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Usedom Vorpommern: Weites Land und zu wenig Busse
Vorpommern Usedom Vorpommern: Weites Land und zu wenig Busse
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00:00 21.07.2016

Tino Höfert (27) kann ein Lied davon singen: Der jugendpolitische Koordinator des Kreisjugendrings weiß nur zu gut, was es heißt, Teenager in einem kleinen Dorf zu sein. Viele Jugendliche im ländlichen Raum seien darauf angewiesen, dass die Eltern sie fahren, wollten sie Veranstaltungen oder Treffen in größeren Orten besuchen. „Bei mir“, schildert Höfert, „war es genau so:

Ich habe Gitarrenunterricht genommen. Dazu musste ich nach Greifswald. Der letzte Bus dorthin fuhr 14 Uhr, der letzte von dort nach Hause um 17 Uhr.“ Bezogen auf den Gitarrenunterricht war beides ungünstig.

Unzureichender Busverkehr auf dem Lande – Jugendliche und ihre Eltern bekämen ihn besonders zu spüren, macht Dittmar Vonau, freischaffender Künstler aus der Gemeinde Viereck bei Pasewalk, deutlich.

Hier leben durchschnittlich 19 Einwohner auf einem Quadratkilometer. „Wenn ich alle Kinder für mein Kunstprojekt einsammele, fahre ich 50 Kilometer“, sagt Vonau.

Auch Götz Grünberg, Präsident des Karnevalvereins in Penkun, hat Probleme, mit „seinen“ Jugendlichen etwas los zu machen. Weite Entfernungen und ein ausgedünnter öffentlicher Nahverkehr erschwerten Ausflüge. „Die Fahrkosten sind teurer als die Aktion an sich“, beschreibt Grünberg das Dilemma. Im südöstlichsten Zipfel von MV käme ein weiteres hinzu: die Nachbarschaft zu Brandenburg. Wollen Grünberg und „seine“ Jugendlichen mit dem Bus ins nächste Kino nach Prenzlau fahren, kommen sie unter Umständen nur bis zur Landesgrenze. Dort, schildert Grünberg, müsse man dann vom Fahrzeug der einen Verkehrsgesellschaft in das der anderen umsteigen.

Freie Jugendarbeit auf dem Lande – aus Sicht des Wolgaster Kreistagsabgeordneten Lars Bergemann (Die Linke) ist sie „schwer aufrecht zu erhalten“. Die Mobilität, sagt der Vorsitzende des Kreis-Jugendhilfeausschusses, sei eine Herausforderung. Wohlfahrtsverbände wie die Volkssolidarität oder die Arbeiterwohlfahrt hätten zwar Fahrzeuge, die womöglich auch für den Transport von Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden könnten. Doch seien ihrer Nutzung unter anderem versicherungsrechtliche Grenzen gesetzt. Wer die Mobilität im ländlichen Raum des Kreises verbessern wolle, müsse kleinräumig und gebietsbezogen denken und nach lokalen Lösungen suchen, glaubt Bergemann. Private Fuhr- und Taxiunternehmen könnten ebenso helfen wie Wohlfahrtsverbände, vorausgesetzt, sie würden dabei von Kommunen, Kreis und Land kontinuierlich und damit verlässlich finanziell unterstützt.

Dass so etwas funktionieren könne, belege ein Verkehrsmodell aus Bayern, sagt der Grüne Torsten Wierschin, Mitglied im ökologischen Verkehrsclub Deutschland. Die Verkehrsverbund Mittelschwaben GmbH, ein Zusammenschluss mehrerer Verkehrsunternehmen, habe einen Flexibus als Ergänzung zum Linienbusverkehr eingeführt. Anders als im gewohnten Linienverkehr fahre der Flexibus täglich ganztags auf telefonische Anforderung. Er stoppe an eigenen Haltestellen, die in der Regel in einem Umkreis von 100 bis 200 Metern von der Haustür der Bürger eingerichtet seien. Bezuschusst wird das Modell vom Bayerischen Staatsministerium und den Kommunen.

Sven Jeske

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