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Usedom Wanderfalke brütet wieder an der Marienkirche
Vorpommern Usedom Wanderfalke brütet wieder an der Marienkirche
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00:00 14.05.2016

An der Westseite des Turms der Marienkirche brütet derzeit ein Wanderfalkenpärchen. Es ist das erste Mal seit über 40 Jahren im Stadtgebiet. Bis etwa 1970 waren die dank Geschwindigkeiten von über 300 km/h „schnellsten Vögel der Welt“ aus dem Gebiet des jetzigen Mecklenburg-Vorpommern verschwunden.

Als Ursache gilt der Einsatz von Pestiziden, besonders von DDT, in der Landwirtschaft. Nach dem Verbot dieser Chemikalie gelang durch Zucht und anschließende Auswilderung bis zum Jahre 2010 die Wiederansiedlung in MV. Laut den Erhebungen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) gab es 2014 und 2015 je 14 Brutpaare in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Angaben zu den einzelnen Regionen werden in dem Bericht nicht gemacht. Der Wanderfalke ist die größte und zugleich seltenste der drei heimischen Falkenarten. „Im Kreis Vorpommern-Greifswald gab es 2015 drei Brutplätze“, berichtet Danny Eichhorn. Der Wanderfalkenspezialist ist Hobbyornithologe und Masterstudent der Landschaftsökologie. Ein Nest befinde sich auf dem Gelände des stillgelegten KKKW Lubmin, in diesem Jahr brüten dort aber keine Wanderfalken. Der Standort eines weiteren Nestes ist laut der Arbeitsgruppe Wanderfalkenschutz nicht genau bekannt.

„Im August 2012 wurden erstmals zwei Wanderfalken am Turm der Marienkirche gesichtet“, erzählt Eichhorn. In der Natur bevorzugen die Vögel Felsen als Brutplätze. Ersatzweise wählen sie Steinbrüche, Industrietürme oder auch Autobahnbrücken. Um die Ansiedlung der Wanderfalken zu erleichtern, wurde 2013 eine Nisthilfe, ein Holzkasten, an der Nordseite des Turms von St. Marien angebracht. Das Brutpaar kam im April 2015 nach Greifswald. Leider fraß ein Steinmarder 2016 die ersten Eier. „Wir waren ganz traurig“, sagt Pastorin Ulrike Streckenbach. Die Nisthilfe wurde an die Westseite des Turms umgesetzt. „Seit dem 1. Mai brütet das Pärchen zum zweiten Mal“, freut sie sich. „An das neue Nest kommt der Steinmarder nicht heran.“ Ein Wanderfalkenweibchen legt drei bis vier Eier, 30 bis 32 Tage brüten sie. Danny Eichhorn geht davon aus, dass es dieses Jahr kleine Greifswalder Wanderfalken gibt. Laut Lung schlüpfen durchschnittlich aus drei Vierteln der Eier Junge. Für seine Masterarbeit über die Nahrungsökologie des Wanderfalken ist Danny Eichhorn jeden Tag an der Kirche anzutreffen. Er sammelt die Federn der Vögel, die die Tiere in der Luft jagen. „Ich konnte schon über 2000 Beutetiere feststellen“, berichtet er. Die Federn gehörten zu 79 Arten. Das sei ein Beleg für eine vergleichsweise artenreiche Fauna in unserer Gegend. Es sind Amseln, Ringeltauben, Elstern, Rauchschwalben, Krähen, Grünfinken und so weiter. „Besondere Beutetiere waren beispielsweise Schneeammer und Seidenschwanz als Wintergäste aus dem hohen Norden“, erzählt er.

Für mehr Wanderfalkenpaare sei kein Raum in Greifswald“, schätzt Eichhorn ein. „Sie stehen hier an der Spitze der Nahrungspyramide und verteidigen große Reviere gegenüber Artgenossen.“

Eckhard Oberdörfer

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