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Welzinern stinkt die Biogasanlage mächtig

Usedom/Welzin Welzinern stinkt die Biogasanlage mächtig

Einwohnerversammlung zur geplanten Erweiterung im Rathaus Usedom / Betreiber stehen bei Anwohnern und Kommunalpolitikern heftig in der Kritik

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Im Rathaus drängten sich zweieinhalb Stunden lang Einwohner von Welzin und aus dem Umland, um Antworten zur Anlage zu erhalten.

Quelle: sd

Usedom. Am Ende herrschte dicke Luft im Sitzungssaal des Usedomer Rathauses — und das gleich aus zwei Gründen: Bei der Einwohnerversammlung zur geplanten Erweiterung der Biogasanlage im Teilort Welzin drängten sich Anwohner und Gäste aus Nachbargemeinden zweieinhalb Stunden lang in den eng bestuhlten Reihen. Und nachdem für gut eine Stunde mehrere ausgesprochen sachliche Frage-Antwort-Runden die Versammlung dominiert hatten, kippte die Stimmung. „Eine Unverschämtheit“ nannte Stadtförster Dirk Nass den Versuch von Projektentwickler Roman Motzko von der Hamburger KTG AG, konkrete Antworten auf Fragen zur Verkehrszunahme und zu längeren Laufzeiten der zur Anlage gehörenden Blockheizkraftwerke zu vermeiden.

„Auf dieses Glatteis begebe ich mich nicht“, hatte Motzko die Fragesteller beschieden — er witterte angesichts der von Stadtvertreter Günther Jikeli (SPD) vor einer Woche erstatteten Strafanzeige gegen die Biogasanlage Welzin GmbH eine Finte: Hätte er die Zunahme von Verkehr und Betriebsgeräuschen als nur gering bezeichnet, hätte dies als Eingeständnis gewertet werden können, dass die Anlage schon jetzt so viel Gas produziert, wie es erst nach der beantragten Kapazitätserweiterung erlaubt sein soll.

So jedenfalls lautet der Vorwurf Jikelis, den auch mehrere Anwohner am Mittwochabend bekräftigten — und den Motzko sowie mehrere ihn begleitende Gutachter und eine Rechtsanwältin aus Potsdam genauso entschieden zurückwiesen. Doch viele Welziner trauen deren Worten nicht, zumal die Geruchsbelästigungen durch die Biogasanlage in jüngster Zeit spürbar größer geworden sein soll. „Unerträglich“

nannte ein Einwohner den „Geruch nach faulen Eiern“, und Bürgermeister Jochen Storrer (UBL) fürchtet: „Wenn die Kapazität verdoppelt wird, haben wir in Welzin Smogalarm.“

Tatsächlich räumte auch Gutachter Karl-Heinz Miertzschke aus dem niedersächsischen Rosdorf Handlungsbedarf in Sachen Gestank ein: So habe er bei einem Ortstermin am Mittwoch mit den Betreibern festgelegt, dass ein Teil der Anlage bei Ostwind künftig automatisch abgeschaltet wird; bislang wehen die Emissionen bei dieser Windrichtung über das Dorf und „hängen bleiern über dem Ort“, wie es Förster Nass beschrieb. Ohnehin räumte Miertzschke ein, dass es in der Vergangenheit einige Probleme mit dem technischen Zustand der Anlage gegeben habe; nach und nach seien die Mängel aber beseitigt worden. Und in den nächsten Jahren sei eine weitere Reduzierung der Beeinträchtigungen durch technischen Fortschritt zu erwarten.

Allerdings: Überzeugen konnte er mit diesen Argumenten nicht. Zumal Bürgermeister Storrer kritisierte: „Für das Dorf tut die Biogasanlage zu wenig.“ Vergeblich warb er bei Motzko um die Zusage, im Gegenzug für eine positive Stellungnahme der Stadt zu den Erweiterungsplänen von den Betreibern eine neue Zufahrtsstraße zu erhalten; bislang nutzen die Landwirtschaftsbetriebe die Dorfstraße, deren Zustand sich seit Start der Anlage erheblich verschlechtert hat. Doch Motzko wiegelte ab: Auch die Dorfstraße „ist eine öffentliche Straße — und Straßen sind für alle da.“ Außerdem war der Projektentwickler auch der falsche Ansprechpartner: In die Tasche greifen müssten die Gesellschafter der Biogas Welzin GmbH — und von denen war am Mittwochabend niemand anwesend.

Nur in einer Hinsicht scheinen die Bedenken der Welziner durch die Einwohnerversammlung kleiner geworden zu sein: Eine Explosionsgefahr gehe von der Anlage weder in ihrer jetzigen Dimension noch nach einer eventuellen Erweiterung aus, versicherte Gutachter Miertzschke und begründete dies mit der Bauart. Und sollte doch ein Feuer ausbrechen, sei die Feuerwehr der Inselstadt sowohl personell wie technisch gerüstet, betonte Wehrführer Ulf Borchardt: „Feuerwehrmäßig brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.“

Entscheidung im April

Die Stadtvertreter werden am 6. April über den Bebauungsplan für die geplante Erweiterung der Biogasanlage entscheiden. Bislang dominiert bei den Abgeordneten die Skepsis . Günther Jikeli (SPD), der mit einer Anzeige staatsanwaltliche Ermittlungen auslöste, übergab Bürgermeister Jochen Storrer (UBL) am Mittwoch eine von 40 Welzinern unterzeichnete Resolution gegen die Pläne . Und die Abgeordnete Annelene Lühmann-Jesewski (Linke) forderte von den Betreibern: „Bessern Sie die Anlage erstmal nach, vorher kann ich nicht für den B-Plan stimmen.“



Siegfried Denzel

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Welzin
Umstritten: Die Biogasanlage Welzin soll erweitert werden.

Die Einwohner in Welzin auf Usedom vermissen konkrete Antworten der Planer auf Fragen.

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