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Wie aus Friedrich Fredrik wurde

Anklam/Göteborg Wie aus Friedrich Fredrik wurde

Neue Ausstellung in Schwedenmühle stellt eine Flüchtlingsgeschichte mit Happy End vor

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Die Schwedin Birgitta Rosenhall (72) ist stolz auf ihren Urgroßvater, der einst als Flüchtling aus Woldegk nach Göteborg kam.

Quelle: Anke Enke

Anklam/Göteborg. In der Anklamer Schwedenmühle wird heute eine spannende Ausstellung über einen Auswanderer im Glück eröffnet. Er hatte nichts zu verlieren: Als der Woldegker Friedrich Mühlenbock im April 1856 ein Schiff über die Ostsee in Richtung Schweden bestieg, kehrte der 24-jährige Maurergeselle seiner bettelarmen Heimat den Rücken. Er hatte den Traum vom Glück im Kopf und nahm sein Schicksal in die Hand. Genau wie rund 20 weitere junge Handwerker aus Norddeutschland, die mit Friedrich in jenen Tagen per Schiff im prosperierenden Göteborg eintrafen. „Die Stadt wuchs, es herrschte rege Bautätigkeit, und Handwerker wurden händeringend gesucht“, erzählt Birgitta Rosenhall. Sie ist die Urenkelin von Fredrik Mühlenbock – wie er sich wenige Jahre nach seiner Ankunft nannte – und hat in den vergangenen Jahren die deutschen Wurzeln ihres Vorfahren gesucht.

Vor drei Jahren kam sie deshalb auch nach Woldegk. Hier fand sie freundliche Aufnahme, aber leider nichts in den Archiven über den „Aufsteiger aus Mecklenburg“. Denn so unbekannt er in seiner Geburtsstadt blieb, so atemberaubend war seine Karriere in Göteborg. Vor allem sein Ideenreichtum und sein Mut zum Risiko brachten ihn weiter. „Fredrik ist ein gutes Beispiel dafür, dass es auch ohne Kenntnis der Sprache und ohne Freunde gelingen kann, seinen Traum zu verwirklichen“, sagt Birgitta in holprigem Deutsch.

Auf acht Ausstellungstafeln, die nun in der Anklamer Schwedenmühle zu sehen sind, haben sie und ihre Mitstreiter – allesamt Nachfahren des Geschäftsmannes – dessen imposanten Lebensweg nachgezeichnet. Der einstige Maurergeselle sattelte bald, nachdem er bei einem deutschen Bauunternehmer sein erstes Geld verdient hatte, um und stieg zunächst ins Gastgewerbe ein. Vorausgegangen war die Heirat mit seiner Frau Sofia, die in zentraler Göteborger Lage eine Schankwirtschaft betrieb. Schon drei Jahre nach seiner Ankunft wurde Friedrich Mühlenbeck schwedischer Staatsbürger und nannte sich nun Fredrik Mühlenbock. 1867 begann er, von einem Prahm in einem der Göteborger Kanäle aus Früchte zu verkaufen, die er importierte. Damit hatte er ganz offensichtlich einen Nerv der Göteborger getroffen. Er eröffnete in den Folgejahren eine Reihe von Obstgeschäften, und sein Unternehmen wurde führend im Fruchthandel in jenem Jahrzehnt im Raum Göteborg. Übrigens exportierte er sogar Preiselbeeren und Hering nach Deutschland und führte von dort Äpfel nach Schweden ein. Dass er dabei zu Geld und Wohlstand kam, liegt auf der Hand. Er kaufte Grundstücke und Häuser in bester Lage, ließ diese umbauen, betrieb Gewächshäuser und Gehege für exotische Tiere in einem Stadtteil, der heute als Park für die Göteborger dient. 1872 gehörte er sogar zu jenen wagemutigen und gut betuchten Göteborgern, die sich einen Aufstieg mit dem Ballon des Franzosen Sivel leisteten. Vor 20000 Schaulustigen stieg der „Aufsteiger aus Pommern“ dabei in atemberaubende 1500 Meter Höhe.

Heute erinnert außer dem Namen des Parks nicht mehr viel in Göteborg an den pfiffigen Unternehmer, der einst als Wirtschaftsflüchtling ankam. Grund genug für die Urenkelin, das Leben des Urgroßvaters nachzuzeichnen, dessen Flüchtlings-Schicksal ein Happy End fand. 2016 konnten die Schweden das Ergebnis in einer neunmonatigen Ausstellung im „Emmigrantenhus“ von Göteborg betrachten. Ausstellungseröffnung heute 19 Uhr. Die Öffnungstermine sind begrenzt: 20.-22.8.; 28.+29.8.; 4.+5.9. sowie 11.9., immer jeweils 14-17 Uhr.

Antje Enke

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