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Usedom „Wir brauchen einen Bettenstopp“
Vorpommern Usedom „Wir brauchen einen Bettenstopp“
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00:00 27.09.2018
Heringsdorf

. Trotz eines Supersommers mit Sonne satt in diesem Jahr, tauchen in der Statistik der Kaiserbäder in den Monaten Juni und August rote Zahlen auf. Im Juni gab es bei den Gästeankünften im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 4,4 Prozent, im August von –6 Prozent. Auch bei den Übernachtungen sind es im Vergleich zum vorigen Jahr Rückgänge.

Heringsdorfs Kurdirektor Thomas Heilmann über rücklaufige Übernachtungszahlen, eine tourismusunverträgliche Entwicklung und mehrere Großprojekte, die in Arbeit sind

Gibt es Ursachen für diese Entwicklung?

Thomas Heilmann: Ja. Klar. Mehrere Häuser waren in dieser Saison geschlossen oder nicht ganzjährig am Markt. Da ist das Tryp Strandhotel in Ahlbeck, die „Boje“ in Heringsdorf, das Panorama Hotel in Bansin. Nach dem schlechten und verregneten Sommer bei uns war der Sonnenhunger so groß, dass viele in diesem Jahr wieder im Ausland waren, wie beispielsweise in der Türkei, Tunesien, Ägypten oder Marokko. Auch Kreuzfahrten werden immer beliebter. Wir können froh sein, dass wir noch so einen schönen Sommer hatten. Wir werden auch künftig kaum noch Zuwächse erreichen. Wenn wir in diesem Jahr das Ergebnis von 2017 mit rund 3,6 Millionen Übernachtungen erreichen, können wir zufrieden sein. Im Frühjahr sah der Vorbuchungsstand nicht rosig aus.

Das kann doch aber nicht der Grund sein, dass bei diesem tollen Wetter und vollen Stränden weniger Menschen hier Urlaub machen?

Unser Problem ist die Bettenmaximierung. Höher, schneller, weiter – das funktioniert so nicht mehr. Beim Bauen von neuen Hotels wäre manchmal eine Etage weniger ortsverträglicher und damit nachhaltiger gewesen. Wir brauchen für die Kaiserbäder einen kompletten Baustopp. Die Diskrepanz zwischen Wohnen und Tourismus geht immer weiter auseinander. Das ist eine tourismusunverträgliche Entwicklung. Wir werden auch in Zukunft Probleme haben, die immer wachsende Bettenanzahl füllen zu können. Die Bettenkapazität in den Kaiserbädern lag beispielsweise im Jahr 2014 bei 21367, drei Jahre später waren wir bereits bei 23164.

Kommt die Forderung nach einem Bettenstopp nicht ein bisschen spät? Mehrere Bauprojekte sind doch schon in Planung oder werden bald realisiert. Da spreche ich noch nicht mal von den großen Plänen im Inselnorden.

Ja, Sie sprechen die ehemalige Berufsschule in Ahlbeck an, die inzwischen abgerissen und durch ein Hotel ersetzt wird. Die Orlopp-Fläche in Bansin wird noch bebaut, die EKZ-Grundstücke sollen überplant werden. Das Hotel ,Das Ahlbeck’ wird ebenso erweitert. Noch stärker spürt man diese ungesunde Entwicklung in Swinemünde. Dort reichen ebenfalls die Arbeitskräfte kaum noch. Das Problem des Fachkräftemangels spüren wir auf der Insel Usedom und Rest von Deutschland längst. Einige Restaurants mussten wegen Personalmangels in der Saison einen Ruhetag einlegen. Viele Stellen in der Gastronomie und Hotellerie sind frei.

Also sagen Sie, künftig keine Investitionen mehr?

Jedenfalls nicht in neue Betten. Wir brauchen Investitionen in die Infrastruktur. Da zähle ich den Baumwipfelpfad dazu. Investieren sollte man in bestehende Hotel-Anlagen. Ich denke da an einen Umbau mit neuen Konzepten. Der Markt braucht frische Produkte. So wie beispielsweise der Heimathafen von Familie Wehrmann. Natürlich müssen auch wir uns mit unserer kommunalen Infrastruktur neu aufstellen.

Wie zum Beispiel ein Haus der Erlebnisse. Wie ist der Stand des Vorhabens? Liegt ein Konzept vor?

Ja, vom Büro Triad aus Berlin gibt es jetzt Pläne, wie das Haus der Erholung künftig zum Haus der Erlebnisse werden kann.

Können Sie Details verraten?

Das bestehende Haus an der Promenade in Ahlbeck soll erhalten bleiben, weil es unter Denkmalschutz steht. Hinter dem Haus auf dem jetzigen Parkplatz sollen zwei Parkdecks gebaut werden. Darüber gibt es eine begehbare Dachterrasse, die im Sommer bespielt werden kann. Im HdE planen wir eine Kunstgalerie, die Touristinformation und mehrere Ausstellungsbereiche. Die Themen sind Menschen, Bäderarchitektur, Genuss, Erholung und Zukunft. Dort soll auch wieder ein Kino entstehen. Das HdE wird Bestandteil des Kaiserbäder-Erlebnispfades.

Erlebnispfad – wie viele Stationen sind geplant?

Wir planen mit 39 Stationen. Das sind viele Villen, das Korbwerk Heringsdorf oder die Sternwarte von Manfred von Ardenne. Es ist denke ich kaum bekannt, dass er in seinem Leben mehr als 600 Patente erhalten hat. Ein Leuchtturm-Projekt des Erlebnispfades ist auch das Fischereierlebniszentrum in Bansin.

Sie meinen damit sicher den Umbau des Haus des Gastes in Bansin. Wie ist da der Stand?

Wie beim HdE, vom Berliner Büro Triad liegt ein Konzept vor. Wir wollen das Haus des Gastes zu einem Fischereierlebniszentrum umbauen. Inhaltlich geht es um die Fischer und die Fischerei. Wir wollen mit viel Interaktion arbeiten. Das reicht vom Lichten des Ankers über Heringspuken mit Aussicht und das Steuern und Navigieren eines Kutters. Ein Pädagogikraum ist ebenfalls vorgesehen.

Schön und gut, das muss finanziert werden. Ohne Fördermittel geht das nicht. Gibt es Signale aus Schwerin?

Am 15. Oktober fahren wir in die Landeshauptstadt und sprechen über diese Projekte. Mal schauen.

Interview: Henrik Nitzsche

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