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Usedom Vorwürfe gegen Betreiber des Hafens Stagnieß
Vorpommern Usedom Vorwürfe gegen Betreiber des Hafens Stagnieß
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00:00 20.10.2017
Seit Jahresbeginn liegt die Betreibung des Hafens in Stagnieß in den Händen der Wasserlinie GmbH. Quelle: Foto: Hannes Ewert

Der Vorstand des Yachtclubs Usedom erhebt schwere Vorwürfe gegen die Wasserlinie Häfen GmbH Berlin, Betreiber des Hafens Stagnieß, und die Gemeinde Ückeritz. „Es geht um die Verletzung der Sorgfaltspflicht durch die Gemeinde, um eine falsche Bewertung der beiden Interessenten für den Hafen, um die Frage, ob die Berliner zu Recht Fördermittel vom Land erhalten haben und wer hinter der Wasserlinie steckt“, sagt Marcus Trompka, zweiter Vorsitzender des Yachtclubs Usedom. Der Verein bewarb sich um die Betreibung des Hafens in Stagnieß. Die Gemeinde hatte das Areal mit 44 Gastliegeplätzen und Hafenmeisterbüro für die Jahre 2017 bis 2022 ausgeschrieben. Ende April 2017 entschieden sich die Ückeritzer Gemeindevertreter, dem anderen Bewerber, der Wasserlinie – sie setzt auf Elektroboote – die Betreibung erneut in die Hände zu geben. Im Herbst 2016 hatte die Gemeinde den Vertrag mit der Wasserlinie Häfen GmbH (Betreiber seit Januar 2015) aufgekündigt. Die Hauptstädter bewarben sich erneut und bekamen den Zuschlag – nach wirtschaftlichen Aspekten, wie es aus dem Süd-Amt hieß.

Yachtclub Usedom wirft Wasserlinie GmbH „merkwürdiges Agieren“ vor / Anwalt lässt Verdacht der Zweckentfremdung von Fördermitteln prüfen

Yachtclub Usedom schaltet Anwalt ein

Für die Yachtclub-Spitze ist das nicht nachvollziehbar. Der Verein hat einen Anwalt eingeschaltet und spricht von einem „merkwürdigen Agieren der Wasserlinie“. Für Trompka ist die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Wasserlinie (liegt der OZ vor) „ein großes Luftschloss. Im Jahr wird dort in Stagnieß mit einem Verlust von knapp 46 000 Euro gerechnet, im Ückeritzer Sportboothafen dagegen mit einem Plus von 88000 Euro“, sagt Trompka. „Wer betreibt einen Hafen, wenn man von so einem Verlust ausgeht?“, fragt sich Lutz Bremerkamp, Vorsitzender des Yachtclubs.

Zum Vergleich: Der Yachtclub kalkulierte für den Hafen Stagnieß im ersten Jahr mit einem Verlust von rund 300 Euro, im zweiten Jahr mit einem Plus von 300 Euro.

Fraglich ist auch, warum für ein Büro im Ückeritzer Haus des Gastes bei der Wasserlinie Ausgaben von 5400 Euro kalkuliert sind, allerdings hinter Personalkosten, Sachkosten, Versicherung oder sonstige Kosten im Wirtschaftsplan eine Null steht.

Die Vorwürfe des Yachtclubs will Christian Jäger, Geschäftsführer der Wasserlinie Häfen GmbH, so nicht stehen lassen. „Für das Büro im Haus des Gastes wird eine Miete von 535,50 Euro monatlich gezahlt. Es wurde regelmäßig für Sitzungen und Treffen genutzt. Die Defizite des Hafens Stagnieß haben sich fast so dargestellt wie prognostiziert. Allerdings konnte bis August die Auslastung des Hafens, nach 30 Prozent im Vorjahr, wiederum um rund 10 Prozent verbessert werden, so dass das Defizit geringer ausfiel. Der Charterbetrieb lief in diesem Sommer erst an und hat noch nicht die Umsätze erbracht, die dauerhaft geplant sind. Das Angebot wurde aber mit den für den Charterbetrieb zugelassenen Booten gut nachgefragt.“

Die Berliner betreiben neben Stagnieß auch den Sportboothafen in Ückeritz sowie die Seestege in Balm und Neppermin.

Verurteilt wegen Steuerhinterziehung

Mit der Wasserlinie Häfen GmbH bringt die Spitze des Yachtclubs einen Namen einer Person in Verbindung, die 2014 im Zusammenhang mit dem Treberhilfe-Skandal in Berlin als Steuerbetrüger verurteilt wurde. „Auffallend ist erkennbar, dass ein gewisser Harald Ehlert die Geschäfte führen könnte. Dieser soll bei allen Gesprächen zugegen gewesen sein“, sagt Trompka. Zur Personalie Harald Ehlert antwortet Geschäftsführer Jäger: „Er ist unser Unternehmensberater.“

Der Anwalt des Yachtclubs, Arnold von Bosse aus Stralsund, hat inzwischen auch mit dem Landesförderinstitut MV Kontakt aufgenommen. Es geht um die Übergabe von Fördermitteln im August 2016 an die Wasserlinie. „Das Institut will das nun prüfen. Wir haben den Verdacht der Zweckentfremdung von Fördermitteln. Ziel der Förderung waren die Anschaffung und der Betrieb von Elektrobooten.

Vermietungsaktivitäten sind bislang nicht erkennbar“, sagt Trompka.

Laut Jäger hat die Wasserlinie Fördermittel in Höhe von 226 000 Euro bekommen. „Bisher sind davon rund 25 Prozent an uns ausgezahlt worden. Gefördert werden nur die technischen Dinge für unsere E-Boot-Flotte. Wir haben derzeit sieben Boote, von denen vier im Wasser sind“, kontert Jäger.

Zum Vorwurf des Yachtclubs, dass die Boote der Wasserlinie weder betriebsfähig noch für die gewerbliche Nutzung zugelassen sind, meint der Geschäftsführer: „Die Boote im Hafen Ückeritz haben ein Bootszeugnis als Zulassung für den Charterbetrieb erhalten, oder es befindet sich im Antragsverfahren. Die bereits zugeteilten Kennzeichen sind noch nicht an den Booten angebracht. Die Genehmigung zum gewerblichen Betrieb liegt somit vor oder befindet sich im Antragsverfahren.“ Vorgesehen sei der Ausbau der Charterflotte auf 14 Boote.

Frühzeitige Warnung im Gemeinderat

Dass es innerhalb der Ückeritzer Gemeindevertretung frühzeitig Bedenken gegen die Wasserlinie gab, wird im Protokoll der Gemeindevertretersitzung vom 21. März deutlich. Damals warnte der Abgeordnete Marko Biedenweg. Dort heißt es: „Herr Biedenweg findet es ebenfalls nicht ratsam, den Wasserwanderrastplatz in Hände zu geben, die bereits wegen Betrugs verurteilt wurden.“ Zwei weitere Abgeordnete sprachen sich ebenfalls dagegen aus.

Der Ückeritzer Bürgermeister Axel Kindler weist die Vorwürfe, dass die Gemeinde ihre Sorgfaltspflicht verletzt hat, zurück. „Es erfolgten eine Ausschreibung, ein Bietergespräch und eine Entscheidung durch die Gemeindevertretung. Jetzt mit Schuldzuweisungen zu kommen, ist nicht mein Stil. Das muss der Yachtklub Usedom mit der Wasserlinie ausfechten.“

Henrik Nitzsche

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