In Anlehnung an die Wolgaster Brücke, die zur Insel Usedom führt. Auch die strahlt blau.

Für 5000 Ostmark hatte Krüger die Dieselameise 1986 von einem Kollegen gekauft. Seitdem tuckert er im offenen Führerstand mit einem 1H65-Dieselmotor über das kleine Hafengelände. „Der ist noch gut in Schuss. Die Lichtmaschine habe ich mal gewechselt, die Einspritzpumpe auch“, sagt Krüger. Die zehn Liter Diesel, die in den Tank passen, reichen für zwei Wochen. Denn auf viele Kilometer kommt die Dieselameise, die wohl niemals einen Schönheitspreis gewinnen wird, im Hafen nicht. Krüger transportiert damit Fischkisten oder holt Eis aus der Lagerhalle. Unterwegs schwingt sich auch mal ein Kollege auf die Ladefläche — Carsten Krüger, der Chauffeur. Und mitunter auch gefragter Gesprächspartner bei Urlaubern. „Vor allem Kinder wollen sich in den Führerstand stellen. Ich weiß gar nicht, wie oft das Ding schon fotografiert wurde“, sagt Krüger und streift sich seine Wollmütze ab. Denn die Arbeit ruft. Der Hering muss in Transportkisten verstaut werden. „Unser Fisch geht nach Dänemark. Täglich kommen die Lkw“, sagt der Freester. Mit seinem Kompagnon Labahn hat er eine GbR gegründet. 115 Tonnen Hering dürfen sie fischen. „Das ist unsere Quote.“ Rund 80 Tonnen sind bereits an Land gebracht. Für die Dieselameise ist also noch lange nicht Schluss.

6 PS unter der Haube
Die Dieselameise wurde ab 1951 im VEB Brand-Erbisdorf hergestellt. Das knapp 6 PS-starke Fahrzeug war für den Werkhoftransport ausgelegt.

Das Fahrzeug gab es neben der Pritschenausführung auch schon als Muldenkipper und Dreiseitenkipper. 1958 wurde der erste Multicar produziert.

 



Henrik Nitzsche

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