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Heringsdorf Von Hummelfluch und Modergrenze

In der fünften Usedomer Dichternacht teilten sich Lisa Eckart (Wien) und Frank Klötgen (München) den Thron

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V.l.: Anke Fuchs, Frank Klötgen, Lisa Eckart und Martin Sieper. Fotos (2): Dietmar Pühler

Heringsdorf. Beim Poetry Slam am Freitagabend im Kaiserbädersaal wurden zwei Dichterkönige gekrönt. Genau genommen ein König und eine Königin. Moderator und Poetryslamer Dominik Bartels konnte aus dem Wertungsapplaus des Publikums für Lisa Eckart aus Wien und Frank Klötgen aus München in der Endrunde absolut nicht heraushören, welchen der beiden Poetryslamer es mehr wertschätzte und setzte kurzerhand beide auf den Thron.

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In der fünften Usedomer Dichternacht teilten sich Lisa Eckart (Wien) und Frank Klötgen (München) den Thron

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Ebenbürtige Mitstreiter Anke Fuchs aus Bonn und Martin Sieper aus Rosenheim hatten sich zuvor in der Worteschlacht als ebenbürtig erwiesen. Die Bonnerin trug ihre einfühlsamen Texte über banale Schwierigkeiten mit Äußerlichkeiten beim Älterwerden und über allzu offene, zu Seelenstriptease neigende Zutexter vor, die im Alltag rücksichtslos Grenzen missachten. Dafür bekam sie von der Publikumsjury 107 Punkte.

Martin Sieper begeisterte mit einem beinahe lyrischen Unfall-Schadensbericht, den er mit „verehrter Schadensabwickler“ begann, mit jeder Menge Nebensächlichem zu Wetter, Sonnenstand und Radiomusik ausschmückte und dem er fast heimlich wichtige Details, wie Unfallhergang und Kilometerstand, untermogelte. Sein zweiter Text „Bis einer heult“ schildert den skurrilen Großeltern-Besuch mit seiner neuen Freundin. Durch die Video-Dreh-Sucht des Opas erfuhr die Neue peinliche Details aus Siepers Kindheit. Nach eigener Schilderung sind die Großelternbesuche eine schier unerschöpfliche Ideenquelle für neue Texte. 112 Punkte schenkte ihm die Jury dafür.

Lisa Eckart überzeugte vor allem durch hohe Perfektion beim Textvortrag. Im extravaganten Outfit, mit starken Gesten, fließenden Bewegungen und in charmantem Wienerisch präsentierte sie einen eigenen Max- und Moritz-Streich mit Barbier Jack, bei dem man die von den Bösewichtern angeheizte Schere des Barbiers förmlich in den Schädel seines Kunden fliegen sehen konnte. Nicht weniger deutlich führte sie dem Publikum bei „Modergrenze“, ihrer Homestory, in ihr Messi-Zuhause, in dem sie im Unterschied zur Bühne – „hier bin ich Mensch“ – ganz Schwein sein könne. Im Finale trat sie gegen Frank Klötgen mit ihrer Version des schenkenden Christkindes an, die alles andere, jedoch nichts Christliches an sich hatte.

Zum zweiten Mal dabei Dreimal gehörte auch Frank Klötgen die Bühne, der ebenfalls schauspielerisch stark agierte. Entgegen der Regeln hatte Dominik Bartels ihn nach dessen Auftritt bei der zweiten Usedomer Dichternacht 2013 noch einmal nach Usedom eingeladen. Der Grund: Klötgen sei auf „Welt- und Abschiedstour".

Auch Klötgen agierte gesten- und bewegungsstark, als er in Anlehnung an Nikolai Rimski-Korsakows „Hummelflug“ in seinem „Hummelfluch“ eine David-Goliath-Geschichte erzählte, in der zunächst grausam eine Hummel und später durch ein „Hummelfahrtskommando“ auch ihr Mörder starb. Bei seinem zweiten Auftritt servierte der Slampoet dem Publikum ein Orchesterstück mit sich bekämpfenden Instrumenten, das damit endete, dass „strafend stiert der Dirigent, weil irgend eine Flötistin flennt“. Im Finale dann seine Warnung vor einem wachsenden Skandinavien-Wahn in der Gesellschaft. Mit seiner Schauerballade „Hinten im Korn“ setzte er alles was aus dem Norden kam herrlich komisch irgendwie in Bezug zu den Wikingern.

Für Einstimmung, Überbrückung und gelegentlich auch für die Animation des überwiegend vorpommersch zurückhaltenden Publikums zum „Ausrasten!“ sorgte Dominik Bartels. Mitten in der Hochsaison traf er mit seinem Urlaubertext den Nerv der Einheimischen.

Die fünfte Dichternacht war ein erneuter Beweis für fruchtbare Freundschaften unter Inselkindern – in diesem Fall zwischen Claudia Pautz und Dominik Bartels. Sie ließen ihr begeistertes Stammpublikum mit Unterstützung des Kaiserbäder-Eigenbetriebes und weiterer Förderer in eine herrliche Schlacht der Worte eintauchen.

Möge es noch viele davon geben!

Angelika Gutsche

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